Donnerstag, 27. Oktober 2016

Tagträumer-Trauma

(c) Bespoke Laser


Ich bin ein ewiger Schlendrian. Je älter ich werde, desto besser wird es, ich organisiere mich, ich hefte ab, ich erstelle tausend Reminder und arbeite effektiver und gründlicher und und und... stehe regelmäßig vor einem riesigen Berg an Unerledigtem, bekomme plötzlich einen Schock, weil ich diese eine wichtige Sache vergessen habe, und höre sofort die Stimme meiner Mutter, die mir wieder und wieder predigt, ich solle nicht so viel vergessen. Deadlines, Unterlagen, immer wenn ich denke, ich hätte alles im Griff, kommt etwas, das ich nicht auf dem Schirm hatte und das alles über den Haufen wirft.

Schon als Kind war ich ein Träumer, nie ganz in der Realität, sondern immer ein bisschen neben der Spur. Solange ich zurückdenken kann, war "Ach, die Marianne..." ein gängiger Seufzer in meiner Umgebung und ist es bis heute. Auf Kinderfotos starre ich in die Luft, mit glasigen, aufgerissenen Augen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mein Sohn hat exakt den selben Blick, nur sind seine Augen leuchtend blau statt braun.

Ich bin froh, dass ich auf dem Dorf aufwachsen durfte. Überall sonst wäre ich hoffnungslos verloren gewesen, wäre ohne nachzudenken mit jedem Fremden mitgegangen oder hätte einfach vergessen, wo ich bin. Auch heute bleibe ich größtenteils aus Angst in Leipzig, mich anderswo nicht zurechtzufinden, was Quatsch ist, weil ich in allen Städten bisher festgestellt habe, dass ich mich schon nach kurzer Zeit viel besser orientieren konnte als meine jeweiligen Begleiter.

Diese Woche warf ich einen Blick in die Prüfungsordnung und erschrak, weil ich nicht mitbekommen hatte, dass ich längst ein Latinum nachweisen müsste, um die Bachelorarbeit beantragen zu können. In meinem eigenen Plan habe ich es aber frühestens nächstes Semester. So etwas wirft mich immer aus der Bahn, wieso habe ich das auch aufgeschoben, warum habe ich nicht eher nachgelesen, was sage ich nur meinem Betreuer, was meinen Freunden und Familie, und warum warum warum bin ich nur immer so vergesslich.




Das Wichtigste, was ich im Studium bisher gelernt habe, ist: Alles halb so schlimm. In Wirklichkeit sitzen in der Uni keine Paragraphenreiter und Bürokraten, sondern Menschen, mit denen man reden kann. Von anderen Fakultäten habe ich schon anderes gehört, aber Geisteswissenschaftler sind ja immer ein bisschen anders. Vielleicht sind unter ihnen genug Trödler und Träumer, oder vielleicht wissen sie, dass es Wichtigeres gibt als Konformität, oder vielleicht haben sie einfach nur kein Interesse daran, jungen Menschen die Zukunft zu verbauen. In jedem Fall hören sie sich das Problem an, winken ab und sagen "Das passt schon."

Und auch wenn  ich jedes einzelne Semester ankomme, kam bisher noch keiner auf die Idee zu sagen: "Ach, Frau Ziegenbalg... seien Sie doch nicht immer so vergesslich!"
Dienstag, 4. Oktober 2016

Semesteranfang

Plagwitz halt.

Es ist, wie es immer ist: Mein Leben ist zu schnell, die Tage zu vollgestopft, um abends auch noch zu bloggen, ich bin ruhelos und gehetzt. Heute verirrte ich mich auf den Campus, um in Ruhe meine Hausarbeit weiter zu schreiben, und fand mich plötzlich mitten in der Erstsemester-Einführungswoche, zwischen pickeligen Großkotzen und Mädchen mit Zahnspangen, alles war voller Geschnatter und Gekicher und "Meeegaaa!"-Rufen und prallen Primark-Tüten, und ich fragte mich nicht nur, wann ich eigentlich so furchtbar alt geworden bin, sondern auch, seit wann Studienanfänger so dumm sein dürfen.

Alle Gespräche, die ich hören musste, kamen mir so schrecklich oberflächlich vor, über den coolen Ruf Leipzigs und süße Schuhe und noch süßere Dozenten, über die Tücken des ersten eigenständigen Wäschewaschens und was man später mal werden will.

Irgendwann gelang es mir, das Hintergrundgeräusch balzender BWL-Anfänger auszublenden und tatsächlich fünf Seiten zu schreiben, drei Seiten ohne Deckblatt und Inhaltsverzeichnis, und verzog mich nach ein paar Stunden deprimiert in die Mensa.

