Wenn ich mir meine letzten Posts 2016 ansehe, mache ich mir Sorgen um die traurige Person, die sie geschrieben hat und frage mich, ob es ihr besser geht, ob sie in den letzten Monaten wieder Kraft und Ruhe und ein kleines bisschen Glück gefunden hat.
Die Antwort ist schwierig. Wie immer ging es noch ein Stück weiter bergab, bevor ich anfangen konnte, mich aus dem Tief herauszugraben. In den ersten Monaten 2017 habe ich noch mehr gezweifelt, noch mehr abgenommen und noch mehr nach Auswegen gesucht. Dann kam Gott sei Dank der Frühling, und dem konnte ich noch nie widerstehen.
Was hab ich gemacht?
In der Zwischenzeit wurden: eine Bachelorarbeit geschrieben, viel gewandert, viel Zeit mit netten Leuten verbracht, eine Prüfung bestanden, eine andere beantragt, ein Berg bestiegen, Höhenangst an einem steilen Abgrund bekämpft, zwei Paar Schuhe gekauft, zwei alte Freundschaften wiederbelebt und eine neue gewonnen, eine komplette Serie durchgeschaut, zwei Fische drogenbedingt der Konspiration verdächstigt, ein Paar Socken gestrickt, ein Pullover angefangen, zweitausendfünfhundertdreiundsechzig Liter Kaffee getrunken (Schätzwert), vierundzwanzig Margaritas getrunken (exakter Wert), dreißig Meter geschwommen, ein Regal und ein Katzenklo gekauft und nicht zuletzt zu drei verschiedenen Gelegenheiten Ziegen gestreichelt.
Was mach ich jetzt?
In den nächsten Monaten steht viel an. Vor allem natürlich das Studium beenden. Bis auf das verdammte Latinum und die eigentliche Bachelornote ist alles im Kasten, wird zusammengepuzzelt und zu einem wackeligen Ganzen verbacken. Dann geht's von vorn los: Für den Master bewerben, BaföG beantragen, Semester planen, Hindernisse überwinden.
Daneben wird gearbeitet: Ich stehe weiter jeden Sonntag hinter der Bar, und ab und zu sieht man mich unter der Woche früh fluchend Kissenberge über den Freisitz schleppen.
Dieses Jahr hat mich der Herbst-Blues frontal erwischt. Eigentlich mag ich Herbst, ich mag die trübe Stimmung und die abfallenden Temperaturen, die bunten Blätter und den erdigen Geruch in der Luft. Der Lichtmangel hat mir noch nie etwas ausgemacht, eigentlich mochte ich es bisher auch, nur im Kerzenschein am Esstisch zu sitzen oder nach der Arbeit durch die Dunkelheit nach Hause zu radeln.
Dieses Jahr aber wurde mit dem Tageslicht auch meine Stimmung düsterer, ich schlafe schlecht, kann mich kaum motivieren, möchte mich am liebsten von Schokolade ernähren und den ganzen Tag auf dem Sofa vergammeln, wo ich dann vor mich hinbrüte und mich ärgere, dass ich so nutzlos und faul bin.
Dazu kommt die Gereiztheit. Ich bin kein besonders emotionaler Mensch und hasse nichts mehr als Leute, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Zur Zeit allerdings fällt mir das deutlich schwerer als sonst, ich könnte bei Kleinigkeiten explodieren und reagiere auf jede noch so winzige Provokation. Unnötig zu erwähnen, dass da ein Dreijähriger mit verbal zelebrierter analer Phase nicht direkt der beste Umgang ist.
Zu saisonalen Depressionen gibt es allerlei Forschung und Meinung, angeblich soll Lichttherapie oder gar Solarium helfen. Mir persönlich würde vermutlich am meisten helfen, wenn ich irgendwann mal wieder gesund wäre, jemand meine Wohnung putzen würde und sich mein Konto auf magische Art und Weise im Plus halten könnte. Und dann könnte 2016 auch aufhören, einfach nur immer beschissener zu werden und einen großen Menschen nach dem anderen zu killen. Ich habe ehrlich Angst um Bob Dylan.
Now so long, Marianne, it's time that we began to laugh and cry and cry and laugh about it all again.
