Mittwoch, 13. Juli 2016

Unterwegs: Merseburg

Die letzte Prüfung liegt hinter mir, und in den Augen der Leute, die gern über "faule Studenten" reden, habe ich jetzt Semesterferien. Natürlich sind Ferien keine Ferien, sondern Zeit, eine schöne lange Hausarbeit zu schreiben, Zeit, mehr zu arbeiten, weil man das Geld so dringend braucht, und vor allem Zeit mit einem Dreijährigen, dessen Tagesmutter zwei Wochen in Italien am Strand liegt. Gut, dass so ein Dreijähriger auch mit Geschichte und Kultur zufrieden ist, und wenn Mitteldeutschland etwas hat, dann doch Geschichte und Kultur! Die Mission lautet: So weit das Semesterticket trägt. Es ist erschreckend, dass ich acht Jahre in Leipzig wohne und vom Umland quasi nichts kenne. Da schämt man sich ein bisschen, wenn man Vorlesungen in der Sächsischen Landesgeschichte belegt.



Wir waren also in Merseburg. Von Leipzig aus ist die Anreise auch im üblichen Sommerchaos der LVB (Kommt der SEV? Kommt er nicht? Was ist ein SEV?!) relativ unproblematisch mit der Linie 131 (Jaaaa, die, die zu Ikea fährt) vom Hauptbahnhof möglich und dauert leider eine ganze Stunde, obwohl die Stadt wirklich nicht weit weg ist. Besichtigt wurden natürlich Dom und Schloss (im Bild) samt Kulturhistorischem Museum.

Herr F. hatte leider ein bisschen Angst vor Totenschädeln, und ich muss zugeben, als einzige Besucher in einem beengten Kellergewölbe stehen, mit dramatisch ausgeleuchteten menschlichen Gebeinen um sich, das ist schon speziell. Ich hätte mir die Schädel und das Grab trotzdem gerne näher angesehen, wurde aber mit einem panischen "Weiter, weiter! Nicht gucken!!!" aus der Frühen Siedlungsgeschichte gerissen.

Außer Dom, Schloss und diversen Überresten der Stadtmauer gibt es in Merseburg allerdings nicht so wahnsinnig viel zu sehen. Das Übel, das die meisten Städte mit weit zurückreichender Geschichte verfolgt, ist, dass sie meistens recht wenig mehr als das zu bieten haben. Die relativ leeren Straßen zwischen all den schönen, sanierten Fassaden erinnerten mich stark an Görlitz: Man geht gern durch und guckt und staunt und das Historikerherz lacht, aber wohnen kann man dort nicht.

Die nächsten Ziele, die wir uns vorgenommen haben, sind unter anderem Querfurt, Altenburg, natürlich Halle und dann auch wieder heimatlichere Gefilde, die Sächsische Schweiz.

Mittwoch, 6. Juli 2016

Hörspiele für (Klein)kinder

Ich bin ein schrecklich schlechter Vorleser. Nach drei Sätzen fange ich an zu gähnen, ich habe keine Lust, Stimmen zu imitieren, die meisten Kinderbücher sind schlecht geschrieben und für meinen Geschmack zu "dumbed down". Herr F. dagegen ist leidenschaftlicher Bücherfreund und Zuhörer, und man muss zu jeder Tages- und Nachtzeit damit rechnen, dass einem plötzlich mit treuem Blick eines von tausend Pixi-Büchern in die Hand gedrückt wird: "Kannst du mir das bitte vorlesen?"

via wandtattoos.hoferfotos.at

Umso schöner, dass Spotify eine ganze Stange Kinderhörspiele auf Lager hat, die auch für einen Dreijährigen schon geeignet sind. Nach dem dritten oder vierten Buch kommt also meistens die Frage "Soll ich dir nicht lieber ein Lied anmachen?"


  • Bibi Blocksberg. Ein Klassiker der Kinderhörspiele, zeitlos witzig und ein unerschöpflicher Quell an Insiderwitzen meiner Schwestern. Joachim! Bibi und Tina mag ich auch sehr, Benjamin Blümchen dagegen gar nicht. Hexen okay, aber ein sprechender Elefant!?
     
  • Wickie. Seit sein Opa ihm eine Wickie-Spielesammlung geschenkt hat, ist das Kind großer Wikingerfan. Sowohl die (alte) Zeichentrickserie als auch Bücher haben es ihm angetan. Hörspiele gibt es auch, eine alte und eine neue Version.
     
  • Käpt'n Sharky. Mit den Wikingern kommen auch die Piraten in Mode, so ist das. Käpt'n Sharky finde ich eigentlich ganz niedlich, die Geschichten sind unterhaltsam und nicht nervtötend kreischig.
  • Der Traumzauberbaum. Noch so ein Klassiker - zu meiner Zeit noch auf Schallplatten, bei meinen Großeltern. Wenn die Seite zu Ende war, musste man in die Küche schleichen und Oma bitten, die Platte zu drehen. Vorher wurde immer der Staub mit einer speziellen Bürste abgewischt. Herr F. bevorzugt leider die neueren Traumzauberbäume mit Traumläusen und Hochzeitspferden, die mich furchtbar nerven.
     