Nebenbei schrieb die Fakultät mir, dass ich das Modul, das ich eigentlich belegen wollte, nicht belegen dürfe, sodass ich ohne Plan und ohne für eine einzige Prüfungsleistung angemeldet zu sein in mein 6. Fachsemester starte. Da die dazugehörige Vorlesung allerdings von dem Professor gehalten wird, bei dem ich auch gerne meine BA schreiben will, werde ich trotzdem hingehen.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Unterwegs: Ein Tag am See



Herr F. und ich waren am Cospudener See. Er ist nicht der Schönste im Leipziger "Neuseenland", aber der erreichbarste von unserem Haus aus - mit Bus und Straßenbahn ist man in gerade mal 20 Minuten am Strand.

Früher bin ich oft mit dem Fahrrad durch die Seenlandschaft gefahren, durch Wald und Wiese, vorbei an riesigen Industriedenkmälern, an weidenden Auerochsen, an den Apelsteinen. Dann habe ich mich abseits des Trubels ans Ufer gesetzt, in die Böschung, wo es keinen Sand, aber Badestege und Ruhe gibt. Heute sitze ich am Sandstrand in der Sonne und baue Matschburgen, wische Tränchen und Schlammspritzer aus Kinderaugen, krame ständig Sonnencreme, Apfelstückchen, Wasser, Sandförmchen, Feuchttücher aus der Tasche, esse Eis- und Pommesreste auf, verscheuche Fliegen und versuche einem zappeligen Kleinkind zu erklären, warum er mittags wenigstens eine halbe Stunde unter dem schattigen Sonnenschirm sitzen soll und warum Mamas Augen ständig zufallen.




Nett war es trotzdem, und fühlte sich sogar ein klein wenig wie Erholung an. Nur ein Cocktail mit viel Eis und Schirmchen hat gefehlt.

Samstag, 9. April 2016

Samstagskaffee - Woche #15

Ich weiß, das sage ich jede Woche, aber: Was für eine Woche!

Die Uni fing gleich an meinem Geburtstag an, nebenbei habe ich versucht, diese vermaledeite Hausarbeit fertigzubekommen, und wurde dabei von meinem kotzenden Kleinkind sabotiert. Ich habe glaub ich schon mal angemerkt, was für eine Freude es ist, mitten in der Nacht von einem Schwall Erbrochenem geweckt zu werden. Das Ganze aller zwei Stunden eine ganze Nacht lang macht noch tausendmal mehr Spaß. Morgens saß ich dann wieder in der Vorlesung, die Gott sei Dank spannend genug war, mich wach und bei der Stange zu halten. Der Dozent hat einen großartigen Humor und sehr viel Begeisterung für sein Fach, und das ist rar. Die VWLer schaffen es also doch, mich zu überraschen.

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass Sommersemester immer spannender, planbarer und angenehmer sind als Wintersemester. Das setzt sich gerade fort, ich bin mit all meinen Kursen vollauf zufrieden und überall zuversichtlich. Auch das Einschreiben in die Bergbaugeschichte hat mittlerweile funktioniert, nachdem die beiden Verantwortlichen abwechselnd im Urlaub und krank waren und wochenlang von mir genervt wurden. Läuft!

Der Kindermagen hat sich mittlerweile wieder beruhigt - wir sind uns noch uneinig, ob nun ein Keim oder einfach nur die strenge Diät aus Gewürzgurken und Salami mit Senf, die er zur Zeit pflegt, Schuld tragen. Wahrscheinlich eine ungesunde Kombination.

What else is new?


Die Innenstadt ist im Wandel, was mir diese Woche besonders auffiel. Sowohl der 1-Euro-Laden auf der Hainstraße als auch eines der MäcGeize waren plötzlich weg, weswegen ich über 3€ für einen 160-Blatt-Block bei Galeria bezahlen musste und immer noch empört bin. Dafür hat jetzt auch Leipzig eine fucking Primark-Filiale, die zum Eröffnungstag nicht so überrannt wurde wie gehofft und bisher anderswo immer eingetreten, dafür aber gleich von Protesten begrüßt wurde. Läuft auch hier. Manchmal mag ich Leipzig.



