Mittwoch, 28. Juni 2017

Sechs Monate Stille

Wenn ich mir meine letzten Posts 2016 ansehe, mache ich mir Sorgen um die traurige Person, die sie geschrieben hat und frage mich, ob es ihr besser geht, ob sie in den letzten Monaten wieder Kraft und Ruhe und ein kleines bisschen Glück gefunden hat.





Die Antwort ist schwierig. Wie immer ging es noch ein Stück weiter bergab, bevor ich anfangen konnte, mich aus dem Tief herauszugraben. In den ersten Monaten 2017 habe ich noch mehr gezweifelt, noch mehr abgenommen und noch mehr nach Auswegen gesucht. Dann kam Gott sei Dank der Frühling, und dem konnte ich noch nie widerstehen.


Was hab ich gemacht?

In der Zwischenzeit wurden: eine Bachelorarbeit geschrieben, viel gewandert, viel Zeit mit netten Leuten verbracht, eine Prüfung bestanden, eine andere beantragt, ein Berg bestiegen, Höhenangst an einem steilen Abgrund bekämpft, zwei Paar Schuhe gekauft, zwei alte Freundschaften wiederbelebt und eine neue gewonnen, eine komplette Serie durchgeschaut, zwei Fische drogenbedingt der Konspiration verdächstigt, ein Paar Socken gestrickt, ein Pullover angefangen, zweitausendfünfhundertdreiundsechzig Liter Kaffee getrunken (Schätzwert), vierundzwanzig Margaritas getrunken (exakter Wert), dreißig Meter geschwommen, ein Regal und ein Katzenklo gekauft und nicht zuletzt zu drei verschiedenen Gelegenheiten Ziegen gestreichelt.


Was mach ich jetzt?

In den nächsten Monaten steht viel an. Vor allem natürlich das Studium beenden. Bis auf das verdammte Latinum und die eigentliche Bachelornote ist alles im Kasten, wird zusammengepuzzelt und zu einem wackeligen Ganzen verbacken. Dann geht's von vorn los: Für den Master bewerben, BaföG beantragen, Semester planen, Hindernisse überwinden.

Daneben wird gearbeitet: Ich stehe weiter jeden Sonntag hinter der Bar, und ab und zu sieht man mich unter der Woche früh fluchend Kissenberge über den Freisitz schleppen.


Samstag, 19. November 2016

Samstagskaffee - Woche #whocares

Dieses Jahr hat mich der Herbst-Blues frontal erwischt. Eigentlich mag ich Herbst, ich mag die trübe Stimmung und die abfallenden Temperaturen, die bunten Blätter und den erdigen Geruch in der Luft. Der Lichtmangel hat mir noch nie etwas ausgemacht, eigentlich mochte ich es bisher auch, nur im Kerzenschein am Esstisch zu sitzen oder nach der Arbeit durch die Dunkelheit nach Hause zu radeln.


(c) getty images via wetter.at


Dieses Jahr aber wurde mit dem Tageslicht auch meine Stimmung düsterer, ich schlafe schlecht, kann mich kaum motivieren, möchte mich am liebsten von Schokolade ernähren und den ganzen Tag auf dem Sofa vergammeln, wo ich dann vor mich hinbrüte und mich ärgere, dass ich so nutzlos und faul bin.

Dazu kommt die Gereiztheit. Ich bin kein besonders emotionaler Mensch und hasse nichts mehr als Leute, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Zur Zeit allerdings fällt mir das deutlich schwerer als sonst, ich könnte bei Kleinigkeiten explodieren und reagiere auf jede noch so winzige Provokation. Unnötig zu erwähnen, dass da ein Dreijähriger mit verbal zelebrierter analer Phase nicht direkt der beste Umgang ist.

Zu saisonalen Depressionen gibt es allerlei Forschung und Meinung, angeblich soll Lichttherapie oder gar Solarium helfen. Mir persönlich würde vermutlich am meisten helfen, wenn ich irgendwann mal wieder gesund wäre, jemand meine Wohnung putzen würde und sich mein Konto auf magische Art und Weise im Plus halten könnte. Und dann könnte 2016 auch aufhören, einfach nur immer beschissener zu werden und einen großen Menschen nach dem anderen zu killen. Ich habe ehrlich Angst um Bob Dylan.




Und die Arbeit? 


Läuft, läuft. Ich habe bald bessere Schichten, mehr Stunden und mehr Geld. Das verdanke ich ironischerweise einer Kollegin, die aufhört, weil sie - man höre und staune - eine Stelle als Historikerin gefunden hat und nicht mehr kellnern muss. Wunder geschehen, people, es ist nicht alles verloren. Jetzt übernehme ich also ihre Muttischicht unter der Woche, und gebe dafür die Bar am Wochenende ab.

Ein bisschen werde ich die Sonntagsfrühstücker vermissen, das ist schon eine sehr eigene Stimmung. Andererseits sollte jeder, der sonntags Punkt zehn frühstücken geht und sich die Nase an Fensterscheiben des Restaurants plattdrückt, während die Angestellten doch nur in Ruhe ihren Kaffee austrinken wollen, bis die doofen Gäste reingelassen werden müssen, einen grausamen Kältetod sterben, aber das ist wohl nur wieder dieser Pessimismus, der mir ständig unterstellt wird. Wenigstens mein Kollege ist traurig, dass er jetzt sonntags nicht mehr meine schlechten Witze hören darf, und sucht nach einem passenden Ersatz, der ihn wegen seiner Herkunft (Baden-Württemberg) diskriminiert.