  • Mimmelitt, das Stadtkaninchen. Auch von Reinhard Lakomy, von 1984. Die Handling ist ein wenig dürftig, aber die Lieder sind kindgerecht und witzig.
     
  • Feuerwehrmann Sam. Welches Kind möchte nicht Feuerwehrmann werden? Wir laufen jeden Morgen einen kleinen Umweg, um die Feuerwache zu passieren und zu sehen, ob ein Löschwagen draußen steht. Feuerwehrmann Sam ist darauf ausgerichtet, Kindern den richtigen Umgang mit Gefahrensituationen beizubringen, ohne zuuuu belehrend zu sein. Die Erwachsenen sind alle Trottel, was mich meistens ein bisschen nervt, aber eigentlich macht es auch Spaß, über sie zu lachen.
     
  • Tabaluga. Das habe ich als Kind stundenlang gehört, und ich kann bis heute die Alben auswendig. Alle Alben. Auch die, die lange nach meiner Kindheit erschienen sind. Ähem. Es ist jedenfalls eine sehr schöne Geschichte. Für Kinder.
     


Ebenfalls sehr putzig finde ich Ritter Rost, der Herrn F. aber "zu laut" war. Der ist wohl eher für ältere Kinder geeignet.

Montag, 25. April 2016

Monday you can fall apart

Schon wieder kein Samstagskaffee. Die Zeit, die Zeit. Meine Tage im Moment sind achtzehn Stunden lang, davon etwa eine Stunde für mich. Demnächst wird es wieder besser. Manchmal läuft es eben einfach nicht so.

Meine Mutter machte mich letztes Jahr wütend, als sie sagte, sie habe den Eindruck, mir werde das alles zu viel. Ich solle mir überlegen, ob ich das wirklich schaffe, so mit dem Studium. Wäre ich ein impulsiver Mensch, hätte ich sie angeschrien. So habe ich irgendetwas Leises gemurmelt, dass ich das schon schaffe, und mich später im schwesterlichen WhatsApp-Chat beschwert. Manchmal bin ich eben doch nicht so stark.

Das Wochenende war das anstrengendste, das ich in den letzten Monaten auf Arbeit erlebt habe. Gott sei Dank sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team und haben es geschafft, die Nerven zu bewahren, uns gegenseitig aufzumuntern und am Ende doch irgendwann mal Feierabend zu machen. Manchmal läuft es dann eben doch.

Das Leben mit einem Dreijährigen hat seine Tücken, man sollte es kaum glauben. Zur Zeit sind zwei Drittel seiner Äußerungen Fragen. Das kann einen wahnsinnig machen. Der Rest sind unfreiwillig komische Sätze, die sofort wieder aufheitern. Tragisch wird es, wenn etwas nicht exakt so läuft, wie er sich das vorgestellt hat. Wenn man ihm ein Taschentuch reicht, statt des gelben "Tränchentuchs". Wenn man die Banane kleinschneidet, obwohl er nicht darum gebeten hat. Wenn man zum Staubsaugen den Bauklotzturm verrückt hat. Dann folgt regelmäßig ein empörtes "Aber das hab ich doch verkündet!" und Unverständnis, wenn die Eltern lachen.

Das Auslachen rächt sich in wenig schmeichelhaften Vergleichen. Neulich sah er ein Bild von Vlad dem Pfähler, und rief begeistert: "Der sieht aus wie die Mama!"

Übrigens:


Dienstag, 19. April 2016

Überflussgesellschaft

Ich habe einen schönen, schwierigen Artikel gelesen. Schön deswegen, weil er mir aus der Seele spricht, weil ich genau diese Situationen kenne, weil ich über solche Dinge viel nachdenke. Schwierig deswegen, weil ich in diesem Artikel eine andere Rolle einnehmen würde, weil das Thema mich, oft genug unangenehm, berührt und dazu geeignet ist, Menschen aneinander geraten zu lassen. Und es fällt mir sehr schwer, darüber zu schreiben, weil ich eben dieses Aneinandergeraten überhaupt nicht will.

Es geht um Überfluss. Ums Schenken. Um den Wert der Dinge.

Als ich klein war, war die Sache klar: Geschenke gibt es zum Geburtstag und zu Weihnachten, vielleicht noch Schokolade zu Ostern. Kleine Geschenke gibt es von den Eltern, große von den Großeltern. Darauf konnte man sich verlassen, darauf konnte man sich freuen. Viele Kinder bekamen mehr als ich, manche weniger, so war das eben, und von Oma und Opa wünscht man sich die teuren Sachen, so ist das noch heute bei mir.