Läuft, läuft. Ich habe bald bessere Schichten, mehr Stunden und mehr Geld. Das verdanke ich ironischerweise einer Kollegin, die aufhört, weil sie - man höre und staune - eine Stelle als Historikerin gefunden hat und nicht mehr kellnern muss. Wunder geschehen, people, es ist nicht alles verloren. Jetzt übernehme ich also ihre Muttischicht unter der Woche, und gebe dafür die Bar am Wochenende ab.
Ein bisschen werde ich die Sonntagsfrühstücker vermissen, das ist schon eine sehr eigene Stimmung. Andererseits sollte jeder, der sonntags Punkt zehn frühstücken geht und sich die Nase an Fensterscheiben des Restaurants plattdrückt, während die Angestellten doch nur in Ruhe ihren Kaffee austrinken wollen, bis die doofen Gäste reingelassen werden müssen, einen grausamen Kältetod sterben, aber das ist wohl nur wieder dieser Pessimismus, der mir ständig unterstellt wird. Wenigstens mein Kollege ist traurig, dass er jetzt sonntags nicht mehr meine schlechten Witze hören darf, und sucht nach einem passenden Ersatz, der ihn wegen seiner Herkunft (Baden-Württemberg) diskriminiert.
Und die Uni?
Läuft, läuft. Ich versuche mich in Themen für meine Bachelorarbeit einzulesen, mit dem Erfolg, dass die Fragestellungen immer mehr und immer differenzierter werden, aber gleichzeitig sind alle Ansätze so furchtbar spannend, dass ich mich immer weniger für nur einen entscheiden kann. Es ist nicht immer leicht.
Ich hatte Urlaub, oder sowas in der Art: Während Mann und Kind zu Hause blieben, bin ich zu meiner Schwester nach Hamburg gefahren, um ihr ein bisschen bei der Kinderbetreuung zu helfen. Nebenbei habe ich mir die Stadt angesehen, das kam bei den letzten Besuchen vor unendlich vielen Jahren (oder zwei Kindern, wie man in meiner Familie rechnet) einfach zu kurz.
Und so war ich eine ganze verregnete Woche lang auf St. Pauli. Vom Balkon aus konnte man die Reeperbahn sehen, was zugegebenermaßen unter der Woche bei Regen nicht weiter spannend ist, auf dem Weg zum Kindergarten kam ich an drei Sex-Kinos vorbei, was für mich etwas gewöhnungsbedürftig war, und dazwischen gab es vegane Eisläden, Hipster im Nadelstreifen und obdachlose Kapitäne, was dann auch schon wieder ein bisschen an Plaguewitz erinnerte.
Mit dem Meer verbindet mich so einiges, nicht nur die Kindheitserinnerungen an Nord- und Ostseeurlaube. Der Urlaub in Stralsund mit meinem Mann und unserem (ungeborenen) Kind war der schönste, den ich je hatte, und jedesmal, wenn ich in einer Stadt am Meer bin, überraschen mich wieder die freundlichen Menschen überall. Dazu kommt die Luft: Meine im Sommer dauerverschnupfte Nase verträgt eine steife salzige Seebrise deutlich besser als die Leipziger Lindenalleen.
Das einzige neben meiner generellen Liebe zu Leipzig, das mich effektiv davon abhält, ans Meer zu ziehen, ist meine panische Angst vor dem Ertrinken. Offene Gewässer sind einfach nichts für mich, und näher als zwei Meter kann ich ans Hafenbecken nicht herantreten, ohne Schweißausbrüche zu bekommen.
Die Woche war trotzdem schön und trotz zweier sehr sehr lebhafter Kinder erstaunlich erholsam.
Endlich mal eine gute Woche, fast schon entspannt, mit guten Nachrichten und innerer Ausgeglichenheit. Dafür kommt der Samstagskaffee viel zu spät. Aber davon werd ich mir jetzt nicht die Laune verderben lassen.
Voll badass. Das Foto, das wir unserem Sohn später zeigen, um zu beweisen, dass wir auch mal cool waren. Damals.
Wie ich schon mehrmals sagte, sind Historiker nicht die, die mit vollen Stundenplänen und Arbeitspensum glänzen. Und so gönnen sie sich, neben dem späten Semesterbeginn und Seminaren, in denen locker diskutiert und mittendrin Kaffee ausgeschenkt wird, auch eine einwöchige Pfingstpause.
