Mittwoch, 28. Juni 2017
Wenn ich mir meine letzten Posts 2016 ansehe, mache ich mir Sorgen um die traurige Person, die sie geschrieben hat und frage mich, ob es ihr besser geht, ob sie in den letzten Monaten wieder Kraft und Ruhe und ein kleines bisschen Glück gefunden hat.
Die Antwort ist schwierig. Wie immer ging es noch ein Stück weiter bergab, bevor ich anfangen konnte, mich aus dem Tief herauszugraben. In den ersten Monaten 2017 habe ich noch mehr gezweifelt, noch mehr abgenommen und noch mehr nach Auswegen gesucht. Dann kam Gott sei Dank der Frühling, und dem konnte ich noch nie widerstehen.
Was hab ich gemacht?
In der Zwischenzeit wurden: eine Bachelorarbeit geschrieben, viel gewandert, viel Zeit mit netten Leuten verbracht, eine Prüfung bestanden, eine andere beantragt, ein Berg bestiegen, Höhenangst an einem steilen Abgrund bekämpft, zwei Paar Schuhe gekauft, zwei alte Freundschaften wiederbelebt und eine neue gewonnen, eine komplette Serie durchgeschaut, zwei Fische drogenbedingt der Konspiration verdächstigt, ein Paar Socken gestrickt, ein Pullover angefangen, zweitausendfünfhundertdreiundsechzig Liter Kaffee getrunken (Schätzwert), vierundzwanzig Margaritas getrunken (exakter Wert), dreißig Meter geschwommen, ein Regal und ein Katzenklo gekauft und nicht zuletzt zu drei verschiedenen Gelegenheiten Ziegen gestreichelt.
Was mach ich jetzt?
In den nächsten Monaten steht viel an. Vor allem natürlich das Studium beenden. Bis auf das verdammte Latinum und die eigentliche Bachelornote ist alles im Kasten, wird zusammengepuzzelt und zu einem wackeligen Ganzen verbacken. Dann geht's von vorn los: Für den Master bewerben, BaföG beantragen, Semester planen, Hindernisse überwinden.
Daneben wird gearbeitet: Ich stehe weiter jeden Sonntag hinter der Bar, und ab und zu sieht man mich unter der Woche früh fluchend Kissenberge über den Freisitz schleppen.
Donnerstag, 27. Oktober 2016
Ich bin ein ewiger Schlendrian. Je älter ich werde, desto besser wird es, ich organisiere mich, ich hefte ab, ich erstelle tausend Reminder und arbeite effektiver und gründlicher und und und... stehe regelmäßig vor einem riesigen Berg an Unerledigtem, bekomme plötzlich einen Schock, weil ich diese eine wichtige Sache vergessen habe, und höre sofort die Stimme meiner Mutter, die mir wieder und wieder predigt, ich solle nicht so viel vergessen. Deadlines, Unterlagen, immer wenn ich denke, ich hätte alles im Griff, kommt etwas, das ich nicht auf dem Schirm hatte und das alles über den Haufen wirft.
Schon als Kind war ich ein Träumer, nie ganz in der Realität, sondern immer ein bisschen neben der Spur. Solange ich zurückdenken kann, war "Ach, die Marianne..." ein gängiger Seufzer in meiner Umgebung und ist es bis heute. Auf Kinderfotos starre ich in die Luft, mit glasigen, aufgerissenen Augen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mein Sohn hat exakt den selben Blick, nur sind seine Augen leuchtend blau statt braun.
Ich bin froh, dass ich auf dem Dorf aufwachsen durfte. Überall sonst wäre ich hoffnungslos verloren gewesen, wäre ohne nachzudenken mit jedem Fremden mitgegangen oder hätte einfach vergessen, wo ich bin. Auch heute bleibe ich größtenteils aus Angst in Leipzig, mich anderswo nicht zurechtzufinden, was Quatsch ist, weil ich in allen Städten bisher festgestellt habe, dass ich mich schon nach kurzer Zeit viel besser orientieren konnte als meine jeweiligen Begleiter.
Diese Woche warf ich einen Blick in die Prüfungsordnung und erschrak, weil ich nicht mitbekommen hatte, dass ich längst ein Latinum nachweisen müsste, um die Bachelorarbeit beantragen zu können. In meinem eigenen Plan habe ich es aber frühestens nächstes Semester. So etwas wirft mich immer aus der Bahn, wieso habe ich das auch aufgeschoben, warum habe ich nicht eher nachgelesen, was sage ich nur meinem Betreuer, was meinen Freunden und Familie, und warum warum warum bin ich nur immer so vergesslich.