Bei meinem Kind ist das ein bisschen anders. Mein Sohn hat nicht nur ein Paar Großeltern, sondern drei, dazu die Urgroßeltern, und drei Tanten, und seine Eltern haben Freunde. Und er hat uns, die wir beide auch Mangel kennen und natürlich wollen, dass ihm nichts fehlt. Gleichzeitig soll er den Wert von Dingen erkennen, Sachen zu schätzen wissen und lernen, dass manche Dinge einfach höhere Ziele sind als andere, dass Geschenke nicht auf Bäumen wachsen und ein Wunsch nicht immer sofort erfüllt werden kann. Er weiß nicht, was Geld ist, außer, dass wir es manchmal haben und manchmal nicht, ohne zu verstehen warum.

Donnerstag, 24. März 2016

Ostern in der Oberlausitz

Letztens habe ich erwähnt, dass ich als sächsischer Eingeborener meine Heimat sehr mag, mit all ihrer kulturellen Vielfalt und den Traditionen, die ich mir nicht von rassistischen Mobs und anderen Idioten kaputt machen lassen möchte. Mein Mann, seines Zeichens Preuße und eingefleischter Kulturbanause, musste über diesen Satz sehr lachen und konnte sich nicht vorstellen, was ich mit "kultureller Vielfalt" meine. Nun kann man es ihm nicht ganz verdenken, weil er a) eine topographische Niete ist und bisher nicht wusste, dass zum Beispiel Erzgebirge und Vogtland in Sachsen liegen und b) in Leipzig wohnt, wo es mehr Zugezogene als Sachsen gibt und allgemein viele der Bräuche, die ich aus meiner Kindheit kenne und damit meinte, gar nicht gibt.


via commons.wikimedia.org, CC-BY-SA 2.0


Ich komme aus der Oberlausitz, und zwar mitten aus dem Herzen. Die sächsische Oberlausitz umfasst die Landkreise Bautzen und Görlitz, dann gibt es noch kleinere Teile in Polen und Brandenburg. Hier gab es bis vor hundert Jahren noch Landstriche mit ausschließlich sorbischer Bevölkerung, die oft ausschließlich sorbisch sprach. Die Sorben sind in der sächsischen Verfassung als schützenswerte Minderheit verankert, haben viele Sonderrechte und eine Interessenvertretung, die Domowina. Wer durch die Oberlausitz fährt, dem fallen meist die zweisprachigen Ortsschilder auf, und die deutschen Ortsnamen haben fast alle slawische Ursprünge (Leipzig auch, übrigens). Die Sächsische und besonders die Geschichte der Lausitz sind eng mit den Sorben, mit der böhmischen und schlesischen Geschichte verknüpft.

Obwohl ich also selbst keine Sorbin bin, waren die Sorben eine prägende Kraft in meiner Kindheit. Im Kindergarten haben wir Vogelhochzeit gefeiert, sorbische Hematmuseen besucht und die berühmten Ostereier bestaunt. Als Kind habe ich mich für Sagen und Märchen begeistert, und fast alle Oberlausitzer Sagengestalten sind sorbischen Ursprungs, vom bekanntesten Märchen, Krabat, ganz abgesehen. Sie sind verbunden mit realen Orten, Landschaften, Bergen, und immer, wenn ich von Leipzig aus mit dem Zug nach Osten fahre, freue ich mich, wenn die ersten vertrauten Ansichten auftauchen.


via commons.wikimedia.orgCC-BY-SA 2.0


Und weil ich nunmal ein Frühlingsmensch bin, haben es mir auch die Frühlings- und Osterbräuche am meisten angetan. Ich liebe die kleinen gebackenen Vogelnester, die man im Januar bei allen Bäckern kaufen konnte, die kunstvollen Ostereier, die Reiterprozessionen - und egal wem ich hier davon vorgeschwärmt habe, ob meinem Mann, Freunden oder den armen Bäckern, immer wurde ich nur verständnislos und ein bisschen mitleidig angesehen. Aber genug der Schwärmerei - was macht denn nun Ostern in der Oberlausitz so besonders?

Sonntag, 20. März 2016

Kindergeburtstag

Nun sind es also drei Jahre. Was hat sich getan?





Vor drei Jahren kam ich zu Hause an, mitten im Schneesturm, mit einem schlafenden Baby im Gepäck, und wusste plötzlich nicht mehr, was ich tun soll. Ich war nur drei Tage im Krankenhaus geblieben, schließlich war ich bereits zwei Minuten nach der Geburt wieder aufgestanden, es bestand also kein Grund, mich länger als nötig ins Bett zu verbannen. Wie immer, wenn ich Fremde um mich hatte, kam ich mir fehl am Platz vor, konnte meine Bettnachbarin nicht ausstehen, und ihr besserwisserischer Mann ging mir auf die Nerven. Ich wollte allein sein und mich in Ruhe an das kleine Menschlein gewöhnen. In den ersten Wochen kam auch regelmäßig meine tolle Hebamme vorbei, sodass ich zwar immer noch ratlos und verwirrt, aber wenigstens nicht auf mich allein gestellt war.