Das ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht man nur, wenn man mittendrin sitzt: Um entspannt zu diskutieren, braucht man Wissen und ein stabiles Faktengerüst, man muss mitdenken und den Faden behalten, Fachbegriffe und Namen kennen, und, ganz wichtig, immer wissen, wer gerade Kaiser, König, Kurfürst ist. Das Pensum ist nur auf dem Papier klein, praktisch verbringt man noch einmal doppelt so viel Zeit damit, zu lesen, und zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Latein. Wahlbereichsstudenten, die nicht aus der Geschichte kommen, sagen hinterher ganz atemlos, sie hätten irgendwann gar nichts mehr verstanden, und ob es nicht ein Buch gibt, wo alles Wichtige drinsteht.
Und so ist auch die Pfingstpause throretisch Lektürepause, in der der fleißige Historiker Zeit hat, all die Zusatzlektüre, die er am Anfang des Semesters empfohlen bekam, pro Modul so zehn bis zwanzig Bücher, in der Albertina durchzuackern. Keine Angst, macht keiner. Und wenn, dann schauen wir uns das Inhaltsverzeichnis an und trinken zur Belohnung ein Bier im Park.
Die Tabletten, die man meinen Füßen verschrieben hat, wirken, zumindest gehen die Schmerzen zurück, und anders als die Packungsbeilage verspricht, merke ich keine Nebenwirkungen, obwohl ich mich schon auf Halluzinationen und Adrenalinschübe gefreut ("gelegentlich") und ein bisschen Angst vor Ausschlag und Nesselsucht ("häufig") und Magenschmerzen mit blutigem Durchfall ("sehr häufig") hatte. Krasses Zeug, das. Aber vielleicht kommt das noch - und ich bin plötzlich nicht mehr Freundin und Mutter, sondern Manuel Neuer.
Dann ein Glücksmoment: Meine Hausarbeit, die mich Anfang des Jahres auf Trab gehalten und an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil plötzlich alles schief ging, die These sich als falsch und stundenlange Archivarbeit als umsonst entpuppte - diese Hausarbeit wurde mit meiner ersten glatten 1,0 bewertet. Kann man ein bisschen stolz sein. Finde ich.
Und damit das (professionelle) Glück nicht abreißt, habe ich meinen 5-Jahresplan überarbeitet. Ich mag Pläne. Pläne sind super. Meine Planerei sorgt dafür, dass ich weiß, wer und wo ich bin, dass mein Kind regelmäßig isst und ich halbwegs vorankomme im Studium. Ich glaube, das Chaos, das mein Leben früher war, kann sich niemand vorstellen. Der 5-Jahresplan jedenfalls läuft schon seit meinem 25. Geburtstag. Niemand außer mir wird ihn jemals zu Gesicht bekommen. Aber er funktioniert. Ich habe mir einfach für jedes Jahr ein Ziel gesteckt, zwei Zwischenziele festgelegt, die ich im Blick behalten kann, und kann jetzt die Frage "Wo sehe ich mich in fünf Jahren?" relativ genau beantworten. Nämlich auf der Party zu meinem 30. Geburtstag. Wer mir diesen Post 2020 ausgedruckt auf den Tisch knallt und dazu "Rosebud" murmelt, ist automatisch eingeladen, muss aber Salzstangen mitbringen. Und ein Pony.
Oder eben auch nicht. Meinen Füßen, diesen Plagen, die mir und anderen Frauen meiner Familie damals mithilfe von Rattenblut und nackten Tänzen in Vollmondnächten von einer alten buckligen Frau mit Hakennase und Vollbart angehext wurden, damit wir nicht zuuuu schön würden (ähem ähem), geht es gar nicht gut. Sie wurden diese Woche nicht nur von zwei Vierjährigen als "voll hässlich und schief" bezeichnet (Nie wieder barfuß im Sandkasten!), sondern auch wegen meiner Laufschwierigkeiten der letzten Monate zum Arzt geschleppt, der sie mit entsetztem Blick und auch ein bisschen Anerkennung ("Solche Füße, in so jungen Jahren!") zum Chirurgen schickte, wo man ihnen demnächst noch mehr Aufmerksamkeit schenken und sie hoffentlich erfolgreich behandeln wird.
Was mir im Moment die meisten Sorgen macht, ist, dass ich so nicht arbeiten kann und sich das diesen Monat ziemlich deutlich aufs Konto auswirken wird. Sehr unschön.