Und die Uni?


Läuft, läuft. Ich versuche mich in Themen für meine Bachelorarbeit einzulesen, mit dem Erfolg, dass die Fragestellungen immer mehr und immer differenzierter werden, aber gleichzeitig sind alle Ansätze so furchtbar spannend, dass ich mich immer weniger für nur einen entscheiden kann. Es ist nicht immer leicht.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Tagträumer-Trauma

(c) Bespoke Laser


Ich bin ein ewiger Schlendrian. Je älter ich werde, desto besser wird es, ich organisiere mich, ich hefte ab, ich erstelle tausend Reminder und arbeite effektiver und gründlicher und und und... stehe regelmäßig vor einem riesigen Berg an Unerledigtem, bekomme plötzlich einen Schock, weil ich diese eine wichtige Sache vergessen habe, und höre sofort die Stimme meiner Mutter, die mir wieder und wieder predigt, ich solle nicht so viel vergessen. Deadlines, Unterlagen, immer wenn ich denke, ich hätte alles im Griff, kommt etwas, das ich nicht auf dem Schirm hatte und das alles über den Haufen wirft.

Schon als Kind war ich ein Träumer, nie ganz in der Realität, sondern immer ein bisschen neben der Spur. Solange ich zurückdenken kann, war "Ach, die Marianne..." ein gängiger Seufzer in meiner Umgebung und ist es bis heute. Auf Kinderfotos starre ich in die Luft, mit glasigen, aufgerissenen Augen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mein Sohn hat exakt den selben Blick, nur sind seine Augen leuchtend blau statt braun.

Ich bin froh, dass ich auf dem Dorf aufwachsen durfte. Überall sonst wäre ich hoffnungslos verloren gewesen, wäre ohne nachzudenken mit jedem Fremden mitgegangen oder hätte einfach vergessen, wo ich bin. Auch heute bleibe ich größtenteils aus Angst in Leipzig, mich anderswo nicht zurechtzufinden, was Quatsch ist, weil ich in allen Städten bisher festgestellt habe, dass ich mich schon nach kurzer Zeit viel besser orientieren konnte als meine jeweiligen Begleiter.

Diese Woche warf ich einen Blick in die Prüfungsordnung und erschrak, weil ich nicht mitbekommen hatte, dass ich längst ein Latinum nachweisen müsste, um die Bachelorarbeit beantragen zu können. In meinem eigenen Plan habe ich es aber frühestens nächstes Semester. So etwas wirft mich immer aus der Bahn, wieso habe ich das auch aufgeschoben, warum habe ich nicht eher nachgelesen, was sage ich nur meinem Betreuer, was meinen Freunden und Familie, und warum warum warum bin ich nur immer so vergesslich.




Das Wichtigste, was ich im Studium bisher gelernt habe, ist: Alles halb so schlimm. In Wirklichkeit sitzen in der Uni keine Paragraphenreiter und Bürokraten, sondern Menschen, mit denen man reden kann. Von anderen Fakultäten habe ich schon anderes gehört, aber Geisteswissenschaftler sind ja immer ein bisschen anders. Vielleicht sind unter ihnen genug Trödler und Träumer, oder vielleicht wissen sie, dass es Wichtigeres gibt als Konformität, oder vielleicht haben sie einfach nur kein Interesse daran, jungen Menschen die Zukunft zu verbauen. In jedem Fall hören sie sich das Problem an, winken ab und sagen "Das passt schon."

Und auch wenn  ich jedes einzelne Semester ankomme, kam bisher noch keiner auf die Idee zu sagen: "Ach, Frau Ziegenbalg... seien Sie doch nicht immer so vergesslich!"
Freitag, 21. Oktober 2016

Welcome, WS 16/17

Es ist geschafft, das fünfte Semester - mit nur drei Wochen Verspätung (*hust*) habe ich heute die letzte Hausarbeit abgegeben.

Ja, schon wieder Verspätung.

Ja, Studieren mit Kind kann einem ganz schön die Planung zerhauen.

Nein, ich bin wie immer nicht zufrieden. Aber wenn jetzt jemand kommt und fragt, wie eigentlich die sächsischen Staatsfinanzen unter Friedrich dem Weisen aussahen, kann ich zumindest eine halbstündige Antwort geben. Und nebenbei meine etwas weirde Begeisterung für Verwaltungsgeschichte kundtun.

Außerdem bin ich immer noch nirgends eingeschrieben, unter anderem deswegen:



Aber das macht nichts, denn eigentlich habe ich fast alle Credits zusammen, und die Bachelorarbeit rückt tatsächlich langsam in greifbare Nähe. Mein Wunschbetreuer ist (fast) überzeugt, ein Thema zumindest grob umrissen, und wenn ich es jetzt noch schaffe, mein Latinum zu bestehen, darf ich mich in gerademal zehn Monaten Bachelor of Arts schimpfen und muss nie wieder meiner Mutter die Frage beantworten, ob das mit dem Studium denn jetzt auch wirklich nicht zu schwer für mich ist.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Semesteranfang

Plagwitz halt.