Wenn ich mir meinen Sohn heute ansehe, bin ich sehr stolz. Nach der Verzweiflung, der Erschöpfung und der Ratlosigkeit der ersten Monate habe ich heute ein Kind, das selten krank ist, alles isst, wissbegierig und aufmerksam und generell einfach lieb ist. Er macht es mir leichter, alles unter einen Hut zu bringen. Ich merke zwar deutlich, wie viel schwerer das (Studenten-)Leben ist, wenn man Kinder hat. Die Einschränkungen, der Mehraufwand sind da, und jeder Vormittag, den ich mir mal für mich nehmen kann, ist Gold wert.

Aber: Seit ich wieder studiere, bin ich zielstrebiger geworden, konzentrierter und organisierter. Ich plane meine Semester nicht nur in Hinblick auf passende Tagesabläufe ohne fünfstündige Pausen, sondern auch auf den Studienabschluss, den ich wahrscheinlich sogar in der Regelstudienzeit schaffen werde. Das hat auch den Grund, dass ich im Master wieder Bafög-Anspruch habe (Bafög! Wuhu!), aber vor allem damit, dass ich mir Gedanken darüber mache, welches Umfeld ich meinem Sohn bieten möchte. Dass ich ihm auch Vorbild sein will. Vorbildsein: das ist das Erschreckende am Elternwerden, dass man plötzlich aufpassen muss, ein gutes Vorbild zu sein. Ständig zum Nach- und Überdenken gezwungen ist. Das ist unglaublich beängstigend.

Auf ins nächste Jahr!
Samstag, 5. März 2016

Samstagskaffee - Woche #10

Kennen Sie das, unter der Dusche zu stehen, vollkommen in Gedanken, denn es ist ja früh am Morgen, man überlegt schon mal, was man anzieht und ob man sich vielleicht auch irgendwann mal wieder die Beine rasiert, und plötzlich fällt ebenjene Dusche mit einem lauten Krachen in sich zusammen? Wahrscheinlich nicht. Ich wünsche es auch niemandem.
Genau das passierte mir am Montag, was sehr schlechtes Timing war, denn ich war a) verkatert, b) hatte sich der Heizungsmann für halb 8 angesagt und ich musste folglich schon um 7 duschen und c) war ich furchtbar verkatert.

Apropos Kater:

Ziggy Stardust, die Katze mit Bart.



Verkatert war ich deswegen, weil ich auf "ein" Feierabendbier mit meinen Kollegen zusammensaß. Und weil es so nett war und ich den ganzen Sonntag noch nicht dazu gekommen war, mich mal kurz hinzusetzen (ich mag Pausen eigentlich nicht), saß ich da so und das Glas füllte sich auf magische Weise wieder auf. Den Abend davor hatte ich bereits mit einer Freundin bei "einem" Wodka Lemon verbracht, um ihren neuen Job zu feiern, und kurz gesagt war der Montagmorgen nicht mein bester Freund. Dann kam das mit der Dusche, und da hatte ich schon keine Lust mehr auf die Woche. Außerdem war es der 29. Februar - ein Tag, der gar nicht existieren dürfte. Zu Recht, sag ich.

Shopping


Ein Gutes hatte das Erlebnis: Ich musste in den Baumarkt. Ich liebe Baumärkte. Als ich das erste Mal im Baumarkt war, um Schrauben zu kaufen, kam ich mit Balkonblumen, Bilderrahmen und einem Kerzenständer zurück. Mein Kind besitzt eine Kuscheldecke mit Autos, die wir im Baumarkt gekauft haben. Warum hat mir nie jemand gesagt, wie toll Baumärkte sind? Es macht fast so viel Spaß wie bei Ikea, nur dass mich bei Ikea immer der Neid auf anderer Leute Wohnung packt, während ich im Baumarkt einfach Lust habe, ganz viel an meiner Wohnung zu verbessern, und überlege, ob ich ein Schleifgerät kaufe und meinen Küchenschrank neu streiche.

Herr F. mag Baumärkte auch. Bei unserem letzten Besuch haben wir ihm eine große Schraube und drei unterschiedliche Muttern (Sechskant-, Hut- und Flügelmutter) gekauft, und er ist sehr sehr glücklich damit. Zufriedenes Kind für knapp 50 Cent.

Überhaupt war mein Kind äußerst liebenswert diese Woche. Ich habe ihm beigebracht, wie man Fenster putzt, und jetzt bettelt er schon, wann er das das nächste Mal darf und was er als nächstes putzen kann. Wahrscheinlich habe ich doch auch ein paar Sachen richtig gemacht mit ihm. Auch freut er sich wahnsinnig auf seinen Geburtstag und bereitet mit mir zusammen seinen Umzug ins Kinderzimmer vor. Er hat auch eingesehen, dass man mit drei ein großer Junge ist und ins Töpfchen pullern muss - oder an Bäume, was seine liebste Beschäftigung im Sommer ist.

Altersgebrechen


Außerdem: Nachdem mir mein Gatte, der gelernter Optiker und seit vierzig Jahren Maulwurf ist, geraten hat, meine in letzter Zeit etwas unscharf gewordenen Augen mal ärztlich untersuchen zu lassen, verbrachte ich einen ganzen Vormittag damit, mich von diversen Sprechstundenhilfen abwimmeln und vollnölen zu lassen, und ging dann einfach zu dem freundlichen Optiker um die Ecke, der im Winter recht oft Besuch von uns bekommen hatte, weil er eine Eisenbahn in seinem Schaufenster fahren ließ. So ködert man Eltern.