Das Wichtigste, was ich im Studium bisher gelernt habe, ist: Alles halb so schlimm. In Wirklichkeit sitzen in der Uni keine Paragraphenreiter und Bürokraten, sondern Menschen, mit denen man reden kann. Von anderen Fakultäten habe ich schon anderes gehört, aber Geisteswissenschaftler sind ja immer ein bisschen anders. Vielleicht sind unter ihnen genug Trödler und Träumer, oder vielleicht wissen sie, dass es Wichtigeres gibt als Konformität, oder vielleicht haben sie einfach nur kein Interesse daran, jungen Menschen die Zukunft zu verbauen. In jedem Fall hören sie sich das Problem an, winken ab und sagen "Das passt schon."
Und auch wenn ich jedes einzelne Semester ankomme, kam bisher noch keiner auf die Idee zu sagen: "Ach, Frau Ziegenbalg... seien Sie doch nicht immer so vergesslich!"
Freitag, 21. Oktober 2016
Es ist geschafft, das fünfte Semester - mit nur drei Wochen Verspätung (*hust*) habe ich heute die letzte Hausarbeit abgegeben.
Ja, schon wieder Verspätung.
Ja, Studieren mit Kind kann einem ganz schön die Planung zerhauen.
Nein, ich bin wie immer nicht zufrieden. Aber wenn jetzt jemand kommt und fragt, wie eigentlich die sächsischen Staatsfinanzen unter Friedrich dem Weisen aussahen, kann ich zumindest eine halbstündige Antwort geben. Und nebenbei meine etwas weirde Begeisterung für Verwaltungsgeschichte kundtun.
Außerdem bin ich immer noch nirgends eingeschrieben, unter anderem deswegen:
Aber das macht nichts, denn eigentlich habe ich fast alle Credits zusammen, und die Bachelorarbeit rückt tatsächlich langsam in greifbare Nähe. Mein Wunschbetreuer ist (fast) überzeugt, ein Thema zumindest grob umrissen, und wenn ich es jetzt noch schaffe, mein Latinum zu bestehen, darf ich mich in gerademal zehn Monaten Bachelor of Arts schimpfen und muss nie wieder meiner Mutter die Frage beantworten, ob das mit dem Studium denn jetzt auch wirklich nicht zu schwer für mich ist.
Dienstag, 4. Oktober 2016
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| Plagwitz halt. |
Es ist, wie es immer ist: Mein Leben ist zu schnell, die Tage zu vollgestopft, um abends auch noch zu bloggen, ich bin ruhelos und gehetzt. Heute verirrte ich mich auf den Campus, um in Ruhe meine Hausarbeit weiter zu schreiben, und fand mich plötzlich mitten in der Erstsemester-Einführungswoche, zwischen pickeligen Großkotzen und Mädchen mit Zahnspangen, alles war voller Geschnatter und Gekicher und "Meeegaaa!"-Rufen und prallen Primark-Tüten, und ich fragte mich nicht nur, wann ich eigentlich so furchtbar alt geworden bin, sondern auch, seit wann Studienanfänger so dumm sein dürfen.
Alle Gespräche, die ich hören musste, kamen mir so schrecklich oberflächlich vor, über den coolen Ruf Leipzigs und süße Schuhe und noch süßere Dozenten, über die Tücken des ersten eigenständigen Wäschewaschens und was man später mal werden will.
Irgendwann gelang es mir, das Hintergrundgeräusch balzender BWL-Anfänger auszublenden und tatsächlich fünf Seiten zu schreiben, drei Seiten ohne Deckblatt und Inhaltsverzeichnis, und verzog mich nach ein paar Stunden deprimiert in die Mensa.
Nebenbei schrieb die Fakultät mir, dass ich das Modul, das ich eigentlich belegen wollte, nicht belegen dürfe, sodass ich ohne Plan und ohne für eine einzige Prüfungsleistung angemeldet zu sein in mein 6. Fachsemester starte. Da die dazugehörige Vorlesung allerdings von dem Professor gehalten wird, bei dem ich auch gerne meine BA schreiben will, werde ich trotzdem hingehen.
Sonntag, 22. Mai 2016
Endlich mal eine gute Woche, fast schon entspannt, mit guten Nachrichten und innerer Ausgeglichenheit. Dafür kommt der Samstagskaffee viel zu spät. Aber davon werd ich mir jetzt nicht die Laune verderben lassen.
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| Voll badass. Das Foto, das wir unserem Sohn später zeigen, um zu beweisen, dass wir auch mal cool waren. Damals. |
Wie ich schon mehrmals sagte, sind Historiker nicht die, die mit vollen Stundenplänen und Arbeitspensum glänzen. Und so gönnen sie sich, neben dem späten Semesterbeginn und Seminaren, in denen locker diskutiert und mittendrin Kaffee ausgeschenkt wird, auch eine einwöchige Pfingstpause.