Wer immer noch nicht weiß, warum Primark definitiv nicht unterstützenswert ist, dem sei dieser kurze Film ans Herz gelegt. Auch wenn es Stimmen gibt, die es verlogen nennen, Primark zu brandmarken und dann bei H&M zu kaufen - das ist in meinen Augen ein Unterschied. Bei H&M erkenne zumindest ich in meiner Gutherzigkeit immer den Versuch, sich Stückchen für Stückchen zu bessern, sich millimeterweise einer faireren Marke zu nähern. Bei Primark fehlt mir das komplett, und da ich Wegwerfmentalität noch nie leiden konnte, ist mir auch das egal-ob-es-nur-eine-Wäsche-hält-war-ja-billig zuwider. Meine H&M-Shirts sind zum Teil fünf Jahre alt und halten immer noch wöchentlichem Gebrauch stand, und der Preis von 6,99€ für ein Shirt aus Bio-Baumwolle kann ja nun wirklich nicht zu hoch sein. In Sachen fairer Produktion hat natürlich jede Kette Nachholbedarf, immer, und das ist einer der Gründe, warum ich mittlerweile kaum noch shoppen gehe. Aber dazu vielleicht ein andermal.

Samstag, 5. März 2016

Samstagskaffee - Woche #10

Kennen Sie das, unter der Dusche zu stehen, vollkommen in Gedanken, denn es ist ja früh am Morgen, man überlegt schon mal, was man anzieht und ob man sich vielleicht auch irgendwann mal wieder die Beine rasiert, und plötzlich fällt ebenjene Dusche mit einem lauten Krachen in sich zusammen? Wahrscheinlich nicht. Ich wünsche es auch niemandem.
Genau das passierte mir am Montag, was sehr schlechtes Timing war, denn ich war a) verkatert, b) hatte sich der Heizungsmann für halb 8 angesagt und ich musste folglich schon um 7 duschen und c) war ich furchtbar verkatert.

Apropos Kater:

Ziggy Stardust, die Katze mit Bart.



Verkatert war ich deswegen, weil ich auf "ein" Feierabendbier mit meinen Kollegen zusammensaß. Und weil es so nett war und ich den ganzen Sonntag noch nicht dazu gekommen war, mich mal kurz hinzusetzen (ich mag Pausen eigentlich nicht), saß ich da so und das Glas füllte sich auf magische Weise wieder auf. Den Abend davor hatte ich bereits mit einer Freundin bei "einem" Wodka Lemon verbracht, um ihren neuen Job zu feiern, und kurz gesagt war der Montagmorgen nicht mein bester Freund. Dann kam das mit der Dusche, und da hatte ich schon keine Lust mehr auf die Woche. Außerdem war es der 29. Februar - ein Tag, der gar nicht existieren dürfte. Zu Recht, sag ich.

Shopping


Ein Gutes hatte das Erlebnis: Ich musste in den Baumarkt. Ich liebe Baumärkte. Als ich das erste Mal im Baumarkt war, um Schrauben zu kaufen, kam ich mit Balkonblumen, Bilderrahmen und einem Kerzenständer zurück. Mein Kind besitzt eine Kuscheldecke mit Autos, die wir im Baumarkt gekauft haben. Warum hat mir nie jemand gesagt, wie toll Baumärkte sind? Es macht fast so viel Spaß wie bei Ikea, nur dass mich bei Ikea immer der Neid auf anderer Leute Wohnung packt, während ich im Baumarkt einfach Lust habe, ganz viel an meiner Wohnung zu verbessern, und überlege, ob ich ein Schleifgerät kaufe und meinen Küchenschrank neu streiche.

Herr F. mag Baumärkte auch. Bei unserem letzten Besuch haben wir ihm eine große Schraube und drei unterschiedliche Muttern (Sechskant-, Hut- und Flügelmutter) gekauft, und er ist sehr sehr glücklich damit. Zufriedenes Kind für knapp 50 Cent.

Überhaupt war mein Kind äußerst liebenswert diese Woche. Ich habe ihm beigebracht, wie man Fenster putzt, und jetzt bettelt er schon, wann er das das nächste Mal darf und was er als nächstes putzen kann. Wahrscheinlich habe ich doch auch ein paar Sachen richtig gemacht mit ihm. Auch freut er sich wahnsinnig auf seinen Geburtstag und bereitet mit mir zusammen seinen Umzug ins Kinderzimmer vor. Er hat auch eingesehen, dass man mit drei ein großer Junge ist und ins Töpfchen pullern muss - oder an Bäume, was seine liebste Beschäftigung im Sommer ist.

Altersgebrechen


Außerdem: Nachdem mir mein Gatte, der gelernter Optiker und seit vierzig Jahren Maulwurf ist, geraten hat, meine in letzter Zeit etwas unscharf gewordenen Augen mal ärztlich untersuchen zu lassen, verbrachte ich einen ganzen Vormittag damit, mich von diversen Sprechstundenhilfen abwimmeln und vollnölen zu lassen, und ging dann einfach zu dem freundlichen Optiker um die Ecke, der im Winter recht oft Besuch von uns bekommen hatte, weil er eine Eisenbahn in seinem Schaufenster fahren ließ. So ködert man Eltern.