Ergebnis: Ich werde alt. Was mir die grauen Haare, die ich seit fünf Jahren immer wieder auszupfe, und die falschen Zähne bisher nur zugeflüstert haben, gab es jetzt schwarz auf weiß. Nach der 25 geht es bergab, sagte meine Biologielehrerin einst. Ach, ach.

Lesenswert


  • John Oliver, einer meiner liebsten Late-Night-Erklärbären, über Donald Trump. Noch sehenswerter, beschämender und für mich gerade in Hinblick auf die extreme Divergenz zwischen Stimmung in der Bevölkerung und staatliche Machtausübung überraschender ist übrigens seine Folge über Abortion Laws.
  • Wer mal wissen möchte, womit ich mich gerade für meine Hausarbeit beschäftige - oder einfach mal was über Leipzigs koloniale Vergangenheit wissen wollte.
  • Und damit es nicht ganz so deprimierend endet: Leipzigs letzter Schneemann.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Advent, Advent #2 - Auf die Plätzchen, fertig, los!

Ein großer Vorteil am Muttersein ist ja, dass man plötzlich Kindheitserinnerungen und vernachlässigte Traditionen wieder ausgraben kann, ohne sich selbst kindisch zu fühlen. Dieses Wochenende standen Weihnachtsplätzchen auf dem Plan!

Beim Ausstechen und Verzieren war Herr F. mit großem kindlichen Ernst am Werk; nachdem im Adventskalender morgens ein eigenes kleines Ausstechförmchen steckte und die Vorfreude schürte, hatten es ihm vor allem meine DDR-Plasteförmchen angetan, die ich mir vor ein paar Jahren in einem dieser schrecklichen Ost-Kitsch-Läden gekauft habe. Herr Fuchs, Frau Elster und das Sandmännchen waren schon als Kind meine Favoriten in der Keksdose. Da sie leider auch immer die ersten sind, die zerbrechen, waren die Intakten unter meinen Geschwistern hart umkämpft, und irgendwie machte es mich zwanzig Jahre später froh, jetzt immer meine eigenen backen zu können.






Gerade beim Verzieren braucht man aber einiges an Geduld. Das Kind hat keinen Sinn für Symmetrie oder gleichmäßige Verteilung der Zuckerperlen. Stattdessen wurde ein armes einzelnes Sandmännchen mit einem Berg von bunten Streuseln versehen, die natürlich nicht halten wollten. Zwischendurch wurde die Pickup-Feuerwehr (hinten rechts) mit Dekor beladen und fuhr laut brummend Schlangenlinien, um Sterne und Schneeflöckchen zu versorgen. Dass dabei Zuckerguss auf der Tischplatte und allerlei Zucker in den Parkettritzen landete, störte nicht weiter.

Das Sandmännchen ist übrigens unter der süßen Last kollabiert und hat sich den Hals gebrochen - leider die häufigste Todesursache dieser Spezies.


Samstag, 24. Oktober 2015

Samstagskaffee: Sockenfieber

Es gibt einfach keinen adäquaten Ersatz für Omis Selbstgestrickte. Gegen kalte Fußböden (Parkett im Hochparterre), Schnee und Eis über den Winterstrumpfhosen (Socken und Stulpen in einem) und für das nötige Kuschelfeeling am Feierabend (Gehört zum Advent wie Glühwein und Pfefferkuchen). Meine Oma ist rund ums Jahr ausschließlich mit Sockenstricken beschäftigt, denn neben vier Enkelinnen verlangen auch alle sechs Urenkel mit ihren schnell wachsenden Füßen jeden Winter Nachschub.






Bisher habe ich mich nie an Socken getraut, jede noch so leichte Anleitung klang wie höhere Mathematik, aber nachdem ich jetzt schon den Raglan bezwungen habe und Herr F. öfter kalte Füße in seinen Gummistiefelchen hatte, war es jetzt doch mal Zeit. Der erste Versuch war erfolgreich, aber zu klein. Den zweiten Versuch habe ich toe-up gestartet und mich für die Größe 26/27 an dieser Sockentabelle orientiert. Die Bumerangferse, komplettes Neuland für mich, habe ich mir per YouTube beigebracht.

Freitag, 23. Oktober 2015

Das Märchen von der Vereinbarkeit: Es war einmal eine voll berufstätige Mutter...


Arbeitende Mütter: Wenn sie gebraucht werden....


Noch ne Muddi schrieb einen Artikel über die "Teilzeitfalle" - die Mär von der Vereinbarkeit von Kind und Beruf ("Karriere" findet sie an dieser Stelle, wie ich, übertrieben). So sehr ich verstehen kann, was sie schreibt, und so sehr mich die Statistiken ärgern, die Deutschland seine peinliche Rolle als Schlusslicht in Sachen Vereinbarkeit bescheinigen, so sehr denke ich auch jedes Mal: Es ist halt nicht immer schlau, sich erst ein Nest zu bauen und dann kontrolliert und abgezählt seine Eier reinzulegen.