Das ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht man nur, wenn man mittendrin sitzt: Um entspannt zu diskutieren, braucht man Wissen und ein stabiles Faktengerüst, man muss mitdenken und den Faden behalten, Fachbegriffe und Namen kennen, und, ganz wichtig, immer wissen, wer gerade Kaiser, König, Kurfürst ist. Das Pensum ist nur auf dem Papier klein, praktisch verbringt man noch einmal doppelt so viel Zeit damit, zu lesen, und zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Latein. Wahlbereichsstudenten, die nicht aus der Geschichte kommen, sagen hinterher ganz atemlos, sie hätten irgendwann gar nichts mehr verstanden, und ob es nicht ein Buch gibt, wo alles Wichtige drinsteht.
Und so ist auch die Pfingstpause throretisch Lektürepause, in der der fleißige Historiker Zeit hat, all die Zusatzlektüre, die er am Anfang des Semesters empfohlen bekam, pro Modul so zehn bis zwanzig Bücher, in der Albertina durchzuackern. Keine Angst, macht keiner. Und wenn, dann schauen wir uns das Inhaltsverzeichnis an und trinken zur Belohnung ein Bier im Park.
Die Tabletten, die man meinen Füßen verschrieben hat, wirken, zumindest gehen die Schmerzen zurück, und anders als die Packungsbeilage verspricht, merke ich keine Nebenwirkungen, obwohl ich mich schon auf Halluzinationen und Adrenalinschübe gefreut ("gelegentlich") und ein bisschen Angst vor Ausschlag und Nesselsucht ("häufig") und Magenschmerzen mit blutigem Durchfall ("sehr häufig") hatte. Krasses Zeug, das. Aber vielleicht kommt das noch - und ich bin plötzlich nicht mehr Freundin und Mutter, sondern Manuel Neuer.
Dann ein Glücksmoment: Meine Hausarbeit, die mich Anfang des Jahres auf Trab gehalten und an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil plötzlich alles schief ging, die These sich als falsch und stundenlange Archivarbeit als umsonst entpuppte - diese Hausarbeit wurde mit meiner ersten glatten 1,0 bewertet. Kann man ein bisschen stolz sein. Finde ich.
Und damit das (professionelle) Glück nicht abreißt, habe ich meinen 5-Jahresplan überarbeitet. Ich mag Pläne. Pläne sind super. Meine Planerei sorgt dafür, dass ich weiß, wer und wo ich bin, dass mein Kind regelmäßig isst und ich halbwegs vorankomme im Studium. Ich glaube, das Chaos, das mein Leben früher war, kann sich niemand vorstellen. Der 5-Jahresplan jedenfalls läuft schon seit meinem 25. Geburtstag. Niemand außer mir wird ihn jemals zu Gesicht bekommen. Aber er funktioniert. Ich habe mir einfach für jedes Jahr ein Ziel gesteckt, zwei Zwischenziele festgelegt, die ich im Blick behalten kann, und kann jetzt die Frage "Wo sehe ich mich in fünf Jahren?" relativ genau beantworten. Nämlich auf der Party zu meinem 30. Geburtstag. Wer mir diesen Post 2020 ausgedruckt auf den Tisch knallt und dazu "Rosebud" murmelt, ist automatisch eingeladen, muss aber Salzstangen mitbringen. Und ein Pony.
Samstag, 9. April 2016
Ich weiß, das sage ich jede Woche, aber: Was für eine Woche!
Die Uni fing gleich an meinem Geburtstag an, nebenbei habe ich versucht, diese vermaledeite Hausarbeit fertigzubekommen, und wurde dabei von meinem kotzenden Kleinkind sabotiert. Ich habe glaub ich schon mal angemerkt, was für eine Freude es ist, mitten in der Nacht von einem Schwall Erbrochenem geweckt zu werden. Das Ganze aller zwei Stunden eine ganze Nacht lang macht noch tausendmal mehr Spaß. Morgens saß ich dann wieder in der Vorlesung, die Gott sei Dank spannend genug war, mich wach und bei der Stange zu halten. Der Dozent hat einen großartigen Humor und sehr viel Begeisterung für sein Fach, und das ist rar. Die VWLer schaffen es also doch, mich zu überraschen.
Ich habe ja schon mal geschrieben, dass Sommersemester immer spannender, planbarer und angenehmer sind als Wintersemester. Das setzt sich gerade fort, ich bin mit all meinen Kursen vollauf zufrieden und überall zuversichtlich. Auch das Einschreiben in die Bergbaugeschichte hat mittlerweile funktioniert, nachdem die beiden Verantwortlichen abwechselnd im Urlaub und krank waren und wochenlang von mir genervt wurden. Läuft!