Ergebnis: Ich werde alt. Was mir die grauen Haare, die ich seit fünf Jahren immer wieder auszupfe, und die falschen Zähne bisher nur zugeflüstert haben, gab es jetzt schwarz auf weiß. Nach der 25 geht es bergab, sagte meine Biologielehrerin einst. Ach, ach.

Lesenswert


  • John Oliver, einer meiner liebsten Late-Night-Erklärbären, über Donald Trump. Noch sehenswerter, beschämender und für mich gerade in Hinblick auf die extreme Divergenz zwischen Stimmung in der Bevölkerung und staatliche Machtausübung überraschender ist übrigens seine Folge über Abortion Laws.
  • Wer mal wissen möchte, womit ich mich gerade für meine Hausarbeit beschäftige - oder einfach mal was über Leipzigs koloniale Vergangenheit wissen wollte.
  • Und damit es nicht ganz so deprimierend endet: Leipzigs letzter Schneemann.

Donnerstag, 3. März 2016

Sächsische Verhältnisse.

Zur Zeit wird viel geschrieben über Sachsen, vor allem von Leuten, die nicht aus oder in Sachsen sind. Es wird viel analysiert, viel karikiert und pauschalisiert, und meistens drängt sich mir der Eindruck auf, man sei froh, endlich einen Bevölkerungsteil zu haben, an dem man all die rassistischen Entgleisungen, die sich derzeit über Deutschland entladen, festmachen kann, und gleichzeitig alles loswerden, was man "dem Ossi" schon immer mal sagen wollte.

Ja, Sachsen hat ein Rassismusproblem. Es gibt viel, was hier seit Jahren schief läuft, viele Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass sich dieses Problem so festsetzen konnte. Ich bin selbst manchmal erschrocken darüber, wie fest es sitzt, wie eng es mit dem Staat und seinen Institutionen verflochten ist, und wie deutlich es sich bemerkbar macht. Besonders die deutliche Differenzierung bei Demo-Auflagen finde ich im besten Falle bemerkenswert. Rechte Demos, egal wie gewaltbereit in der Vergangenheit, dürfen beinahe ungestört quer durch die Stadt marschieren und Woche für Woche den Ring lahmlegen, während die Gegenproteste unverhältnismäßig durch Auflagen eingeschränkt werden, zum Teil nicht einmal gleichzeitig zur Demo stattfinden dürfen und ohne Konsequenzen für die Täter angegriffen und bedroht werden.

Und dass das keine Zufälle sind, wird in dieser Bundestags-Rede sehr deutlich gesagt:



"Der rechte Mob fühlt sich in Sachsen in Sicherheit - das ist ...
Nein, Clausnitz und Bautzen sind keine Einzelfälle. Das ist sächsische Normalität. Sie ist das Ergebnis von 25 Jahren bewusster CDU-Politik. Das habe ich in meiner Rede in angemessener Deutlichkeit gesagt.
Posted by Michael Leutert on Mittwoch, 24. Februar 2016


Ich liebe meine Heimat, wirklich, ich bin als Sachse normalerweise ziemlich patriotisch. Sachsen hat einzigartige Landschaften, kulturelle Vielfalt, eine reichhaltige und großartige Geschichte, Spitzenplätze auf allen Ebenen der Bildung, und tausend verschiedene regionale Besonderheiten und Traditionen.
Aber jetzt gerade eben schäme ich mich für das Bild, das meine Heimat in den Medien abgibt, und das, bis auf die scheußlichen Versuche des Sächselns, die sich westdeutsche "Komiker" gerade geben, einfach nicht mehr so leicht zu widerlegen und abzutun ist. Na klar, Sachsen ist nicht das einzige Bundesland, in dem es solche Auswüchse gibt.

Aber macht es das wirklich besser?

Samstag, 27. Februar 2016

Samstagskaffee - Woche #9





Wir haben einen neuen Mitbewohner. Er heißt Franz Bomann und ist so leise, dass ich ihn kaum bemerke. Dafür hinterlässt er deutliche Spuren von Sauberkeit und Ordnung in unserer Küche. Übrigens neigen eher Frauen dazu, vermeintlich seelenlosen (Seelenlos? Mein Franz? Wie könnt ihr!) Objekten Namen zu geben - meistens weibliche, noch dazu. Ersteres habe ich erwartet, letzteres überrascht mich. Vielleicht ist das die Sehnsucht einsamer Hausfrauen nach Sex-and-the-City-Freundinnen. Ich persönlich mag es, wenn Männer für mich arbeiten.