Es ist, wie es immer ist: Mein Leben ist zu schnell, die Tage zu vollgestopft, um abends auch noch zu bloggen, ich bin ruhelos und gehetzt. Heute verirrte ich mich auf den Campus, um in Ruhe meine Hausarbeit weiter zu schreiben, und fand mich plötzlich mitten in der Erstsemester-Einführungswoche, zwischen pickeligen Großkotzen und Mädchen mit Zahnspangen, alles war voller Geschnatter und Gekicher und "Meeegaaa!"-Rufen und prallen Primark-Tüten, und ich fragte mich nicht nur, wann ich eigentlich so furchtbar alt geworden bin, sondern auch, seit wann Studienanfänger so dumm sein dürfen.

Alle Gespräche, die ich hören musste, kamen mir so schrecklich oberflächlich vor, über den coolen Ruf Leipzigs und süße Schuhe und noch süßere Dozenten, über die Tücken des ersten eigenständigen Wäschewaschens und was man später mal werden will.

Irgendwann gelang es mir, das Hintergrundgeräusch balzender BWL-Anfänger auszublenden und tatsächlich fünf Seiten zu schreiben, drei Seiten ohne Deckblatt und Inhaltsverzeichnis, und verzog mich nach ein paar Stunden deprimiert in die Mensa.

Nebenbei schrieb die Fakultät mir, dass ich das Modul, das ich eigentlich belegen wollte, nicht belegen dürfe, sodass ich ohne Plan und ohne für eine einzige Prüfungsleistung angemeldet zu sein in mein 6. Fachsemester starte. Da die dazugehörige Vorlesung allerdings von dem Professor gehalten wird, bei dem ich auch gerne meine BA schreiben will, werde ich trotzdem hingehen.

Mittwoch, 7. September 2016

Einschub

Eine bittere Erkenntnis brachte die Woche: Man kann in Menschen nicht hineinsehen.
Man kann ihnen nicht ansehen, anmerken oder vorausahnen, wozu sie fähig sind. Und manchmal ist es nur Zufall, ob man es jemals herausfindet.
Donnerstag, 25. August 2016

Unterwegs: Hamburg Ahoj!

Ich hatte Urlaub, oder sowas in der Art: Während Mann und Kind zu Hause blieben, bin ich zu meiner Schwester nach Hamburg gefahren, um ihr ein bisschen bei der Kinderbetreuung zu helfen. Nebenbei habe ich mir die Stadt angesehen, das kam bei den letzten Besuchen vor unendlich vielen Jahren (oder zwei Kindern, wie man in meiner Familie rechnet) einfach zu kurz.




Und so war ich eine ganze verregnete Woche lang auf St. Pauli. Vom Balkon aus konnte man die Reeperbahn sehen, was zugegebenermaßen unter der Woche bei Regen nicht weiter spannend ist, auf dem Weg zum Kindergarten kam ich an drei Sex-Kinos vorbei, was für mich etwas gewöhnungsbedürftig war, und dazwischen gab es vegane Eisläden, Hipster im Nadelstreifen und obdachlose Kapitäne, was dann auch schon wieder ein bisschen an Plaguewitz erinnerte.

Mit dem Meer verbindet mich so einiges, nicht nur die Kindheitserinnerungen an Nord- und Ostseeurlaube. Der Urlaub in Stralsund mit meinem Mann und unserem (ungeborenen) Kind war der schönste, den ich je hatte, und jedesmal, wenn ich in einer Stadt am Meer bin, überraschen mich wieder die freundlichen Menschen überall. Dazu kommt die Luft: Meine im Sommer dauerverschnupfte Nase verträgt eine steife salzige Seebrise deutlich besser als die Leipziger Lindenalleen.

Das einzige neben meiner generellen Liebe zu Leipzig, das mich effektiv davon abhält, ans Meer zu ziehen, ist meine panische Angst vor dem Ertrinken. Offene Gewässer sind einfach nichts für mich, und näher als zwei Meter kann ich ans Hafenbecken nicht herantreten, ohne Schweißausbrüche zu bekommen.

Die Woche war trotzdem schön und trotz zweier sehr sehr lebhafter Kinder erstaunlich erholsam.
Samstag, 23. Juli 2016

Samstagskaffee - Woche #28




Auch diese Woche mache ich einen Bogen um all die furchtbaren Nachrichten in der Welt - wenn diese Würstchen eines bereits genug haben, dann doch Aufmerksamkeit. Davon abgesehen hasse ich Spekulationen. Und Idioten sowieso.





Diese Woche waren Herr F. und ich am Cospudener See. Die letzte Woche Urlaub der Tagesmutter neigt sich dem Ende zu. Darauf folgt die letzte Woche mit der Tagesmutter überhaupt, bevor es heißt: Kindergarten Ahoi! Wer weiß, was uns da erwartet. Ich hoffe auf Sauberwerden und Abschied vom Schnuller.

Schnell verlinkt

Donnerstag, 21. Juli 2016

Unterwegs: Ein Tag am See



Herr F. und ich waren am Cospudener See. Er ist nicht der Schönste im Leipziger "Neuseenland", aber der erreichbarste von unserem Haus aus - mit Bus und Straßenbahn ist man in gerade mal 20 Minuten am Strand.