Der Kindermagen hat sich mittlerweile wieder beruhigt - wir sind uns noch uneinig, ob nun ein Keim oder einfach nur die strenge Diät aus Gewürzgurken und Salami mit Senf, die er zur Zeit pflegt, Schuld tragen. Wahrscheinlich eine ungesunde Kombination.
What else is new?
Die Innenstadt ist im Wandel, was mir diese Woche besonders auffiel. Sowohl der 1-Euro-Laden auf der Hainstraße als auch eines der MäcGeize waren plötzlich weg, weswegen ich über 3€ für einen 160-Blatt-Block bei Galeria bezahlen musste und immer noch empört bin. Dafür hat jetzt auch Leipzig eine fucking Primark-Filiale, die zum Eröffnungstag nicht so überrannt wurde wie gehofft und bisher anderswo immer eingetreten, dafür aber gleich von Protesten begrüßt wurde. Läuft auch hier. Manchmal mag ich Leipzig.
Wer immer noch nicht weiß, warum Primark definitiv nicht unterstützenswert ist, dem sei
dieser kurze Film ans Herz gelegt. Auch wenn es Stimmen gibt, die es verlogen nennen, Primark zu brandmarken und dann bei H&M zu kaufen - das ist in meinen Augen ein Unterschied. Bei H&M erkenne zumindest ich in meiner Gutherzigkeit immer den Versuch, sich Stückchen für Stückchen zu bessern, sich millimeterweise einer faireren Marke zu nähern. Bei Primark fehlt mir das komplett, und da ich Wegwerfmentalität noch nie leiden konnte, ist mir auch das egal-ob-es-nur-eine-Wäsche-hält-war-ja-billig zuwider. Meine H&M-Shirts sind zum Teil fünf Jahre alt und halten immer noch wöchentlichem Gebrauch stand, und der Preis von 6,99€ für ein Shirt aus Bio-Baumwolle kann ja nun wirklich nicht zu hoch sein. In Sachen fairer Produktion hat natürlich jede Kette Nachholbedarf, immer, und das ist einer der Gründe, warum ich mittlerweile kaum noch shoppen gehe. Aber dazu vielleicht ein andermal.
Montag, 4. April 2016
Ich hatte also schon wieder Geburtstag. Seit die 20 überwunden ist, habe ich das Gefühl, die werden häufiger. Nun lebe ich 9498 von meinen angestrebten 26664 Tagen* auf dieser Erde.
Zur Feier des Tages durfte ich um sieben aufstehen und um neun in der Uni sitzen, um Latein zu lernen. Nach diesem äußerst feierlichen Einstieg hatte ich meine erste Veranstaltung im Schlüsselqualifikationsmodul (tolles Wort, oder? Ach, Bologna.) "Einführung in die Finanzmärkte". Ich muss dummerweise so ein SQ-Modul besuchen, und wenn schon, dann wenigstens eins, das schlau klingt. Außerdem ist Klugscheißerei mein einziger Lebenszweck, deswegen studiere ich schließlich auch Geschichte, und da passt das doch wunderbar.
Damit war ich auch nicht die Einzige, wir coolen Kinder haben tatsächlich eine ganze Sitzreihe mit Historikern voll bekommen (ganz hinten, versteht sich). Ich bin übrigens sehr stolz, dass ich trotz ausgeprägtem Desinteresse meinen Kommilitonen gegenüber mittlerweile den ein oder anderen aus verschiedenen Veranstaltungen wiedererkenne. Ich kann mir zwar keine Namen merken, aber "der den ich in Fantasy-Filmen als Zwerg casten würde" und "der der im Kolonialismus-Seminar immer Solitär gespielt hat" tut es doch eigentlich auch. Noch schöner ist natürlich, dass sie mich im Gegenzug auch erkennen. Und dass wir alle uns einig sind, dass es unverantwortlich von den anderen Instituten ist, gleich zu Semesterbeginn das Semester zu beginnen, wo wir doch alle noch damit beschäftigt sind, die Hausarbeiten vom letzten Semester fertig zu schreiben und mit mehr oder weniger guten Ausreden später abzugeben, und die Semesterbeginn-Grillpartys sind doch auch noch nicht gelaufen.
Jedenfalls hatte ich Geburtstag und kurz überlegt, mir statt meines Kaffees einen Piccolo zu gönnen, aber Sekt macht immer so albern. Das geht nur auf Arbeit.
An sich war es ein ganz normaler Montag, nur mit tausend Facebook-Benachrichtigungen ("Mensch den du seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hast hat an deine Pinnwand gepostet"), ehrlich gemeinten Glückwünschen, Geschenkpäckchen und einem Kernfamiliären Abendessen beim Mexikaner. Manchmal fühle ich mich noch Schleußig-er als sonst.