Allerdings habe ich auch Hausarbeit nie als etwas spezifisch weibliches gesehen, vor allem, weil bei uns seit frühester Kindheit immer alle Aufgaben geteilt wurden. Dass wir nur Frauen im Haushalt waren, dafür kann ja die Statistik nichts. Ich bin sicher, mein imaginärer Bruder hätte genauso den Staubsauger schwingen müssen wie ich auch schon als Zehnjährige Holz gehackt habe. Und wenn Herr M. und ich uns den Haushalt nicht teilen würden, wäre hier nie etwas sauber.

Muddikram


Ansonsten habe ich mich die Woche mit dem Jugendamt herumgeärgert und festgestellt, dass all meine Probleme, die ich seit vier (!) Monaten mit der Suche nach einem Kindergartenplatz habe, nicht hätten sein müssen, wenn mir gleich einer gesagt hätte, dass diese allein an einem Fehler am Internetportal liegen und nicht an mir. Das wäre super gewesen, und es hätte mir Sätze erspart wie "Wir haben schon 300 Anmeldungen für dieses und nächstes Jahr, aber wenn Sie wollen, setze ich Sie auf die Warteliste." Nunja. Wir sind einem Platz um einige Millimeter näher gekommen und stehen auf einigen langen Listen, von denen eine sich hoffentlich bis Juni etwas bewegt.

Kriegt Kinder, haben sie gesagt. Demografischer Wandel, haben sie gesagt, wir brauchen Kinder.

Unikram


Und dann: Das Vorlesungsverzeichnis des Historischen Seminars. Wenn sie was können, diese Historiker, dann ist es rechtzeitige Semesterplanung. Niemand bringt sein VVZ so schnell heraus, und ich war schwer begeistert beim Durchlesen. Der Historiker hält gerne Winterschlaf, weswegen die Sommersemester um glatte 150% spannender sind als die Wintersemester. Außerdem sind wir ja auch Geisteswissenschaftler, und pünktlich zum Jahresende laufen die Zeitverträge ab, also lässt sich ein Wintersemester schlechter planen. Aber der Sommer! Herrscherinnen und Fürstinnen im Hochmittelalter! Römer in Südwestdeutschland! Kodikologie und Editionswissenschaft! Bergbaugeschichte in Sachsen! Ich weiß gar nicht, was ich zuerst studieren soll. Es ist alles so spannend. Wahrscheinlich bleibe ich beim Bergbau - meine heimliche Leidenschaft neben Wirtschafts- und Handelsgeschichte. Ich glaube, ich bin manchmal ein bisschen seltsam.


Lesenswertes


  • "Letzte Station Bilanzbuchhalter" von Frau Fadenvogel. Ich mag ihre Art, zu schreiben, und ihren Humor, und dass sie ohne Hysterie und Aufregung ihr Ding macht. Das gibt ein bisschen Mut, wenn ich mal wieder überlege, wozu ich mir den ganzen Stress eigentlich noch gebe.
  • "Neue Musik aus Leipzig" gibt es regelmäßig bei der Heldenstadt. Diese Woche ausnahmsweise auch mal mit welcher, die mir gefällt.
  • Nhi von narcoticarts, die man ab und zu auch live sehen kann, hat sich ebenfalls Gedanken über die Woche gemacht, und schreibt unter anderem über sächsische Nazis und unfaire Prozesse für Missbrauchsopfer. Achja, und Nudelsalat.
  • Der Strand-Knigge für junge Damen von 1967. Enjoy.

Wie immer, wenn dieser Artikel erscheint, bin ich bereits fleißig bei der Arbeit. Das Wetter wird langsam hübscher, der Weg zur Arbeit macht Spaß und tut gut, die meisten Gäste sind zufrieden und gut gelaunt, und die Kollegen ein eingespieltes Team. Trotz Stress trägt also die Arbeit gerade maßgeblich zu meiner entspannten Gesamtsituation bei.

Ich mag den Frühling.


Samstag, 6. Februar 2016

Samstagskaffee - Woche #6





Schon wieder eine Woche rum. Während das hier erscheint, bin ich bereits seit 9:00 Uhr ein fleißiges Bar-Bienchen. Diese Woche bekam ich nämlich eine klitzekleine Beförderung und darf nun alleine die Frühschicht fahren. Die Einführung dazu, angekündigt mit der Ermahnung, ich solle mir auf jeden Fall alles gut aufschreiben und ob ich mir das wirklich, wirklich zutraue, erfolgte innerhalb von zwei Minuten mit den Worten: "Als erstes machst du die Kaffeemaschine an. Dann kochst du Kaffee. Dann trinkst du Kaffee und wartest auf Gäste."

