Mittwoch, 7. September 2016
Eine bittere Erkenntnis brachte die Woche: Man kann in Menschen nicht hineinsehen.
Man kann ihnen nicht ansehen, anmerken oder vorausahnen, wozu sie fähig sind. Und manchmal ist es nur Zufall, ob man es jemals herausfindet.
Donnerstag, 25. August 2016
Ich hatte Urlaub, oder sowas in der Art: Während Mann und Kind zu Hause blieben, bin ich zu meiner Schwester nach Hamburg gefahren, um ihr ein bisschen bei der Kinderbetreuung zu helfen. Nebenbei habe ich mir die Stadt angesehen, das kam bei den letzten Besuchen vor unendlich vielen Jahren (oder zwei Kindern, wie man in meiner Familie rechnet) einfach zu kurz.
Und so war ich eine ganze verregnete Woche lang auf St. Pauli. Vom Balkon aus konnte man die Reeperbahn sehen, was zugegebenermaßen unter der Woche bei Regen nicht weiter spannend ist, auf dem Weg zum Kindergarten kam ich an drei Sex-Kinos vorbei, was für mich etwas gewöhnungsbedürftig war, und dazwischen gab es vegane Eisläden, Hipster im Nadelstreifen und obdachlose Kapitäne, was dann auch schon wieder ein bisschen an Plaguewitz erinnerte.
Mit dem Meer verbindet mich so einiges, nicht nur die Kindheitserinnerungen an Nord- und Ostseeurlaube. Der Urlaub in Stralsund mit meinem Mann und unserem (ungeborenen) Kind war der schönste, den ich je hatte, und jedesmal, wenn ich in einer Stadt am Meer bin, überraschen mich wieder die freundlichen Menschen überall. Dazu kommt die Luft: Meine im Sommer dauerverschnupfte Nase verträgt eine steife salzige Seebrise deutlich besser als die Leipziger Lindenalleen.
Das einzige neben meiner generellen Liebe zu Leipzig, das mich effektiv davon abhält, ans Meer zu ziehen, ist meine panische Angst vor dem Ertrinken. Offene Gewässer sind einfach nichts für mich, und näher als zwei Meter kann ich ans Hafenbecken nicht herantreten, ohne Schweißausbrüche zu bekommen.
Die Woche war trotzdem schön und trotz zweier sehr sehr lebhafter Kinder erstaunlich erholsam.
Samstag, 23. Juli 2016
Auch diese Woche mache ich einen Bogen um all die furchtbaren Nachrichten in der Welt - wenn diese Würstchen eines bereits genug haben, dann doch Aufmerksamkeit. Davon abgesehen hasse ich Spekulationen. Und Idioten sowieso.
Diese Woche waren Herr F. und ich am Cospudener See. Die letzte Woche Urlaub der Tagesmutter neigt sich dem Ende zu. Darauf folgt die letzte Woche mit der Tagesmutter überhaupt, bevor es heißt: Kindergarten Ahoi! Wer weiß, was uns da erwartet. Ich hoffe auf Sauberwerden und Abschied vom Schnuller.
Schnell verlinkt
- Ein sehr interessanter und lesenswerter FAZ-Kommentar: Es braucht mehr Religion, um Extremismus zu bekämpfen.
- Der Unister-Prozess hat mich schon interessiert, und was jetzt nach dem Absturz von Thomas Wagner abgeht, erst recht: Was in Venedig wirklich geschah - eine Rekonstruktion.
- Nochmal die FAZ, aber von einer Gastkommentatorin: Die Grünen-Abgeordnete Kerstin Andrae dazu, warum eine Vermögenssteuer nicht hilft, Ungleichheit zu bekämpfen.
- In Bayern wurde eine Klapperschlange mit zwei Köpfen geboren. Ein Omen!
- Und zu guter Letzt das haltlose Gejammer einer Studentin, das ich langsam nicht mehr hören kann: Über den schlimmen, schlimmen Leistungsdruck an deutschen Universitäten. Das passiert, wenn man Papis Erzählungen aus seiner glorreichen Studentenzeit ernst nimmt und denkt, die Pubertät bis in die Zwanziger verlängern zu müssen. Nichts gegen Selbstfindung und Charakterbildung, im Gegenteil, aber dafür ist auch im Bologna-System genug Platz. Den meisten Druck machen sich immer noch Studenten selbst, und ihre Mittelschichtseltern, die Angst vor sozialen Abstiegen haben. Aber diese Paranoia und ihre seltsamen Blüten sind wahrscheinlich mal einen eigenen Eintrag wert.
Donnerstag, 21. Juli 2016
Herr F. und ich waren am Cospudener See. Er ist nicht der Schönste im Leipziger "Neuseenland", aber der erreichbarste von unserem Haus aus - mit Bus und Straßenbahn ist man in gerade mal 20 Minuten am Strand.
Früher bin ich oft mit dem Fahrrad durch die Seenlandschaft gefahren, durch Wald und Wiese, vorbei an riesigen Industriedenkmälern, an weidenden Auerochsen, an den Apelsteinen. Dann habe ich mich abseits des Trubels ans Ufer gesetzt, in die Böschung, wo es keinen Sand, aber Badestege und Ruhe gibt. Heute sitze ich am Sandstrand in der Sonne und baue Matschburgen, wische Tränchen und Schlammspritzer aus Kinderaugen, krame ständig Sonnencreme, Apfelstückchen, Wasser, Sandförmchen, Feuchttücher aus der Tasche, esse Eis- und Pommesreste auf, verscheuche Fliegen und versuche einem zappeligen Kleinkind zu erklären, warum er mittags wenigstens eine halbe Stunde unter dem schattigen Sonnenschirm sitzen soll und warum Mamas Augen ständig zufallen.
Nett war es trotzdem, und fühlte sich sogar ein klein wenig wie Erholung an. Nur ein Cocktail mit viel Eis und Schirmchen hat gefehlt.
Samstag, 16. Juli 2016
Hiobsbotschaften - schnell und bequem verfügbar am Frühstückstisch. Wenn ich morgens aufstehe, lese ich Nachrichten, und irgendwie macht das dieses Jahr so gar keinen Spaß. All die Toten, all die politischen Verwirrungen - die ganze Welt scheint 2016 unbedingt die Erde in die Luft jagen zu wollen.
Ich hatte eine nette Woche. Herr F. und ich waren in Merseburg, um uns den berühmten Dom anzusehen. Und eine der ältesten Städte Mitteldeutschlands. Gemütlich war es, und eine Bratwurst auf Kleinstadtmarktplätzen in wackeligen Klappstühlen lässt immer irgendwie Urlaubsfeeling aufkommen.
Und jetzt: Heute ist CSD. Geht raus! Geht feiern! Bringt ein bisschen Farbe in den Trübsinn!
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