PS: #le0404 passiert, jetzt gerade. Aber nicht hier.
PPS: *An diesem Tag feiere ich selbstverständlich wie jeder Mensch von Welt den ersten erfolgreichen Test des Warp-Antriebs und die Kontaktaufnahme mit den Vulkaniern.
Sonntag, 20. März 2016
Nun sind es also drei Jahre. Was hat sich getan?
Vor drei Jahren kam ich zu Hause an, mitten im Schneesturm, mit einem schlafenden Baby im Gepäck, und wusste plötzlich nicht mehr, was ich tun soll. Ich war nur drei Tage im Krankenhaus geblieben, schließlich war ich bereits zwei Minuten nach der Geburt wieder aufgestanden, es bestand also kein Grund, mich länger als nötig ins Bett zu verbannen. Wie immer, wenn ich Fremde um mich hatte, kam ich mir fehl am Platz vor, konnte meine Bettnachbarin nicht ausstehen, und ihr besserwisserischer Mann ging mir auf die Nerven. Ich wollte allein sein und mich in Ruhe an das kleine Menschlein gewöhnen. In den ersten Wochen kam auch regelmäßig meine tolle Hebamme vorbei, sodass ich zwar immer noch ratlos und verwirrt, aber wenigstens nicht auf mich allein gestellt war.
Wenn ich mir meinen Sohn heute ansehe, bin ich sehr stolz. Nach der Verzweiflung, der Erschöpfung und der Ratlosigkeit der ersten Monate habe ich heute ein Kind, das selten krank ist, alles isst, wissbegierig und aufmerksam und generell einfach lieb ist. Er macht es mir leichter, alles unter einen Hut zu bringen. Ich merke zwar deutlich, wie viel schwerer das (Studenten-)Leben ist, wenn man Kinder hat. Die Einschränkungen, der Mehraufwand sind da, und jeder Vormittag, den ich mir mal für mich nehmen kann, ist Gold wert.
Aber: Seit ich wieder studiere, bin ich zielstrebiger geworden, konzentrierter und organisierter. Ich plane meine Semester nicht nur in Hinblick auf passende Tagesabläufe ohne fünfstündige Pausen, sondern auch auf den Studienabschluss, den ich wahrscheinlich sogar in der Regelstudienzeit schaffen werde. Das hat auch den Grund, dass ich im Master wieder Bafög-Anspruch habe (Bafög! Wuhu!), aber vor allem damit, dass ich mir Gedanken darüber mache, welches Umfeld ich meinem Sohn bieten möchte. Dass ich ihm auch Vorbild sein will. Vorbildsein: das ist das Erschreckende am Elternwerden, dass man plötzlich aufpassen muss, ein gutes Vorbild zu sein. Ständig zum Nach- und Überdenken gezwungen ist. Das ist unglaublich beängstigend.
Auf ins nächste Jahr!
Samstag, 12. März 2016
Das bisschen Hausarbeit schreibt sich von allein...
Dann war ich im Stadtarchiv. Das erste Mal in meinem Studium, was skandalös ist, denn es gibt so viel zu sehen und für Studenten, die eine entsprechende Bescheinigung vorlegen können, ist die Benutzung umsonst. Für meine Hausarbeit habe ich mir Lokalzeitungen aus den 1890er Jahren vorgenommen, und wenn der Zeitdruck nicht gewesen wäre, hätte ich stundenlang lesen können. Für's Thema war es mäßig ergiebig, aber ausreichend, hoffentlich.
Ostergruss
Herr F. hat sich anstecken lassen von meinem Frühlingswahnsinn. Er freut sich auf Ostern fast noch mehr als auf seinen Geburtstag, und erzählt mir oft, was er seiner Lieblingscousine alles erzählen will (meistens geht es um Autos), was er dem kleinsten Cousin alles mitbringen möchte (zum Beispiel sein Lieblingsshirt, das nicht mehr passt), und lässt sich von mir Osterbräuche erklären. Dabei verzettel ich mich meistens in religiösen Grundsatzdiskussionen, wie neulich, als er mich nach dem Kopftuch einer Frau in der Bahn fragte, aber irgendwie schaffen wir es meistens zu einem Schlusspunkt, der für ihn Sinn macht. Anders lief es mit dem Frauentag, an dem er sehr enttäuscht war, als doch keine Frauen zu Besuch kamen.