Früher bin ich oft mit dem Fahrrad durch die Seenlandschaft gefahren, durch Wald und Wiese, vorbei an riesigen Industriedenkmälern, an weidenden Auerochsen, an den Apelsteinen. Dann habe ich mich abseits des Trubels ans Ufer gesetzt, in die Böschung, wo es keinen Sand, aber Badestege und Ruhe gibt. Heute sitze ich am Sandstrand in der Sonne und baue Matschburgen, wische Tränchen und Schlammspritzer aus Kinderaugen, krame ständig Sonnencreme, Apfelstückchen, Wasser, Sandförmchen, Feuchttücher aus der Tasche, esse Eis- und Pommesreste auf, verscheuche Fliegen und versuche einem zappeligen Kleinkind zu erklären, warum er mittags wenigstens eine halbe Stunde unter dem schattigen Sonnenschirm sitzen soll und warum Mamas Augen ständig zufallen.




Nett war es trotzdem, und fühlte sich sogar ein klein wenig wie Erholung an. Nur ein Cocktail mit viel Eis und Schirmchen hat gefehlt.

Samstag, 16. Juli 2016

Samstagskaffee - Woche #27



Hiobsbotschaften - schnell und bequem verfügbar am Frühstückstisch. Wenn ich morgens aufstehe, lese ich Nachrichten, und irgendwie macht das dieses Jahr so gar keinen Spaß. All die Toten, all die politischen Verwirrungen - die ganze Welt scheint 2016 unbedingt die Erde in die Luft jagen zu wollen.



Ich hatte eine nette Woche. Herr F. und ich waren in Merseburg, um uns den berühmten Dom anzusehen. Und eine der ältesten Städte Mitteldeutschlands. Gemütlich war es, und eine Bratwurst auf Kleinstadtmarktplätzen in wackeligen Klappstühlen lässt immer irgendwie Urlaubsfeeling aufkommen.

Und jetzt: Heute ist CSD. Geht raus! Geht feiern! Bringt ein bisschen Farbe in den Trübsinn!
Mittwoch, 13. Juli 2016

Unterwegs: Merseburg

Die letzte Prüfung liegt hinter mir, und in den Augen der Leute, die gern über "faule Studenten" reden, habe ich jetzt Semesterferien. Natürlich sind Ferien keine Ferien, sondern Zeit, eine schöne lange Hausarbeit zu schreiben, Zeit, mehr zu arbeiten, weil man das Geld so dringend braucht, und vor allem Zeit mit einem Dreijährigen, dessen Tagesmutter zwei Wochen in Italien am Strand liegt. Gut, dass so ein Dreijähriger auch mit Geschichte und Kultur zufrieden ist, und wenn Mitteldeutschland etwas hat, dann doch Geschichte und Kultur! Die Mission lautet: So weit das Semesterticket trägt. Es ist erschreckend, dass ich acht Jahre in Leipzig wohne und vom Umland quasi nichts kenne. Da schämt man sich ein bisschen, wenn man Vorlesungen in der Sächsischen Landesgeschichte belegt.



Wir waren also in Merseburg. Von Leipzig aus ist die Anreise auch im üblichen Sommerchaos der LVB (Kommt der SEV? Kommt er nicht? Was ist ein SEV?!) relativ unproblematisch mit der Linie 131 (Jaaaa, die, die zu Ikea fährt) vom Hauptbahnhof möglich und dauert leider eine ganze Stunde, obwohl die Stadt wirklich nicht weit weg ist. Besichtigt wurden natürlich Dom und Schloss (im Bild) samt Kulturhistorischem Museum.

Herr F. hatte leider ein bisschen Angst vor Totenschädeln, und ich muss zugeben, als einzige Besucher in einem beengten Kellergewölbe stehen, mit dramatisch ausgeleuchteten menschlichen Gebeinen um sich, das ist schon speziell. Ich hätte mir die Schädel und das Grab trotzdem gerne näher angesehen, wurde aber mit einem panischen "Weiter, weiter! Nicht gucken!!!" aus der Frühen Siedlungsgeschichte gerissen.

Außer Dom, Schloss und diversen Überresten der Stadtmauer gibt es in Merseburg allerdings nicht so wahnsinnig viel zu sehen. Das Übel, das die meisten Städte mit weit zurückreichender Geschichte verfolgt, ist, dass sie meistens recht wenig mehr als das zu bieten haben. Die relativ leeren Straßen zwischen all den schönen, sanierten Fassaden erinnerten mich stark an Görlitz: Man geht gern durch und guckt und staunt und das Historikerherz lacht, aber wohnen kann man dort nicht.

Die nächsten Ziele, die wir uns vorgenommen haben, sind unter anderem Querfurt, Altenburg, natürlich Halle und dann auch wieder heimatlichere Gefilde, die Sächsische Schweiz.

Montag, 4. Juli 2016

Samstagskaffee - Woche #26

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das jeder studentische Elternteil kennt und fürchtet. Jedes Semester wieder hoffen alle, dass sie diesmal verschont bleiben und der Kelch an ihnen vorbeigeht, aber das Leben ist hart und unerbittlich, und deswegen heißt es auch jetzt: Pünktlich zur Prüfungszeit werden Tagesmütter, Kindergärtnerinnen und/oder die Kinder selbst krank.