Diese Woche ging so richtig schön scheiße los. Das schöne Wetter, bei Gastronomen gemeinhin voller Freude (Chef) oder Schrecken (alle, die arbeiten) "Freisitzwetter" genannt, lockte die Menschen genau dahin: Auf den Freisitz, diese Ur-Leipziger Einrichtung, um die blassen Sonnenbrillengesichter in die Wärme zu halten und dabei Soja-Latte Macchiato mit Zimtaroma zu trinken. Nicht, dass ich ihnen das nicht gönne. Für meine Kollegen und mich hieß das aber, ein ganzes Wochenende im Dauerlauf zu verbringen.
Dabei haben, nach sechsundzwanzig Jahren einer innigen Hassliebe, meine Füße den Dienst quittiert. In den letzten Wochen hatte ich schon manchmal Probleme beim Laufen, das aber auf die neuen Turnschuhe geschoben, denn in den meisten anderen, auch den berüchtigten zwölf-Zentimeter-Glitzer-Highheels, konnte ich normal gehen. Das war am Sonntag vorbei - von einer Sekunde zur nächsten hatte ich höllische Schmerzen in beiden Fersen, jeder Schritt war, um es mit Hans Christian Andersen zu sagen, als ob ich "auf spitzige Nadeln und scharfe Messer träte". Da ich niemanden im Stich lassen wollte, habe ich so gut es ging weitergearbeitet, und mein Kollege hat sein Bestes getan, mich zu entlasten.
Nunja, seitdem kann ich nicht mehr laufen, und tue es trotzdem, weil das Kind ja trotzdem zur Tagesmutter und zurück nach Hause muss, ich ja trotzdem Seminare habe und und und. Jeder, der mir rät, ich solle "mal die Füße hochlegen", darf gerne all das übernehmen, oder für immer schweigen.
Ansonsten habe ich sehr auf das Wochenende hingefiebert - der Samstag, an dem dieser Text erscheint, war eigentlich für einen Kurztrip zu Verwandten geplant, der aber kurzfristig abgesagt wurde, und wird damit der erste freie Samstag, den wir dieses Jahr zur Verfügung haben. Das erste freie (verlängerte!) Wochenende! Erst wollten wir stattdessen irgendetwas anderes unternehmen - Tagesausflug, Ikeabesuch, endlich mal das Kinderzimmer einräumen, mein vage angekündigtes Bauprojekt starten, irgendetwas Spannendes. Aber eigentlich möchte ich einfach nur drei Tage lang mit Kühlakkus am Knöchel auf dem Balkon sitzen, Cider trinken und den Bienchen und Blümchen und meinem Kind auf dem Dreirad zusehen.
Lesenswert
Ein großartiger Beitrag bei kleinerdrei über die Schwierigkeiten, die das Studieren mit Kind so mit sich bringt. Gut, dass es nicht nur mir immer so geht.
Schon wieder kein Samstagskaffee. Die Zeit, die Zeit. Meine Tage im Moment sind achtzehn Stunden lang, davon etwa eine Stunde für mich. Demnächst wird es wieder besser. Manchmal läuft es eben einfach nicht so.
Meine Mutter machte mich letztes Jahr wütend, als sie sagte, sie habe den Eindruck, mir werde das alles zu viel. Ich solle mir überlegen, ob ich das wirklich schaffe, so mit dem Studium. Wäre ich ein impulsiver Mensch, hätte ich sie angeschrien. So habe ich irgendetwas Leises gemurmelt, dass ich das schon schaffe, und mich später im schwesterlichen WhatsApp-Chat beschwert. Manchmal bin ich eben doch nicht so stark.
Das Wochenende war das anstrengendste, das ich in den letzten Monaten auf Arbeit erlebt habe. Gott sei Dank sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team und haben es geschafft, die Nerven zu bewahren, uns gegenseitig aufzumuntern und am Ende doch irgendwann mal Feierabend zu machen. Manchmal läuft es dann eben doch.
Das Leben mit einem Dreijährigen hat seine Tücken, man sollte es kaum glauben. Zur Zeit sind zwei Drittel seiner Äußerungen Fragen. Das kann einen wahnsinnig machen. Der Rest sind unfreiwillig komische Sätze, die sofort wieder aufheitern. Tragisch wird es, wenn etwas nicht exakt so läuft, wie er sich das vorgestellt hat. Wenn man ihm ein Taschentuch reicht, statt des gelben "Tränchentuchs". Wenn man die Banane kleinschneidet, obwohl er nicht darum gebeten hat. Wenn man zum Staubsaugen den Bauklotzturm verrückt hat. Dann folgt regelmäßig ein empörtes "Aber das hab ich doch verkündet!" und Unverständnis, wenn die Eltern lachen.