Und sonst so?
Samstag, 14. November 2015

Samstagskaffee: Kaiserlicher Herbst

Der Leipziger (Süd)Westen ist, fernab jeglichen Hypes, besonders im Herbst schick anzusehen, wenn man wie ich ein Herz für Industriegeschichte hat. Die roten Klinker und das gelbe Laub, die Trauerweiden am Kanal, alles sieht irgendwie hübsch und friedlich aus. Ganz nebenbei komme ich auch jedes Mal an dieser hübschen Lokalität vorbei:



(c) kaiserbad-leipzig.de


Heute sogar aus einem bestimmten Grund: Das Kaiserbad feiert House Warming. Ab acht gibt es dort Musik, Buffet und "Flying Service" - und mitten drin: mich!

Werbepause Ende. Die Woche war, wie die letzte, anstrengend, aber eintönig. Ich habe viel gelernt, gelesen, gedacht und gearbeitet. Zum Schreiben blieb dabei wenig Zeit und Lust, auch wenn ich einige längere Artikel vor mir herschiebe. Dafür waren andere Blogger fleißig, und weil ich sie selbst so gern lese, gebe ich heute mal ein paar Empfehlungen ab, was mich diese Woche bewegt hat:


  • Martin von Dunkel.Dreckig.Reudnitz., einem der besseren Leipzig-Blogs, hatte ungebetenen Besuch.
  • Daniela von Green Bird macht großartige Wanderungen, und obwohl ich die Umgebung von Graz nicht kenne und auch kein großer Bergfreund bin, mag ich die Fotos immer.
  • Etwas kinderlastiger: Chronik eines Scheiterns auf dem Väter-Blog "Ich bin dein Vater". Manchmal geht eben alles schief, und es hilft nur: Zähne zusammen beißen und durch.
  • Einen etwas anderen Zugang zu Wolle, als ich den hier sonst pflege, bieten "Mimi&Käthe" :-) (Ausnahmsweise sogar mal SFW)
  • Und wer einfach nur mal das Elend dieser Welt ausblenden und herzhaft lachen möchte, dem empfehle ich ganz allgemein den Blog vongestern.com, der u.a. Bravo-Artikel der letzten Jahrzehnte sammelt und, nunja, kommentiert.


Schönes Wochenende!

Samstag, 17. Oktober 2015

Samstagskaffee mit Katze

Die Arabisten stehen gerne früh auf. Nicht nur finden die Veranstaltungen allesamt am Morgen oder Vormittag statt, sondern das Semester beginnt auch bereits, wenn die Historiker, traditionell eher energiesparend veranlagt, noch friedlich schlafen. Also war meine Woche vor allem mit Arabisch-Wiederholungen und dem Einstieg in die neuen Lektionen gefüllt. Dabei hatte ich ein paar Erinnerungslücken zu füllen, aber nicht so viele wie gedacht. Wenn's erstmal läuft, läuft's.


Immer dabei: Der Kater mit Bart.

Dieses Semester haben über 200 junge Menschen angefangen, in Leipzig Arabistik zu studieren. Das ist, schätze ich, ein neue Rekord, und spiegelt ganz gut das derzeitige Interesse und auch den Bedarf an Vermittlungsinstanzen zwischen "uns" und arabischsprechenden Menschen. Als ich damals anfing, waren wir etwa 30, und auch da hieß es schon, so viele gab es noch nie. Erfahrungsgemäß gibt etwa ein Drittel bis die Hälfte auf. Die Dozenten kämpfen gerade damit, diese Massen zu bändigen, denn wir sind hier immer noch in Sachsen und Hochschulen brauchen kein zusätzliches Personal oder gar Geld, erst recht nicht an der Uni Leipzig, die sich, anders als die sogenannte Exzellenz-TU Dresden, gerne mal unbeliebt macht.

Ansonsten hat mich diese Woche ein längst fälliger Abgesang auf Hypezig erheitert. An dieser Stelle erwähne ich gerne, dass ich schon in Leipzig war, bevor es cool wurde, in Leipzig zu sein. Und ich bleibe hier, nachdem es uncool wird, in Leipzig zu sein. Wenn ich denn einen dieser Jobs finde, von denen es laut Artikel hier keine gibt.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Weck' me up, before you go-go...

Zugegeben, der Witz ist schlecht. Aber alles, auch Einwecken, macht viel mehr Spaß, wenn man dabei einen kleinen quietschbunten George Michael vor Augen hat, der im Dunkeln leuchtet und trällernd durch die Achtziger hüpft.