Klar, es wird einem nicht leicht gemacht, jung Kinder zu kriegen. Klar, ich würde gerne öfter auf Party gehen oder mal ausschlafen oder mein Studium durchziehen und mir meinen Traumberuf suchen. Und klar, die älteren Mütter, die mit ihren stylischen Kinderwägen ohne kaputtes Hinterrad und ihren Kindern in Klamotten, die nicht tausend mal aufgetragen sind, auf dem Spielplatz neben mir sitzen, die beneide ich auch ein bisschen. Andererseits unterhalten sie sich über ihre Kinder, als seien sie ein wichtiges Projekt, das man auf jeden Fall richtig angehen muss, und nicht einfach nur, naja, Kinder, und wenn sie über die Arbeit reden, dann darüber, wie schwer es ihnen gemacht wird als Mutter.

Dieses seltsame Warten-auf-den-richtigen-Moment, das den Frauen hierzulande seit 25 Jahren eingebläut wird und dafür sorgt, dass die durchschnittliche Erstgebärende mittlerweile über 30 ist, sorgt eben auch dafür, dass man sich diese Pause, die jedes Kind einfordert und die hier schwerer fällt als irgendwo sonst auf der Welt (außer Japan), immer weniger leisten kann. Das ist natürlich schrecklich und ungerecht und gemein, und man sollte etwas dagegen tun, aber darauf warten, dass die Umstände sich meinem Leben anpassen, ist nicht immer die aussichtsreichste Methode.





Ich habe das Gefühl, meine Altersgenossen stellen komplett überzogene Ansprüche an ihr Leben. Ich bin immer dafür, nach Höherem zu streben und für seine Ziele zu kämpfen, aber angesichts beispielsweise unserer Scheidungsrate ist es einfach unrealistisch, auf eine harmonische Kleinfamilie mit dem perfekten Mann, den perfekten Kindern und dem perfekten Labrador zu hoffen, wenn man unterwegs so viel mehr Spaß haben könnte. So what, wenn der Mann nicht perfekt ist, die Kinder viel mehr Arbeit machen als geplant und der Hund nicht hört?

Hoffnungen auf gerade Lebenslinien, die in allen Bereichen stetig nach oben gehen, können nur enttäuscht werden. Wenn ich immer von dem Gedanken gehetzt bin, mir eine Karriere und ein sicheres Leben aufzubauen, damit dann endlich alles gut wird, werde ich vermutlich später feststellen, dass vor allem erst einmal alles anstrengend und kompliziert wird. Egal wie lange ich es herausschiebe, Kinder halten sich nicht an Pläne. Sie haben ihre eigenen.

Das hört sich alles so an wie eine ihr-seid-selbst-schuld-Tirade über Leute, die später Kinder kriegen als ich. Das wollte ich natürlich nicht sagen. Es ist ein Unding, dass Arbeitswelt und Gesellschaft in Deutschland auf kinderlose Singles mit 50-Stunden-Arbeitswoche aufgebaut sind und Familien (und erst recht Alleinerziehende) in wirklich jedweder Hinsicht benachteiligt werden. Solange sich das nicht ändert, wird sich auch an der fortschreitenden Vergreisung dieses Landes nichts ändern.

Alles, was ich sagen wollte, war: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Hört auf, uns Angst zu machen vor einer unsicheren Zukunft, und unterstützt uns lieber dabei, die Gegenwart zu meistern. Denn: "It's not children that slow mothers down".


via funnyjunk.com

Samstag, 10. Oktober 2015

Samstagskaffee: October Rust

Mein Samstagskaffee wird heute in dieser schönen Atmosphäre serviert:




Der kleine Herr F. hatte es diese Woche nicht leicht; und auch seine Eltern fanden es wenig erfreulich, von einem nassen Schwall Erbrochenem geweckt zu werden. Also, man wird erstaunlich abgeklärt mit so einem Kleinkind. Gemütlich ist trotzdem anders. Er blieb also mit mir zu Hause und trieb mich mit seiner unausgelasteten Kindergruppen-Energie fast in den Wahnsinn. Ich bin halt mehr so der Sitzer, wenn man mich lässt.

Ansonsten schludre ich mich so durch den Haushalt, schaue nebenbei Smallville, wenn das Kind schläft, wiederhole arabische Vokabeln und mache die Leipziger Parks unsicher. Im Flur türmt sich bereits ein stattlicher Laubhaufen, Kastanien- und Eicheleimerchen versperren den Weg und kleine Schlammfüßchen ziehen eine Spur von der Tür zum Schuhregal. Die höheren Semester starten alle erst frühestens Mitte Oktober ihre Vorlesungen, davor gibt es lediglich Einführungen für Erstsemester. Effektiv fange ich also erst nächste Woche an zu studieren. Das Warten nervt und ist irgendwie schwieriger als die Semesterferien.

Schönes Wochenende zusammen.