In den letzten drei Semestern, und auch dieses, hat es mich erwischt, dass ich plötzlich, statt zu lernen, ein quietschfideles Kleinkind zu bespaßen hatte, während die Tagesmutter irgendeinen fiesen Keim auskurierte. Letztes Jahr fiel die Prüfungswoche ausgerechnet mit dem Ferienbeginn zusammen, an dem sie sich frei nehmen musste, um ihre eigenen Kinder zu betreuen.

Jetzt sitze ich also zu Hause, kann mich schlecht konzentrieren, die Prüfungen rücken näher, die letzten Lehrveranstaltungen verstreichen ungehört, das Kind sortiert seine Kronkorkensammlung und möchte ständig Memory spielen.


(HBO)


Dann habe ich endlich die sechste Staffel Game of Thrones angefangen. Ich bin so ein furchtbar ungeduldiger Mensch. Ironischerweise so ungeduldig, dass ich immer warte, bis eine Staffel vollständig erschienen ist, um nicht nach jeder Folge eine Woche warten zu müssen. Da gefühlt 150% meiner Freunde GoT-Fans sind, waren Spoiler echt schwer zu vermeiden. Aber es hat sich gelohnt - zehn Folgen in nur drei Abenden, und was für Folgen! Was für ein Gemetzel! Großartig. Die Bücher und die Serie sind auf so viele Arten und Weisen bahnbrechend, alles, was jemals wieder im Fantasy-Bereich gemacht wird, muss sich daran messen lassen. Ich bin immer wieder froh, in so einer großartigen Zeit zu leben.


Mittagspause!


Und dann erscheint dieser Post ja auch am 4. Juli. Das ist nicht nur für Amerikaner ein Grund zum Feiern, sondern auch für mich und meine Kollegen - das Kaiserbad wird genau ein Jahr alt. Bei der Eröffnung habe ich auch gearbeitet, bin also quasi seit Stunde 0 dabei und werde es wohl auch hoffentlich noch eine Weile bleiben.

Und jetzt: Prüfungszeit!

Montag, 27. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #25



Heute ist gar nicht Samstag, werden Sie empört ausrufen, heute ist Montag! Und Sie haben Recht, Sie Fuchs, Sie. Und das da ist auch kein Kaffee, sondern Erdbeerlikör!

Die Woche, ach was, die letzten zwei Wochen waren einfach zu schnell vorbei, und zu viel schwirrte mir um den Kopf, worüber ich mir Gedanken machen muss(te). Von meinem eigenen Shit abgesehen hat mich auch das Brexit-Votum nicht ganz kalt gelassen, zumal ich in den letzten Monaten VWL-Schlüsselqualifikationsmodul auch ein paar Zusammenhänge besser verstanden habe und mittlerweile die Wirtschaftsnachrichten lesen kann, ohne jedes zweite Wort nachzuschlagen. Erfolgserlebnisse allerorten!



Der kleine Basilikum hat sich gut gemacht, und auch der Rest des Fensterbrett-Gemüsegartens wächst und gedeiht. Auch wenn sich der Kürbis als Chauvi erweist und ausschließlich männliche Blüten produziert. Aber ich habe ihn auch nicht gekauft, um dann orangene Riesen vor dem Fenster liegen zu haben. Die Tomate dagegen verträgt Standort und Pflege erstaunlich gut und produziert fleißig grüne Knubbels. Wenn die sich als essbar erweisen sollten, erweitere ich das Nutzpflanzenabteil nächstes Jahr noch um eine weitere Tomate und vielleicht auch einen kleinen Paprika. In mir wohnt eben doch ein kleiner Öko. Apropos:



Ich hatte dieses Jahr nicht viel Lust, handzuarbeiten. Diese Woche allerdings hatte ich wieder mehrere Abende, an denen ich nichts Sinnvolles mehr tun oder denken, sondern nur noch meine Ruhe wollte. Dabei habe ich ein bisschen vor mich hin gehäkelt, größtenteils improvisiert, inspiriert von Pinterest. Noch sieht es aus wie etwas, das sich alte Damen auf die Sofalehne legen, aber bald soll es meinen Oberkörper schmücken.




Samstag, 11. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #23




Basilikum, Basiliki, Basiliko - es sprießt auf der Fensterbank. Basilikum ist ja bekanntermaßen eine kleine Mimose, also halten sich die Erwartungen in Grenzen. Aber schauen wir mal, wie's weitergeht. Die Tomate daneben blüht auch schon. Wie aufregend.

Wenn dieser Text erscheint, bin ich gerade in Berlin und schaue mir Dinosaurierskelette an. Nach meinem unsanft von Magen-Darm-Kram beendeten Ostern ist das mein zweiter sowas-wie-Urlaub dieses Jahr. Der dritte und letzte kommt im August, wenn ich meiner Schwester in Hamburg beistehe. Mein dritter Hamburgbesuch, und diesmal sehe ich vielleicht sogar mal was von der Stadt. Die letzten Male bin ich betrunken U-Bahn gefahren. Auch schön.