Das mit der Auferstehung habe ich ebenfalls angerissen, aber dann vermischte sich das irgendwie mit seiner Grundangst - dass irgendwann die Dinosaurier wiederkommen und alles auffressen - und ich musste doch zugeben, dass der Tod relativ endgültig ist, was ihn beruhigte, aber verwirrte, und dann habe ich doch alles auf den Osterhasen abgewälzt. Gut, dass wir den Platz im christlichen Kindergarten nun doch nicht bekommen haben, das hätte einige unangenehme Elterngespräche gegeben.
Jedenfalls haben wir dann beschlossen, für die Tagesmutter einen kleinen Ostergruß zu basteln. Dafür durfte er Moos sammeln - wenn Dreijährige etwas können, ist es, Naturmaterialien in allen Variationen zu sammeln - und dann zusammen mit einer Narzissenzwiebel in ein Töpfchen drücken. Damit die Zwiebel keimt, habe ich sie noch mal aufs kalte Fensterbrett gestellt, und am Montag zieht sie dann zu den kleinen Käfern um.
Leseecke Leipzig
Es ist noch nicht Buchmesse, aber gibt auch jetzt schon viel zu lesen in Leipzig:
Zum Frauentag:
Samstag, 28. November 2015
Samstag! Kaffee!
Hier im Bild: Großelterliche Geburtstagskarte für meinen alten Mann.
Gestern traf tatsächlich das alljährliche Adventspäckchen meiner Oma bei uns ein, und leitete vier Wochen der schamlosen Völlerei und des Zuckerkomas ein. Ich bin ja ein echtes Weihnachtskind und kriege schon leuchtende Augen, wenn die ersten Weihnachtsbeleuchtungen aufgehängt werden und friedlich vor sich hin glitzern. Ab morgen wird es bei mir ausschließlich Weihnachtsmusik zu hören geben, ich werde Menschen mit "Last Christmas" nerven und den kleinen Herrn F. zum Weihnachtsbasteln überreden - und Omis Adventspaket ist jedes Mal der Startschuss.
Diese Woche hat mich die Erkenntnis eingeholt, dass ich das Pensum, das ich mir mit Uni-Kind-Job-Haushalt aufgehalst habe, auf Dauer nicht durchhalten werde. Deswegen habe ich Arabisch über Bord geworfen, weil es einfach nicht sehr sinnvoll ist, ein Nebenfach zu betreiben, für das man fünfmal so viel Zeit und Speicherplatz benötigt wie für sein Hauptfach.
Stattdessen wiederhole ich seit drei Tagen fleißig Latein und werde die Prüfung, die ich vor drei Jahren vermasselt habe, am Ende des Semesters nachholen. Und wünsche mir bis dahin jeden Tag, ich hätte in der Schule mein Latinum gemacht.
Herr F. und das schwarze Monster. Daneben das orangene Monster. Nicht mehr im Bild: Das Popelmonster. Es macht zwar tierische Spaß, mit einem Zweieinhalbjährigen Graffitti zu interpretieren, zu beinahe allen anderen Gelegenheiten geht er mir jedoch auf die Nerven. Ständige Wutanfälle, Tobsucht und Geheul inklusive. Ich glaube, er bleibt so bis zur Pubertät ;-)
Frohen Ersten Advent zusammen!
Samstag, 17. Oktober 2015
Die Arabisten stehen gerne früh auf. Nicht nur finden die Veranstaltungen allesamt am Morgen oder Vormittag statt, sondern das Semester beginnt auch bereits, wenn die Historiker, traditionell eher energiesparend veranlagt, noch friedlich schlafen. Also war meine Woche vor allem mit Arabisch-Wiederholungen und dem Einstieg in die neuen Lektionen gefüllt. Dabei hatte ich ein paar Erinnerungslücken zu füllen, aber nicht so viele wie gedacht. Wenn's erstmal läuft, läuft's.
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| Immer dabei: Der Kater mit Bart. |
Dieses Semester haben über 200 junge Menschen angefangen, in Leipzig Arabistik zu studieren. Das ist, schätze ich, ein neue Rekord, und spiegelt ganz gut das derzeitige Interesse und auch den Bedarf an Vermittlungsinstanzen zwischen "uns" und arabischsprechenden Menschen. Als ich damals anfing, waren wir etwa 30, und auch da hieß es schon, so viele gab es noch nie. Erfahrungsgemäß gibt etwa ein Drittel bis die Hälfte auf. Die Dozenten kämpfen gerade damit, diese Massen zu bändigen, denn wir sind hier immer noch in Sachsen und Hochschulen brauchen kein zusätzliches Personal oder gar Geld, erst recht nicht an der Uni Leipzig, die sich, anders als die sogenannte Exzellenz-TU Dresden,
gerne mal unbeliebt macht.