Dieses Jahr habe ich mich etwas eingehender mit Wildobst beschäftigt, und sammle gerade fleißig für meinen Weihnachts-Likör. Den setze ich aus selbstgemachtem Sirup und Hochprozentigem an; eigentlich sollte Holunder der Hauptbestandteil sein. Im Sommer war bereits Holunderblütensirup dran, der super geworden ist und ab und zu mit Minze und Zitronensaft zu Limo oder Hugo aufgegossen wird. Den Beeren dagegen ist der Sommer nicht bekommen - egal welchen Strauch man anschaut, die eine Hälfte der Beeren ist verdorrt, die andere grün. Deswegen wird kräftig gemischt - Kornelkirsche, Weißdorn, Zierquitten, Mispeln, Schlehen, Äpfelchen, Eberesche,... alles, was der herbstliche/winterliche Park so hergibt, kommt in den Topf. Und den Anfang macht ein wirklich ausgezeichneter...

Zierquitten-Zimt-Sirup




  • 0,75 kg Zucker
  • 2 kg Zierquitten
  • 2-3 l Wasser
  • 1 TL Zimt
  • Gewürze: In meinem Fall eine marokkanische Mischung aus Zimt, Nelke, Kardamom und schwarzem Pfeffer, die ich eigentlich mal für Couscous gekauft und für zu Pfefferkuchenartig befunden habe
  • n. B. Vanilleextrakt, Zitronenschale und -Saft, Minze... (Alles kann, nichts muss)


Früchte kleinschneiden, entkernen ist nicht nötig. Mit Wasser aufkochen, dabei immer wieder rühren. Dann abkühlen und 24 Stunden ziehen lassen. Die Früchte habe ich kurz mit dem Kartoffelstampfer bearbeitet. Am nächsten Tag durch ein Sieb abseihen und den Saft mit dem Zucker und den Gewürzen aufkochen, zwei Stunden im offenen Topf köcheln lassen, bis er eine dunkle (rötliche) Farbe angenommen hat. Zum Schluss heiß in (ausgekochte!) Flaschen oder Gläser füllen. Der Sirup geliert ganz leicht an; eine Stunde mehr hätte vielleicht Gelee draus gemacht, dazu würde ich dann aber noch Zitronenschale und/oder extra Pektin zusetzen.

Der Sirup schmeckt wunderbar weihnachtlich, wenn auch eher nach Äpfeln als Quitten. Aber um den süßen Geruch zu erhalten, rät das Internet zur Dampfentsaftung, und ich habe leider keinen Entsafter. Meine Mutter hatte mal einen, vielleicht sollte ich sie fragen, ob es den noch gibt.

Samstag, 26. September 2015

Samstagskaffee: Overnight Oats, Semesterplanung und Wilde Äpfel

Diese Woche war es etwas ruhiger um mich - Dienstag habe ich mir mit wer-weiß-was den Magen verrenkt, hatte vier Tage lang Bauchkrämpfe und Schmerzen und die ganze Zeit so ein ekliges Gluckern im Bauch, als hätte jemand Brausepulver reingeworfen. Meine Ernährung fiel dementsprechend einseitig aus - Haferbrei, Zwieback und mit viel Vorsicht eine Möhren-Kürbis-Suppe - und auch heute wird mein Samstagskaffee neben einem Glas Haferschleim, oder wie man in Hipsterhausen sagt, Overnight Oats, serviert:





Das Rezept ist einfach: 4 bis 5 EL Haferflocken und 1 EL Kokosraspel mit warmer Milch übergießen, Deckel zu und über Nacht im Kühlschrank weichen lassen. Am nächsten Morgen zwei TL Honig einrühren, fertig ist das magenschonende Matschfrühstück. Eigentlich mag ich keinen Brei und allgemein zu weiches Essen, also musste ich mich etwas überwinden. Aber wer die Konsistenz mag, für den sind Overnight Oats definitiv ein gesundes, leckeres und schnelles Frühstück. Auch wenn es eigentlich nur Birchermüsli für Hipster ist.

Ein weiteres gut funktionierendes Hausmittelchen gegen Krämpfe und Bauchschmerzen (auch menstruelle) ist Pfefferminztee. Da ich neulich meine Minze auf dem Balkon vereinzelt und ausgesetzt habe und sie zuverlässig sofort angefangen hat, zu wuchern, habe ich ihn aus frischen Blättern angesetzt:





Ein Zweigchen oder zwei zerpflücken, mit heißem Wasser übergießen und einen TL Honig einrühren. Minze wirkt desinfizierend, krampflösend und erfrischend, außerdem wirkt das Menthol gegen das leichte Hungergefühl, dem man eher zurückhaltend nachgeben sollte. So ausgerüstet, habe ich zumindest das Gröbste überstanden.