In Berlin war ich erst einmal, und die Stadt ist mir nicht besonders sympathisch, aber auch Schwiegerväter wollen mal besucht werden, und der kleine Herr F. freut sich wahnsinnig auf das einzig vollständig erhaltene T-Rex-Skelett Europas, das dort gerade im Museum steht. Und gerade an Museen hat die Stadt ja einiges zu bieten, sodass ich mich gar nicht weiter mit den Berlinern abgeben muss. Auch wenn in meiner letzten Hausarbeit wenig schmeichelhafte Dinge über die Deutschen und ihre neurotische Sehnsucht nach Zentralismus zitiert wurden, aus der nach Theorie des Autors die Museumsinsel hervorgegangen ist. Manchmal merke ich mir gar, was ich lese, normalerweise, um es irgendwann an völlig unpassenden Stellen einzuflechten. Apropos Hausarbeit: Auch dieses Semester muss ich wieder eine schrieben, diesmal geht es um das Marktprivileg in Leipzig. Ich finde ja, Regionalgeschichte wird unterschätzt. Manchmal muss man es eben auch anfassen können.




Und dann habe ich wieder einmal meinen Kleiderschrank aussortiert, diesmal noch rigoroser. Ich hatte mir vor ein paar Wochen eine Kleiderstange gekauft, auf der demnächst alle meine Kleider und Blusen hängen dürfen, denn eigentlich bin ich ein großer Fan von offenen Kleiderschränken. Der jetzige ist auch offen, hat aber nur eine kleine Stange, sodass die Kleider immer knittern. Stattdessen wird dort jetzt mehr Bettwäsche und Decken gelagert. Wieder ein winziges Stückchen Ordnung mehr - es sind die kleinen Dinge im Alltag, die mich beglücken.

Wie zum Beispiel dieses Kleid. Ignorieren Sie den Giraffenhals. Keine Ahnung, was da passiert ist. Das Kleid ist toll, habe ich festgestellt.

Samstag, 4. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #22

Selfie #1

Diese Woche war... durchwachsen. So unnötig anstrengend. Und Pickel hat'se auch. Meh.

Am Dienstag habe ich versehentlich meinen Kollegen mit einer unschönen Geste bedacht. Er hatte mich auf der Straße gesehen, und gehupt, um zu fragen, ob er mich mitnehmen soll. Das war einer dieser Tage, die es manchmal im Sommer gibt, einer dieser Tage, bei denen ich das Gefühl habe, alle (Männer) um mich herum sind verrückt geworden, haben jegliche Selbstachtung und Menschlichkeit verloren, einer von diesen Tagen, an denen ich abends vor dem Spiegel stehe und überlege, ob ich da nicht einfach nur ein bisschen zu empfindlich bin.

Kurzum: Er war der fünfte oder sechste, der an diesem speziellen Nachmittag, und das nur auf dem Weg zur Tagesmutter, beschlossen hatte, mir hinterher zu hupen, und ich hatte mittlerweile so die Nase voll, dass ich einfach nur den Finger hob und weiterging. Die meiste Zeit kann ich Blicke, Pfiffe, Kommentare ausblenden, aber manchmal bricht das alles so über mich herein, dass ich eigentlich um mich schlagen und nach Hause gehen möchte. Dann möchte ich keine "Komplimente" mehr aus vorbeifahrenden Autos zugebrüllt oder im Bus ins Ohr geflüstert bekommen, keine blöden Anmachen von Typen, die sich neben mich setzen, wenn ich mit meinem Sohn ein Eis esse. Ist das zuviel verlangt?


Selfie #2

Dafür geht es jetzt erst mal schön weiter. Nach dem Wochenende, das ich mit Bier, Sophisterei und, ach ja, Arbeit verbringe, ist die nächste Woche ganz der Uni gewidmet. Es gibt viel zu tun, zu lernen, zu arbeiten. Das macht mir tatsächlich viel Spaß, mindestens so viel wie ein Nachmittag mit Kind, manchmal mehr. So ein Nachmittag ohne Kind hat auch was für sich. Ab und zu.

Samstag, 28. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #21

Und wieder fängt der Sommer an, und ich versuche mich als Gärtnerin. Vielleicht ist ja dieses Jahr mein Glücksjahr - bis jetzt zumindest sehen Tomate und Kürbis noch ganz lebendig aus. In den letzten Jahren war es damit relativ schnell vorbei. Dieses Jahr werde ich die Tomaten nicht auf dem Balkon aussetzen, sondern auf dem etwas sonnigeren Fensterbrett. Vielleicht hilft das ja. Und ansonsten hab ich immer noch meine Erdbeeren, die zuverlässig wie jedes Jahr ihre drei Früchte tragen...

Dann habe ich das erste Mal im Leben meinen Schlüssel vergessen. Ehrlich, ich habe schon alles vergessen und verloren, was es zu vergessen und verlieren gibt, aber niemals niemals meinen Schlüssel. Dummerweise an dem Tag, an dem Herr M. früher auf Arbeit musste, also musste ich eine Odyssee quer durch Leipzig absolvieren und aus lauter Frust und Zeitnot Currywurst mit Pommes zum Mittag essen. Es war schrecklich.





So sieht das aus, wenn ich einen "freien" Tag habe - ich bringe meinen Shit in Ordnung, lerne ein bisschen, esse nebenbei, trinke viel zu viel Kaffee und im Hintergrund läuft (hier unsichtbar) der Fernseher als Geräuschkulisse. Gut, dass mein Kind das nicht weiß.

Sonntag, 22. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #20

Endlich mal eine gute Woche, fast schon entspannt, mit guten Nachrichten und innerer Ausgeglichenheit. Dafür kommt der Samstagskaffee viel zu spät. Aber davon werd ich mir jetzt nicht die Laune verderben lassen.