Montag, 28. September 2015

Herbstlaubfieber



Herr F. ist ein Naturkind genau wie ich. Als ich klein war, habe ich tonnenweise Blumensträuße gepflückt, Steine und Blätter gesammelt, Kastanien gehortet und Moosmännchen gebaut. Herr F. und ich, wir sehen keine vergammelten Laubhaufen, wir sehen viele tausend einzelne Schönheiten. Und genau wie ich sitzt er auf dem Spielplatz selten mit anderen Kindern zusammen, sondern bäckt konzentriert einen Sandkuchen nach dem anderen. Manchmal tritt jemand darauf, dann schaut er mich traurig an und knetet seine Ohren.

Gestern saßen wir fast zwei Stunden lang im Park auf der Wiese und haben bunte Kirschbaumblätter zusammengetragen, in seinem kleinen Abschlepptruck gesammelt und in die Luft geworfen. Es gibt so Momente, da ist die Welt in Ordnung.
Mittwoch, 16. September 2015

Auf den Nadeln im September: Kinder, es wird Herbst!

Das Furchtbare an Kindern ist, dass sie nicht aufhören zu wachsen, und ständig neue Sachen brauchen. Ein Jahreszeitenwechsel verschlingt also gern mal Unsummen für Schuhe (wann sind die eigentlich so teuer geworden?), Hosen und Shirts. Bisher konnten wir uns noch ganz gut mit den abgelegten Sachen der Cousins und Cousinen behelfen und mussten nur etwa die Hälfte der Garderobe selbst kaufen. Aber Rieseneltern machen Riesenkinder, und mein Zweijähriger hat die beiden drei- beziehungsweise vierjährigen Cousinchen längst eingeholt. Dafür können wir dem nächsten Kind schon selbst Sachen weiterreichen.

Also steht diesen Herbst viel Selbstgemachtes auf der Liste. Den Anfang macht diese schmucke Baumwoll-Herbstmütze, auf die ich ein bisschen stolz bin:



Obwohl Mützen ja eigentlich das Einfachste vom Einfachen sind und kein großes Können erfordern, habe ich noch nie eine so stricken können, dass sie gut aussieht und richtig sitzt. Diese hier ging schnell von der Hand (2 Abende, 1 Knäuel), saß auf Anhieb und sieht vorzeigbar aus. Die Anleitung ist von Maria Carlander und hier auf Schwedisch und Englisch verfügbar. Passend dazu habe ich noch einen kleinen Schal in Arbeit, weil das Kind leider keine Schalkragen trägt.

Und genau wie letztes Jahr stricke ich für verschiedene Personen in der Familie fleißig Stulpen. Die befinden sich noch im Planungsstadium. Inspirationen dafür sind:




Für mich selbst ist zur Zeit nichts dabei. Dafür wird wohl erst im Oktober Zeit, wenn das Kind ausreichend warm angezogen ist.

Verlinkt bei: Auf den Nadeln - Setember.

Mittwoch, 12. August 2015

Time, where did you go? - Organisiert bleiben


Keinen Satz höre ich, wenn ich beiläufig aus meinem Leben erzähle, so oft wie "Wie schaffst du das eigentlich immer alles?"

Also, ich finde schon, dass es recht anstrengend ist, Studium, Kind und Arbeit nebeneinander zu jonglieren, und gerate auch ab und zu ins Schwitzen, wieviel ich aber tatsächlich mache, wird mir meistens erst bewusst, wenn ich mein Pensum ausgebreitet vor mir liegen sehe. Und weil ich selbst erst mühsam lernen musste, mich so gut zu organisieren, und eigentlich, wenn man mich lässt, eher zu den Tagträumern und Schlendrianen gehöre, gibt es hier und heute mal den nach meiner Erfahrung besten Weg, wie man ein besonders volles Leben gebacken bekommt - einen Terminplaner führen!

Dienstag, 11. August 2015

Statt Kaffee: LeseLust im August

Jetzt hatte ich einen vollständigen Samstagskaffee-Eintrag fertig geschrieben, mit Bildern versehen und abgespeichert, aber aus mir unerfindlichen Gründen hat Blogger beschlossen, ihn zu löschen. Es ging irgendwie um Essen, um Fernsehserien und um die Hitze da draußen, aber mir ist die Lust vergangen, alles noch einmal zu tippen.

Darum heute stattdessen: LeseLust im August!



Donnerstag, 30. Juli 2015

Von der Schwierigkeit, sich mit Müttern zu verabreden

Zugegeben, ich bin ein schwieriger Entscheider. Wer sich mit mir treffen möchte, sollte schon einen Plan haben, denn eh ich herausgefunden habe, was ich eigentlich will, ist der Abend vorbei.

Das Kinderhaben macht die Sache natürlich nicht leichter, wenn man plötzlich Nickerchen, Bettgehzeiten, Snacks und eine gesicherte Betreuungskette im Hinterkopf behalten muss.


Dieser Kuchen könnte dir gehören!


Freitag, 19. Juni 2015

Was, deiner isst das?! Veganes Mittagessen mit Kind.