What else is new?

Morgen gehen die Einschreibungen los und ich stehe wieder vor der schweren Balance zwischen "Das interessiert mich" und "Das brauch ich im Studienverlaufsplan" - in dem ist nämlich genau festgelegt, wieviel ich wovon machen muss, und wenn ich halbwegs pünktlich fertig werden möchte, muss ich mich daran halten. Eigentlich würde ich gerne jetzt mein Mittelaltermodul erledigen, aber irgendein Scherzkeks hat sich ausgedacht, dass die Veranstaltungen dieses Semester alle abends stattfinden. Vielleicht hole ich endlich Latein nach oder springe in die Neuere Geschichte. Arabisch mache ich auch weiter, jetzt wo ich schon mal damit angefangen habe.

Letzte Woche habe ich mich mithilfe der fruchtbar.org-Karte auf die Suche nach Wildobst gemacht. Und einiges gefunden. Zum Beispiel Wildäpfel:




Die meisten anderen Früchte, die ich im Auge habe, sind demnächst ebenfalls reif. Ich habe noch einen ganzen Post zum Sammeln und Verarbeiten in Arbeit, also dazu später mehr.

Dienstag, 25. August 2015

Brichst du auf gen Ithaka... Wo ist Heimat?

Görlitz hat in den letzten Jahren einen erstaunlichen Hype erlebt, der sicherlich nachvollziehbar ist, wenn man sagen wir mal aus Amerika kommt und noch nie ein Gebäude gesehen hat, das älter als 150 Jahre ist. Dann muss einem die Stadt vorkommen wie einem Disney-Film entsprungen.

(c) Goerlitzinformation; CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons (c) Mylius; GNU via Wikimedia Commons

(c) Mylius; GNU via Wikimedia Commons


Hollywood jedenfalls hat Görlitz als ultimative Kulisse entdeckt - ob nun Jackie Chan über den Untermarkt schwingt, Kate Winslet hier Straßenbahn fährt oder das ehemalige Karstadt am Marienplatz gleich mal zum "Grand Budapest Hotel" wird - Geschichten und Bilder aus "Görliwood" gibt es genug.


Dienstag, 11. August 2015

Statt Kaffee: LeseLust im August

Jetzt hatte ich einen vollständigen Samstagskaffee-Eintrag fertig geschrieben, mit Bildern versehen und abgespeichert, aber aus mir unerfindlichen Gründen hat Blogger beschlossen, ihn zu löschen. Es ging irgendwie um Essen, um Fernsehserien und um die Hitze da draußen, aber mir ist die Lust vergangen, alles noch einmal zu tippen.

Darum heute stattdessen: LeseLust im August!



Mittwoch, 17. Juni 2015

Krawall, Krawall!

Was können wir Ossis besonders gut? Richtig, unzufrieden sein. Und was tun wir mit all der Unzufriedenheit? Wir wenden uns wahlweise linken oder rechten Strömungen zu und schlagen alles kurz und klein.

Nicht, dass mich Leute, die das tun, nicht nerven würden. Es macht keinen Spaß, an Haltestellen mit abgefackelten Mülleimern und zerkloppten Scheiben zu warten. Es macht auch keinen Spaß, sich immer wieder montags für die 200 Würstchen fremdschämen zu müssen, die da als "Legida" zwei Meter spazieren gehen und damit mehr Aufruhr verursachen als nötig.

(c) dpa via faz.net

Mittwoch, 20. Mai 2015

Trari, Trara - Pfingsten ist (fast) da!

Einmal im Jahr wird es dunkel in Leipzig. 

Erst fängt es leise an, die ersten Läden und Geschäfte dekorieren ihre Schaufenster schwarz um. Dann fällt einem auf, dass der Anteil der dunkel gekleideten Menschen in der Innenstadt kontinuierlich wächst, die sich noch schnell mit Make-up eindecken, im Barfußgässchen einen Kaffee trinken oder mit Stadtführern bewaffnet die Sehenswürdigkeiten von Leipzig abklappern, bevor der Trubel richtig losgeht.

Bild: fluffy_steve via flickr; Lizenz: BY-NC-ND

Samstag, 2. Mai 2015

Samstagskaffee

Ninjas Sieben hostet seit fast zwei Jahren die "Samstagskaffee"-Reihe, wo Blogger(innen) von ihrer Woche erzählen und ein Foto ihres bevorzugten, meist koffeinhaltigen, Getränkes zum Samstag dazu posten. Nun hat die Betreiberin nach Nummer #95 beschlossen, die Reihe einzustellen. Passender Zeitpunkt dafür, mich auch mal daran zu beteiligen.




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