Das Auslachen rächt sich in wenig schmeichelhaften Vergleichen. Neulich sah er ein Bild von Vlad dem Pfähler, und rief begeistert: "Der sieht aus wie die Mama!"
Übrigens:
Beim Schaukeln, Rutschen und Ähnlichem ist es wichtig, dass die Eltern HUUIIII rufen, weil sonst das Kind nicht kapiert, dass es Spaß macht.
Der Samstagskaffee kommt heute verspätet, und ganz ohne Kaffee. Dafür gibt es Halsschmerzen und schlappe Knochen. Die letzten Tage waren wohl ein bisschen viel für mich, und anders als sonst, wenn ich kränkel, mach ich eine Pause und versuche nicht, irgendwie durchzukommen.
Also, schnöde Welt, ich lümmel mich heute auf das Sofa, lese Kinderbücher vor und schlürfe Tee und erledige wahrscheinlich am Ende trotzdem wieder Wäsche und Haushalt.
Ich hatte also schon wieder Geburtstag. Seit die 20 überwunden ist, habe ich das Gefühl, die werden häufiger. Nun lebe ich 9498 von meinen angestrebten 26664 Tagen* auf dieser Erde.
Zur Feier des Tages durfte ich um sieben aufstehen und um neun in der Uni sitzen, um Latein zu lernen. Nach diesem äußerst feierlichen Einstieg hatte ich meine erste Veranstaltung im Schlüsselqualifikationsmodul (tolles Wort, oder? Ach, Bologna.) "Einführung in die Finanzmärkte". Ich muss dummerweise so ein SQ-Modul besuchen, und wenn schon, dann wenigstens eins, das schlau klingt. Außerdem ist Klugscheißerei mein einziger Lebenszweck, deswegen studiere ich schließlich auch Geschichte, und da passt das doch wunderbar.
Damit war ich auch nicht die Einzige, wir coolen Kinder haben tatsächlich eine ganze Sitzreihe mit Historikern voll bekommen (ganz hinten, versteht sich). Ich bin übrigens sehr stolz, dass ich trotz ausgeprägtem Desinteresse meinen Kommilitonen gegenüber mittlerweile den ein oder anderen aus verschiedenen Veranstaltungen wiedererkenne. Ich kann mir zwar keine Namen merken, aber "der den ich in Fantasy-Filmen als Zwerg casten würde" und "der der im Kolonialismus-Seminar immer Solitär gespielt hat" tut es doch eigentlich auch. Noch schöner ist natürlich, dass sie mich im Gegenzug auch erkennen. Und dass wir alle uns einig sind, dass es unverantwortlich von den anderen Instituten ist, gleich zu Semesterbeginn das Semester zu beginnen, wo wir doch alle noch damit beschäftigt sind, die Hausarbeiten vom letzten Semester fertig zu schreiben und mit mehr oder weniger guten Ausreden später abzugeben, und die Semesterbeginn-Grillpartys sind doch auch noch nicht gelaufen.
Jedenfalls hatte ich Geburtstag und kurz überlegt, mir statt meines Kaffees einen Piccolo zu gönnen, aber Sekt macht immer so albern. Das geht nur auf Arbeit.
An sich war es ein ganz normaler Montag, nur mit tausend Facebook-Benachrichtigungen ("Mensch den du seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hast hat an deine Pinnwand gepostet"), ehrlich gemeinten Glückwünschen, Geschenkpäckchen und einem Kernfamiliären Abendessen beim Mexikaner. Manchmal fühle ich mich noch Schleußig-er als sonst.
PS: #le0404 passiert, jetzt gerade. Aber nicht hier.
PPS: *An diesem Tag feiere ich selbstverständlich wie jeder Mensch von Welt den ersten erfolgreichen Test des Warp-Antriebs und die Kontaktaufnahme mit den Vulkaniern.
Das Ziel eines gut sortierten und ausgemisteten Kleiderschrankes ist die "Grundausstattung", also diese Teile, die man je nach Stimmung und Wetter variieren und kombinieren kann, die, von denen man weiß, dass man sie mehr als einmal trägt, und die entsprechend sorgfältig ausgesucht und von besserer Qualität sein sollten.