Ansonsten hat mich diese Woche ein längst fälliger
Abgesang auf Hypezig erheitert. An dieser Stelle erwähne ich gerne, dass ich schon in Leipzig war, bevor es cool wurde, in Leipzig zu sein. Und ich bleibe hier, nachdem es uncool wird, in Leipzig zu sein. Wenn ich denn einen dieser Jobs finde, von denen es laut Artikel hier keine gibt.
Samstag, 3. Oktober 2015
Helau, die Uni geht weiter!
Entsprechend sah meine Woche aus: Module belegen, Stundenplan vorbereiten, Notizen vom letzten Semester wegsortieren, Rucksack packen (ja, das mach ich zwei Wochen vorher). Dazwischen der leidige Haushalt mit nachwachsendem Abwasch und natürlich immer die Nachmittagsspaziergänge mit Sohnemann. Ganz entspannt soweit.
Auch einen Spieleabend hab ich endlich mal wieder besucht, erschreckenderweise nur eine Runde gewonnen - das schreit nach Revanche!
Einen schönen Feiertag allen meinen drei Lesern!
Samstag, 19. September 2015
Während ich hier schreibe, sitze ich in der Küche, trinke einsam und alleine meinen Kaffee und habe Angst, das Kind zu wecken. Mein Smartphone, das sonst immer die Fotos für mich macht, wenn ich zu faul bin, die Spiegelreflex zu holen, liegt leider im Kinderzimmer, und so spiel ich ein bisschen mit meiner Webcam herum:
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| C-O-F-F-E-E |
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| The one and only Kitler Ziggy Stardust |
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Die Spüle im Hintergrund ist übrigens von Ikea und wie die ganze Küche so auf unseren Riesenhaushalt eingestellt, dass die meisten unserer Besucher einen von uns fragen müssen, wenn sie etwas brauchen.
Diese Woche stand ganz im Zeichen der Hausarbeit - im doppelten Sinne: Dienstagabend, kurz vor Mitternacht und damit Ende der Frist, habe ich meine Arbeit in Alter Geschichte abgeschickt (Applaus, Applaus)! Die Professorin war extrafleißig und hat mir bereits die Note zurückgeschrieben: 1,7 (Tosender Applaus!). Damit ist das Semester jetzt endlich abgeschlossen und ich kann mich der Planung des nächsten widmen.
Der andere Wortsinn bestimmte den Rest der Woche: Meine neugewonnene "Freizeit" konnte ich nicht genießen, dafür war im Haushalt zu viel aus den schlumpigen letzten Wochen nachzuholen. Außerdem ist wieder einmal die Tagesmutter ausgefallen und der kleine Herr F. wollte ebenfalls betreut werden. Apropos: Wie lange geht eigentlich diese furchtbare Trotz- und Ningelphase noch? Das Kind treibt mich in den Wahnsinn mit seiner Sturheit.
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| Mehr Webcamblödsinn |
Heute steht noch eine Geburtstagsfeier an. Der kleine Herr F. kommt mit, und so werden wir vermutlich brav um acht wieder abziehen, aber vorher fleißig Flammlachs, feurige Hähnchenspieße und Steaks verschlingen, und Muttern wird genauso fleißig mit Bier nachspülen (der große Herr M. trinkt nicht).
Fröhliches Wochenende!
Samstag, 12. September 2015
Ein Kaffee, und zehn Minuten Zeit, ihn auszutrinken, bevor ich zur Arbeit renne. Es ist Samstag!
Diese Woche war, pardon my french, eine miese Drecksau. Rechnungen ohne Ende flatterten uns ins Haus, und der Monat ist quasi vorbei, bevor er angefangen hat. Zusätzlich musste ich einen meiner wertvollen Bibliotheksvormittage opfern, um meine Krankenkasse zu besuchen, wo man grundsätzlich immer eine verwirrte ältere Dame in der Schlange vor sich hat, die alles zehnmal wiederholt und gar nicht versteht, was die Krankenkassenangestellte ihr erklärt. So ging es mir zumindest als ich Muttergeld beantragen musste, als ich meinen Yogakurs bezahlt haben wollte und so ging es mir auch diesmal. Wie viele dieser Damen gibt es denn hier?
Apropos verwirrte Damen: Meine Hausarbeit biegt auf die Zielgerade ein und ich versuche mich zu motivieren, sie da auch hinzumanövrieren, ohne dass der Gaul zwischendurch stehenbleibt und Gras frisst. Beim Schreiben fiel mir auf, dass das Thema wirklich so langweilig ist, wie ich am Anfang dachte, und die ganze Euphorie zwischendurch nur davon kam, dass ich wieder mal zu viel in die falsche Richtung gedacht habe, was mir jetzt alles nichts nützt. Dafür habe ich ein bisschen Altgriechisch gelernt, ein paar Mathematiker genervt und Bibliothekseigentum zerstört (ausgelaufene Wasserflasche). Ist doch auch was.