Kinder und Gemüse, das Thema, das anscheinend Mütter allerorten und schon immer in den Wahnsinn treibt. Bücher, Filme und Serien sind randvoll mit Kindern, die ihren Spinat auf Wänden und Möbeln verteilen, Eltern, die mit allen möglichen Tricks versuchen, dem Nachwuchs ein Brokkoliröschen einzuverleiben, Versprechungen von körperlicher Stärke und Intelligenz inklusive.

Und wenn das nicht hilft, folgen Drohungen über böse Hexen und schlechtes Wetter.




Ich weiß nicht, ob mein Kind einfach seltsam ist oder ein entspannterer Umgang mit Essen tatsächlich geholfen hat, aber Gemüse war bei uns nie ein Problem. Der kleine Herr F. hat von Anfang an fast alles Grünzeug gegessen, was wir ihm vorgesetzt haben. Etwas anderes wäre ihm auch gar nicht übrig geblieben, da wir selten Fleisch und Fisch essen und der liebende Vater ständig Angst hatte, dem Kind könne irgendetwas Knochiges im Hals stecken bleiben.

Deswegen bekam Herr F. Beilagen, entwickelte eine seltsame Vorliebe für Brokkoli und auch wenn er zu Hause oder bei der Tagesmutter Fisch und Fleisch isst, bleiben die eher liegen als das Gemüse. Ein Lieblingsklassiker dabei ist Grillgemüse mit Reis (kleine Sauerei) oder Couscous (große Sauerei).

Mittwoch, 3. Juni 2015

Auf den Nadeln im Juni

Die Zeit zum Stricken ist knapp, die freien Abende kurz, aber zum Glück ist das Wetter spielplatzgeeignet; und während die anderen Muddis im Sandkasten sitzen und ihre Kinder wegschicken, weil sie das Sandschloss immer kaputt machen, mach ich es mir mit Kaffee und Stricknadeln am Rand gemütlich.

Ahoi, Matrose!

Ein bisschen Seefahrerromantik ist ja seit ein paar Jahren überall zu sehen, und eigentlich warte ich nur noch darauf, dass wieder Kinderfotos in Matrosenuniformen wie im Kaiserreich modern werden. Bis dahin aber bekommt mein Söhnchen eine Umhängetasche mit gehäkelter Anker-Applikation.



Strickjacke die nächste

Weil man nie genug Jäckchen für laue Sommerabende haben kann, habe ich mir eine Anleitung von DROPS herausgesucht. Da die Wolle, die ich verwende, ein bisschen leichter ist, habe ich dünnere Nadeln (3,0) genommen und dafür die Maschenzahlen von Größe M statt S.



Und in Planung

Demnächst steht ein Kleid aus Baumwolle auf der Liste - ich habe mich aber noch nicht endgültig entschieden, mit welchem Muster ich anfange:




Verlinkt bei Maschenfein.
Dienstag, 2. Juni 2015

Pack die Nähmaschine aus, es wird Frühling!

Was Handarbeiten angeht, bin ich furchtbar ungeduldig und schusselig. Aus diesem Grund bin ich eigentlich eine recht gute Strickerin, weil ich nach ein oder zwei Reihen auch längere Muster im Kopf habe und einfach so vor mich hin arbeite. Nach drei, vier Abenden sind die meisten Projekte fertig und dann geht es an etwas Neues.

Beim Nähen sieht es da schon anders aus. Die Arbeitsschritte sind länger und kleinteiliger, man muss sauberer arbeiten und Schusselfehler sind oft unkorrigierbar. Das frustriert, und hält mich davon ab, die Maschine doch mal wieder aus dem Regal zu holen, obwohl mir gerade für den Nachwuchs schöne Dinge einfallen würden.

Aber bekanntlich wird dieses Jahr alles anders und weil die Handarbeitskisten nach Resteverwertung schreien, hab ich mir das Simpelste vorgenommen, was mir einfiel - der kleine Mann braucht Halstücher.

Also Maß genommen, Schnittmuster auf einem Stück Altpapier entworfen, zwei Sorten Baumwollstoff ausgesucht und zugeschnitten, ratzfatz-zickzack-vernäht, fluchend wieder aufgetrennt weil natürlich falsch herum, neu vernäht, versäubert, mit Druckknöpfen versehen und - BÄM - Halstücher mit allerlei Fahrzeug.



Alles etwas unsauber, stört den Zwerg aber nicht.

Verlinkt bei: Creadienstag
Freitag, 17. April 2015

Von einer, die auszog, ...

Jetzt, da ich wieder auf der Suche nach einem Job bin, gibt es zwar keine sittenwidrigen Löhne mehr, aber eine Menge Vorurteile, die einem als Mutter begegnen. Es ist zum Verzweifeln: egal, wie oft ich betone, dass ich durchaus in der Lage bin, Studium und Kind zu vereinbaren, höre ich immer dasselbe: "Wir suchen eigentlich jemanden, der ein bisschen weniger Verpflichtungen / auch am Wochenende bis Mitternacht Zeit / weniger Stress / ... hat."

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