In der Wardrobe Architect-Reihe findet man dafür folgende Kriterien:
Choose one to six silhouettes for the season.
Create a color palette.
Break down your silhouettes and colors into a list of pieces.
Organize what to make, what to buy, and what you already own.
Naja, wie ich im letzten Post schon festgestellt habe, ist das für mich nicht so schwer. Meine bevorzugten Formen und Farben sind eher limitiert und ändern sich im Laufe der Jahreszeiten nur bedingt (bauchfreie Tops zum Beispiel). Mit meiner Farbpalette bin ich zufrieden und möchte sie eigentlich nicht erweitern:
Was soll's, jeder tut es insgeheim: diese kleine Liste abarbeiten, was man dieses Jahr wieder alles nicht geschafft hat. Erlebnisse rekapitulieren. Pläne machen. Verknappen und romantisieren. Here we go.
Hier im Bild: Großelterliche Geburtstagskarte für meinen alten Mann.
Gestern traf tatsächlich das alljährliche Adventspäckchen meiner Oma bei uns ein, und leitete vier Wochen der schamlosen Völlerei und des Zuckerkomas ein. Ich bin ja ein echtes Weihnachtskind und kriege schon leuchtende Augen, wenn die ersten Weihnachtsbeleuchtungen aufgehängt werden und friedlich vor sich hin glitzern. Ab morgen wird es bei mir ausschließlich Weihnachtsmusik zu hören geben, ich werde Menschen mit "Last Christmas" nerven und den kleinen Herrn F. zum Weihnachtsbasteln überreden - und Omis Adventspaket ist jedes Mal der Startschuss.
Diese Woche hat mich die Erkenntnis eingeholt, dass ich das Pensum, das ich mir mit Uni-Kind-Job-Haushalt aufgehalst habe, auf Dauer nicht durchhalten werde. Deswegen habe ich Arabisch über Bord geworfen, weil es einfach nicht sehr sinnvoll ist, ein Nebenfach zu betreiben, für das man fünfmal so viel Zeit und Speicherplatz benötigt wie für sein Hauptfach.
Stattdessen wiederhole ich seit drei Tagen fleißig Latein und werde die Prüfung, die ich vor drei Jahren vermasselt habe, am Ende des Semesters nachholen. Und wünsche mir bis dahin jeden Tag, ich hätte in der Schule mein Latinum gemacht.
Herr F. und das schwarze Monster. Daneben das orangene Monster. Nicht mehr im Bild: Das Popelmonster. Es macht zwar tierische Spaß, mit einem Zweieinhalbjährigen Graffitti zu interpretieren, zu beinahe allen anderen Gelegenheiten geht er mir jedoch auf die Nerven. Ständige Wutanfälle, Tobsucht und Geheul inklusive. Ich glaube, er bleibt so bis zur Pubertät ;-)
Diese Woche war es etwas ruhiger um mich - Dienstag habe ich mir mit wer-weiß-was den Magen verrenkt, hatte vier Tage lang Bauchkrämpfe und Schmerzen und die ganze Zeit so ein ekliges Gluckern im Bauch, als hätte jemand Brausepulver reingeworfen. Meine Ernährung fiel dementsprechend einseitig aus - Haferbrei, Zwieback und mit viel Vorsicht eine Möhren-Kürbis-Suppe - und auch heute wird mein Samstagskaffee neben einem Glas Haferschleim, oder wie man in Hipsterhausen sagt, Overnight Oats, serviert:
Das Rezept ist einfach: 4 bis 5 EL Haferflocken und 1 EL Kokosraspel mit warmer Milch übergießen, Deckel zu und über Nacht im Kühlschrank weichen lassen. Am nächsten Morgen zwei TL Honig einrühren, fertig ist das magenschonende Matschfrühstück. Eigentlich mag ich keinen Brei und allgemein zu weiches Essen, also musste ich mich etwas überwinden. Aber wer die Konsistenz mag, für den sind Overnight Oats definitiv ein gesundes, leckeres und schnelles Frühstück. Auch wenn es eigentlich nur Birchermüsli für Hipster ist.