Am Dienstag ist Abgabetermin, danach bleibt mir noch ein ganzer Monat, nennen wir es mal "Freizeit", die ich frei von Verpflichtungen (zumindest von 9 bis 15 Uhr) nach Lust und Laune (solange Abwasch im Spiel ist) vertrödeln kann. Das heißt, ich werde Einkochen, Stricken, mich in puncto Fernsehserien wieder auf den neuesten Stand bringen, Ausschlafen, Fußnägel lackieren und mich furchtbar ärgern, weil ich so unproduktiv und nutzlos bin. Vielleicht raffe ich mich auch auf und mache mich endlich daran, meinen Kleiderschrank auszumisten.
Samstag, 22. August 2015
Bisher konnte ich mich immer davor drücken, in den Hauptstandort der Unibibliothek, die Bibliotheca Albertina, zu müssen, und habe alles, was ich gesucht habe, immer in anderen Zweigbibliotheken gefunden. Da die Historiker aber sich traditionell in der Albertina verstecken (und verstecken ist hier das entscheidende Wort), musste ich für meine Hausarbeit jetzt doch in dieses ehrwürdige, Respekt einflößende Gebäude:
Montag, 20. Juli 2015
Auch wenn der Samstagskaffee mittlerweile Geschichte ist, gibt mir mein persönlicher Wachmacher (nachdem ich von einem putzmunteren Kleinkind und seinem Spielzeugauto um halb sieben aus dem Bett getrommelt wurde) heute Anlass, kurz meine letzte(n) Woche(n) Revue passieren zu lassen.
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| Selfiewahn |
Mittwoch, 15. Juli 2015
Kinder, was vergeht die Zeit. Vielleicht hat der eine oder andere (ich gehe mal nicht von mehr als zwei Lesern aus ;-)) mitbekommen, dass mein Update zum Raglan-Sommerpulli, der tatsächlich schon fertig ist, kurz online war - ich hatte ihn voreingestellt und dann die Fotos vergessen. Tja, Shit happens manchmal, erst recht, wenn man nach fünf Urlaubssemestern und neben Kind und Arbeit irgendwie versucht, die ersten Klausuren zu schreiben.
Und da folgte auch gleich der erste Absturz: Ausgerechnet die großartigste, inspirierendste, spannendste Vorlesung, die ich in meiner mittlerweile fast achtjährigen Studentenzeit (mit großen großen Lücken) bisher erlebt habe, endete mit einer eigentlich gar nicht so schweren schriftlichen Modulklausur - die ich wirklich kolossal versaut habe.
Ich weiß nicht einmal genau, woran es lag - meine Mitschriften waren vorbildlich und vollständig (ein echter Ausnahmefall), ich habe gelernt und ein entsetzter Blick nach der Klausur in den Hefter verriet mir auch, dass ich exakt diese abgefragten Inhalte gelernt habe, sie fielen mir nur schlicht und ergreifend nicht ein.
Und sonst so
Es gibt natürlich auch Schönes. Meinen neuen Job zum Beispiel. Das Plantschen im Ententeich mit Sohnemann. Blumen vom Gatten, als Entschädigung für die Axt im Walde, die er derzeit ist. Eine Freundin, die demnächst nach drei Monaten aus Malaysia zurückkehrt. Und die kleinen, feinen Fortschritte, die ich beim Vokabelnlernen feststelle und die mir Hoffnung für die nächsten Klausuren geben.
Und das hier mache ich den ganzen Tag:
Drückt mir die Daumen!
Samstag, 2. Mai 2015
Ninjas Sieben hostet seit fast zwei Jahren die "Samstagskaffee"-Reihe, wo Blogger(innen) von ihrer Woche erzählen und ein Foto ihres bevorzugten, meist koffeinhaltigen, Getränkes zum Samstag dazu posten. Nun hat die Betreiberin nach Nummer #95 beschlossen, die Reihe einzustellen. Passender Zeitpunkt dafür, mich auch mal daran zu beteiligen.
Donnerstag, 9. April 2015
Das wilde Studentenleben ruft!
Mittwoch, 18. Februar 2015
Schlafmangel, Geschrei, Stress, schwindendes soziales Umfeld und natürlich die ganzen körperlichen Verfallserscheinungen... was viele Frauen (und Männer) sofort befürchten, wenn sie an's Kinderkriegen denken, hat sogar noch viel schrecklichere Folgen: Geistigen Komplettausfall.
Mein Sohn wird demnächst zwei Jahre alt. In diesen zwei Jahren habe ich, Achtung Achtung, EIN Buch im Ganzen gelesen. Und zwar jeweils dann, wenn ich mal allein verreist war über's Wochenende.
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