Voll badass. Das Foto, das wir unserem Sohn später zeigen, um zu beweisen, dass wir auch mal cool waren. Damals.

Wie ich schon mehrmals sagte, sind Historiker nicht die, die mit vollen Stundenplänen und Arbeitspensum glänzen. Und so gönnen sie sich, neben dem späten Semesterbeginn und Seminaren, in denen locker diskutiert und mittendrin Kaffee ausgeschenkt wird, auch eine einwöchige Pfingstpause.

Das ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht man nur, wenn man mittendrin sitzt: Um entspannt zu diskutieren, braucht man Wissen und ein stabiles Faktengerüst, man muss mitdenken und den Faden behalten, Fachbegriffe und Namen kennen, und, ganz wichtig, immer wissen, wer gerade Kaiser, König, Kurfürst ist. Das Pensum ist nur auf dem Papier klein, praktisch verbringt man noch einmal doppelt so viel Zeit damit, zu lesen, und zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Latein. Wahlbereichsstudenten, die nicht aus der Geschichte kommen, sagen hinterher ganz atemlos, sie hätten irgendwann gar nichts mehr verstanden, und ob es nicht ein Buch gibt, wo alles Wichtige drinsteht.

Und so ist auch die Pfingstpause throretisch Lektürepause, in der der fleißige Historiker Zeit hat, all die Zusatzlektüre, die er am Anfang des Semesters empfohlen bekam, pro Modul so zehn bis zwanzig Bücher, in der Albertina durchzuackern. Keine Angst, macht keiner. Und wenn, dann schauen wir uns das Inhaltsverzeichnis an und trinken zur Belohnung ein Bier im Park.

Die Tabletten, die man meinen Füßen verschrieben hat, wirken, zumindest gehen die Schmerzen zurück, und anders als die Packungsbeilage verspricht, merke ich keine Nebenwirkungen, obwohl ich mich schon auf Halluzinationen und Adrenalinschübe gefreut ("gelegentlich") und ein bisschen Angst vor Ausschlag und Nesselsucht ("häufig") und Magenschmerzen mit blutigem Durchfall ("sehr häufig") hatte. Krasses Zeug, das. Aber vielleicht kommt das noch - und ich bin plötzlich nicht mehr Freundin und Mutter, sondern Manuel Neuer.

Dann ein Glücksmoment: Meine Hausarbeit, die mich Anfang des Jahres auf Trab gehalten und an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil plötzlich alles schief ging, die These sich als falsch und stundenlange Archivarbeit als umsonst entpuppte - diese Hausarbeit wurde mit meiner ersten glatten 1,0 bewertet. Kann man ein bisschen stolz sein. Finde ich.

Und damit das (professionelle) Glück nicht abreißt, habe ich meinen 5-Jahresplan überarbeitet. Ich mag Pläne. Pläne sind super. Meine Planerei sorgt dafür, dass ich weiß, wer und wo ich bin, dass mein Kind regelmäßig isst und ich halbwegs vorankomme im Studium. Ich glaube, das Chaos, das mein Leben früher war, kann sich niemand vorstellen. Der 5-Jahresplan jedenfalls läuft schon seit meinem 25. Geburtstag. Niemand außer mir wird ihn jemals zu Gesicht bekommen. Aber er funktioniert. Ich habe mir einfach für jedes Jahr ein Ziel gesteckt, zwei Zwischenziele festgelegt, die ich im Blick behalten kann, und kann jetzt die Frage "Wo sehe ich mich in fünf Jahren?" relativ genau beantworten. Nämlich auf der Party zu meinem 30. Geburtstag. Wer mir diesen Post 2020 ausgedruckt auf den Tisch knallt und dazu "Rosebud" murmelt, ist automatisch eingeladen, muss aber Salzstangen mitbringen. Und ein Pony.

Dienstag, 17. Mai 2016

Gut zu Fuß!



Oder eben auch nicht. Meinen Füßen, diesen Plagen, die mir und anderen Frauen meiner Familie damals mithilfe von Rattenblut und nackten Tänzen in Vollmondnächten von einer alten buckligen Frau mit Hakennase und Vollbart angehext wurden, damit wir nicht zuuuu schön würden (ähem ähem), geht es gar nicht gut. Sie wurden diese Woche nicht nur von zwei Vierjährigen als "voll hässlich und schief" bezeichnet (Nie wieder barfuß im Sandkasten!), sondern auch wegen meiner Laufschwierigkeiten der letzten Monate zum Arzt geschleppt, der sie mit entsetztem Blick und auch ein bisschen Anerkennung ("Solche Füße, in so jungen Jahren!") zum Chirurgen schickte, wo man ihnen demnächst noch mehr Aufmerksamkeit schenken und sie hoffentlich erfolgreich behandeln wird.

Was mir im Moment die meisten Sorgen macht, ist, dass ich so nicht arbeiten kann und sich das diesen Monat ziemlich deutlich aufs Konto auswirken wird. Sehr unschön.
Samstag, 7. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #19

Diese Woche ging so richtig schön scheiße los. Das schöne Wetter, bei Gastronomen gemeinhin voller Freude (Chef) oder Schrecken (alle, die arbeiten) "Freisitzwetter" genannt, lockte die Menschen genau dahin: Auf den Freisitz, diese Ur-Leipziger Einrichtung, um die blassen Sonnenbrillengesichter in die Wärme zu halten und dabei Soja-Latte Macchiato mit Zimtaroma zu trinken. Nicht, dass ich ihnen das nicht gönne. Für meine Kollegen und mich hieß das aber, ein ganzes Wochenende im Dauerlauf zu verbringen.