Ein weiteres gut funktionierendes Hausmittelchen gegen Krämpfe und Bauchschmerzen (auch menstruelle) ist Pfefferminztee. Da ich neulich meine Minze auf dem Balkon vereinzelt und ausgesetzt habe und sie zuverlässig sofort angefangen hat, zu wuchern, habe ich ihn aus frischen Blättern angesetzt:
Ein Zweigchen oder zwei zerpflücken, mit heißem Wasser übergießen und einen TL Honig einrühren. Minze wirkt desinfizierend, krampflösend und erfrischend, außerdem wirkt das Menthol gegen das leichte Hungergefühl, dem man eher zurückhaltend nachgeben sollte. So ausgerüstet, habe ich zumindest das Gröbste überstanden.
What else is new?
Morgen gehen die Einschreibungen los und ich stehe wieder vor der schweren Balance zwischen "Das interessiert mich" und "Das brauch ich im Studienverlaufsplan" - in dem ist nämlich genau festgelegt, wieviel ich wovon machen muss, und wenn ich halbwegs pünktlich fertig werden möchte, muss ich mich daran halten. Eigentlich würde ich gerne jetzt mein Mittelaltermodul erledigen, aber irgendein Scherzkeks hat sich ausgedacht, dass die Veranstaltungen dieses Semester alle abends stattfinden. Vielleicht hole ich endlich Latein nach oder springe in die Neuere Geschichte. Arabisch mache ich auch weiter, jetzt wo ich schon mal damit angefangen habe.
Letzte Woche habe ich mich mithilfe der fruchtbar.org-Karte auf die Suche nach Wildobst gemacht. Und einiges gefunden. Zum Beispiel Wildäpfel:
Die meisten anderen Früchte, die ich im Auge habe, sind demnächst ebenfalls reif. Ich habe noch einen ganzen Post zum Sammeln und Verarbeiten in Arbeit, also dazu später mehr.
Mein Kaffee wird heute neben einem schönen spätsommerlichen Dahlienstrauß serviert.
Der Tisch sieht in der Realität nicht halb so dekorativ aus wie als Foto-Hintergrund. Er gehörte dem Großvater meines Mannes und hat eine Schublade, die auseinanderfällt, sobald man sie öffnet. Deswegen darf Besuch niemals an der Schubladenseite sitzen - ausnahmslos jeder zieht mal dran.
Reise nach Osten
Ansonsten war meine Woche unspektakulär. Beim Altstadtfest erinnerte ich mich an die Vorzüge des ungehinderten Grenzüberganges - Bier und Essen waren im Vergleich zu den normalen Festpreisen selbst im Restaurant extrem billig (1,50€ für ein großes Radler), und auch die Stände waren in Zgorzelec hübscher. Auf der deutschen Seite waren dieses Jahr weniger Stände und Künstler als sonst; unterhalten wurden wir trotzdem gut. Ein kleines Mitbringsel musste trotz knapper Kasse sein, und so bekam das Kind eine hübsche bunte Bluse aus Polen, die sein Vater ganz furchtbar findet.
Es war unnatürlich heiß in der Oberlausitz, bevor endlich am Dienstagabend der Regen kam. Dafür gibt es dort Nadelbäume und Hügel, die höher als zehn Meter sind. Mancherorts gibt es sogar Wölfe und Elche.
Und schließlich...
...habe ich mir auch endlich meine Krone einsetzen lassen und kann jetzt wieder beidseitig lachen.
...wachsen jetzt endlich Minz und Kunz Basilikum in meiner Küche. Wenn Netto schon mal Bio-Kräuter-Töpfe reduziert.
...ist heute für alle, die es interessiert, Vegan Summer Day in Leipzig. Vielleicht sieht man mich dort beim Hipsterspotting oder überteuerte Brotaufstriche kosten.
Hier im Bild: Die einzig ordentliche Ecke des Bücherregals mit nackter Frau, Ostsee und Straßenfundblumentöpfchen; Der letzte Holunderblütensirup; Tortelloni-Auflauf mit frischem Basilikum.
Es ist sicher etwas ungewöhnlich, wenn man tage-, wochen-, ja, monatelang auf einen Zahnarzttermin hinfiebert, sich freut und die verbleibenden Tage zählt, und wenn er dann endlich da ist, die ganzen sechs Stockwerke rennt, weil der Fahrstuhl einfach zu langsam ist.
Nein, ich habe nicht den schönsten Zahnarzt der Welt. Ich gehe auch nicht besonders gern hin, habe schreckliche Angst vor Bohrern, Spritzen und auch diesen ekligen kleinen Pieksdingern, mit denen die nachprüfen, ob der Zahnschmelz hart genug ist. Der Grund, warum ich in den letzten zwölf Monaten sage und schreibe 15 mal beim Zahnarzt war, ist einfach: Ich habe schrecklich schlechte Zähne.