Dabei haben, nach sechsundzwanzig Jahren einer innigen Hassliebe, meine Füße den Dienst quittiert. In den letzten Wochen hatte ich schon manchmal Probleme beim Laufen, das aber auf die neuen Turnschuhe geschoben, denn in den meisten anderen, auch den berüchtigten zwölf-Zentimeter-Glitzer-Highheels, konnte ich normal gehen. Das war am Sonntag vorbei - von einer Sekunde zur nächsten hatte ich höllische Schmerzen in beiden Fersen, jeder Schritt war, um es mit Hans Christian Andersen zu sagen, als ob ich "auf spitzige Nadeln und scharfe Messer träte". Da ich niemanden im Stich lassen wollte, habe ich so gut es ging weitergearbeitet, und mein Kollege hat sein Bestes getan, mich zu entlasten.

Nunja, seitdem kann ich nicht mehr laufen, und tue es trotzdem, weil das Kind ja trotzdem zur Tagesmutter und zurück nach Hause muss, ich ja trotzdem Seminare habe und und und. Jeder, der mir rät, ich solle "mal die Füße hochlegen", darf gerne all das übernehmen, oder für immer schweigen.

Ansonsten habe ich sehr auf das Wochenende hingefiebert - der Samstag, an dem dieser Text erscheint, war eigentlich für einen Kurztrip zu Verwandten geplant, der aber kurzfristig abgesagt wurde, und wird damit der erste freie Samstag, den wir dieses Jahr zur Verfügung haben. Das erste freie (verlängerte!) Wochenende! Erst wollten wir stattdessen irgendetwas anderes unternehmen - Tagesausflug, Ikeabesuch, endlich mal das Kinderzimmer einräumen, mein vage angekündigtes Bauprojekt starten, irgendetwas Spannendes. Aber eigentlich möchte ich einfach nur drei Tage lang mit Kühlakkus am Knöchel auf dem Balkon sitzen, Cider trinken und den Bienchen und Blümchen und meinem Kind auf dem Dreirad zusehen.




Lesenswert

Samstag, 30. April 2016

Samstagskaffee - Woche #18

Oben sieht man es schon ein bisschen: Es ist mal wieder Blogbastelzeit. Der Kaffeefleck auf dem ansonsten eher cleanen Header passt irgendwie sehr gut zu meinem Alltag gerade.

Apropos Kaffee: Ich finde einfach keine gute Kaffeesorte. Der letzte, den ich gekauft habe, war ein Totalreinfall, er war bitter, säuerlich und auch mit Milch verdünnt einfach nicht zu genießen. Mein Mann brachte mir dann eine Probe aus einer lokalen Leipziger Rösterei mit, der aber irgendwie einen Nachgeschmack von Spülmittel hatte. Also, ich möchte die kleinen tollen Röstereien hier (zum Beispiel die in meinem Viertel, die morgens immer so großartig riecht) ja unterstützen und bin immer dafür, lokal zu kaufen, und natürlich sind mir die ganzen Standards zu Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit und so weiter wichtig, ABER was nützt mir das, wenn der (logischerweise recht teure) Kaffee nicht schmeckt? Im Moment koste ich also bei allen Freunden, bei denen ich zu Besuch bin, ihren Kaffee.

Zeitmaschine


Ich wollte mein Schlafzimmer aufräumen. Und wie das so ist, wenn man aufräumt - nach nicht einmal zehn Minuten durchaus motivierten Regalanstarrens fiel mir meine Bildermappe aus der Grundschule in die Hände:


Schuleingang
Im Hintergrund der einzig stabile Teil unseres Hauses.
2. Klasse, hier in der Bildmitte.
Mit im Bild mein Schwarm, mit dem ich nie auch nur ein einziges Wort gewechselt habe.


Dann war meine Mutter da. Meine Mutter! Ich habe also Stunden in Putzen und Aufräumen investiert, auch wenn das Resultat wahrscheinlich nur mir auffiel. Es war trotzdem ein okayer Abend, und Söhnchen freute sich, ihr alle seine Automarken vorführen zu dürfen.

Lesenswert


  • Nach der sehr guten Legida-Reihe wagt sich die flohbu.de jetzt nach Dresden: #DD2504 - der Verweis auf Klemperers LTI kann hier nur noch mal nachdrücklichst wiederholt werden
  • Den Donnerstagsdiskurs der Uni im Live-Tweet kann man hier nachlesen - inkklusive des Rauscherschen Opfergehabes (fiel eigentlich das Wort "Lügenpresse" oder konnte er es drinbehalten?)
  • Wie ist das denn nun mit dem neuen Sexualstrafrecht? Schön zerpflückt und erklärt von Nicole bei kleinerdrei
  • Damit es nicht ganz so deprimierend ist: Heldenstadt hat die neuesten Leipzig-Blogs aufgelistet.

Wohin am Wochenende?


Heute ist Georg-Schwarz-Straßenfest! Geht vor die Tür, es soll schönes Wetter werden.
Ältere Posts
Design und Inhalt © Morjanne | 2015