By Bin im Garten; CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Und weiter geht es mit oberflächlichem Mädchenkram! Mein Kleiderschrank ist chaotisch, unsortiert und in den letzten Jahren recht unkontrolliert gewachsen, weil sich mein Geschmack ziemlich gewandelt hat. Dazu später mehr. Jedenfalls soll langsam eine Ausmistaktion her, und wie startet man damit besser als mit einer schönen, bunten Liste?
Inspiriert von einem Blogpost bei GreenBird habe ich mich mit der Reihe beziehungsweise dem Konzept "Wardrobe Architect" auseinandergesetzt. Wie ich unter Danielas Post schon geschrieben habe, finde ich es nicht übertrieben, seinen Kleiderschrank systematisch zusammenzusetzen. Denn auch ich, das geb ich zu, bin schon manchmal ein Opfer von Spontan-gekauft-und-dann-nie-angezogen geworden. Außerdem erstelle ich gerne Collagen.
Vor ein paar Wochen habe ich dem Werbeschild nachgegeben, das immer aufploppt, wenn man die Google-Bildersuche benutzt und auf einen Pinterestlink geklickt hat. Ich habe meine erste Pinnwand erstellt, mich von Vorschlägen und Links und schönen Menschen leiten lassen und einige Stunden damit vergeudet, mir Hochglanzfotos von bunten Haaren anzusehen. Und seitdem möchte ich es eigentlich nicht mehr missen.
Und wenn wir die ganze Welt durchreisen, um das Schöne zu finden:
Wir müssen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht. Ralph Waldo Emerson
Pinterest ist eine tolle Sache, wenn man sich von der Kreativität anderer Menschen anstecken lassen möchte, wenn man nach Inspirationen sucht oder sich einfach nur gern schöne Bilder ansieht. Man kann damit Moodboards erstellen oder Ideen für die Zukunft sammeln, Links so abspeichern, dass man durch das Vorschaubild auch noch weiß, was sich dahinter versteckt und und und.
Deswegen habe ich heute mal ein kleines Inspirations-Moodboard mit meinen liebsten Pins der letzten Wochen erstellt.
Görlitz hat in den letzten Jahren einen erstaunlichen Hype erlebt, der sicherlich nachvollziehbar ist, wenn man sagen wir mal aus Amerika kommt und noch nie ein Gebäude gesehen hat, das älter als 150 Jahre ist. Dann muss einem die Stadt vorkommen wie einem Disney-Film entsprungen.
(c) Goerlitzinformation; CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Hollywood jedenfalls hat Görlitz als ultimative Kulisse entdeckt - ob nun Jackie Chan über den Untermarkt schwingt, Kate Winslet hier Straßenbahn fährt oder das ehemalige Karstadt am Marienplatz gleich mal zum "Grand Budapest Hotel" wird - Geschichten und Bilder aus "Görliwood" gibt es genug.
Keinen Satz höre ich, wenn ich beiläufig aus meinem Leben erzähle, so oft wie "Wie schaffst du das eigentlich immer alles?"
Also, ich finde schon, dass es recht anstrengend ist, Studium, Kind und Arbeit nebeneinander zu jonglieren, und gerate auch ab und zu ins Schwitzen, wieviel ich aber tatsächlich mache, wird mir meistens erst bewusst, wenn ich mein Pensum ausgebreitet vor mir liegen sehe. Und weil ich selbst erst mühsam lernen musste, mich so gut zu organisieren, und eigentlich, wenn man mich lässt, eher zu den Tagträumern und Schlendrianen gehöre, gibt es hier und heute mal den nach meiner Erfahrung besten Weg, wie man ein besonders volles Leben gebacken bekommt - einen Terminplaner führen!
Eine Freundin sagte mir neulich, sie käme von Treffen mit mir immer vollkommen verstört zurück. Danach redeten wir über viele seltsame Dinge und tranken blubberige Getränke und schrien kurz nach Mitternacht unsere Gedanken zu Orgasmusproblemen über die KarLi.
Das hat mich inspiriert, mich kurz in all meiner Weirdness vorzustellen und eine Liste einiger meiner liebsten Eigenschaften zusammenzustellen.