Samstag, 19. November 2016
Dieses Jahr hat mich der Herbst-Blues frontal erwischt. Eigentlich mag ich Herbst, ich mag die trübe Stimmung und die abfallenden Temperaturen, die bunten Blätter und den erdigen Geruch in der Luft. Der Lichtmangel hat mir noch nie etwas ausgemacht, eigentlich mochte ich es bisher auch, nur im Kerzenschein am Esstisch zu sitzen oder nach der Arbeit durch die Dunkelheit nach Hause zu radeln.
Dieses Jahr aber wurde mit dem Tageslicht auch meine Stimmung düsterer, ich schlafe schlecht, kann mich kaum motivieren, möchte mich am liebsten von Schokolade ernähren und den ganzen Tag auf dem Sofa vergammeln, wo ich dann vor mich hinbrüte und mich ärgere, dass ich so nutzlos und faul bin.
Dazu kommt die Gereiztheit. Ich bin kein besonders emotionaler Mensch und hasse nichts mehr als Leute, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Zur Zeit allerdings fällt mir das deutlich schwerer als sonst, ich könnte bei Kleinigkeiten explodieren und reagiere auf jede noch so winzige Provokation. Unnötig zu erwähnen, dass da ein Dreijähriger mit verbal zelebrierter analer Phase nicht direkt der beste Umgang ist.
Zu saisonalen Depressionen gibt es allerlei Forschung und Meinung, angeblich soll Lichttherapie oder gar Solarium helfen. Mir persönlich würde vermutlich am meisten helfen, wenn ich irgendwann mal wieder gesund wäre, jemand meine Wohnung putzen würde und sich mein Konto auf magische Art und Weise im Plus halten könnte. Und dann könnte 2016 auch aufhören, einfach nur immer beschissener zu werden und einen großen Menschen nach dem anderen zu killen. Ich habe ehrlich Angst um Bob Dylan.
Und die Arbeit?
Läuft, läuft. Ich habe bald bessere Schichten, mehr Stunden und mehr Geld. Das verdanke ich ironischerweise einer Kollegin, die aufhört, weil sie - man höre und staune - eine Stelle als Historikerin gefunden hat und nicht mehr kellnern muss. Wunder geschehen, people, es ist nicht alles verloren. Jetzt übernehme ich also ihre Muttischicht unter der Woche, und gebe dafür die Bar am Wochenende ab.
Ein bisschen werde ich die Sonntagsfrühstücker vermissen, das ist schon eine sehr eigene Stimmung. Andererseits sollte jeder, der sonntags Punkt zehn frühstücken geht und sich die Nase an Fensterscheiben des Restaurants plattdrückt, während die Angestellten doch nur in Ruhe ihren Kaffee austrinken wollen, bis die doofen Gäste reingelassen werden müssen, einen grausamen Kältetod sterben, aber das ist wohl nur wieder dieser Pessimismus, der mir ständig unterstellt wird. Wenigstens mein Kollege ist traurig, dass er jetzt sonntags nicht mehr meine schlechten Witze hören darf, und sucht nach einem passenden Ersatz, der ihn wegen seiner Herkunft (Baden-Württemberg) diskriminiert.
Und die Uni?
Läuft, läuft. Ich versuche mich in Themen für meine Bachelorarbeit einzulesen, mit dem Erfolg, dass die Fragestellungen immer mehr und immer differenzierter werden, aber gleichzeitig sind alle Ansätze so furchtbar spannend, dass ich mich immer weniger für nur einen entscheiden kann. Es ist nicht immer leicht.
Samstag, 23. Juli 2016
Auch diese Woche mache ich einen Bogen um all die furchtbaren Nachrichten in der Welt - wenn diese Würstchen eines bereits genug haben, dann doch Aufmerksamkeit. Davon abgesehen hasse ich Spekulationen. Und Idioten sowieso.
Diese Woche waren Herr F. und ich am Cospudener See. Die letzte Woche Urlaub der Tagesmutter neigt sich dem Ende zu. Darauf folgt die letzte Woche mit der Tagesmutter überhaupt, bevor es heißt: Kindergarten Ahoi! Wer weiß, was uns da erwartet. Ich hoffe auf Sauberwerden und Abschied vom Schnuller.
Schnell verlinkt
- Ein sehr interessanter und lesenswerter FAZ-Kommentar: Es braucht mehr Religion, um Extremismus zu bekämpfen.
- Der Unister-Prozess hat mich schon interessiert, und was jetzt nach dem Absturz von Thomas Wagner abgeht, erst recht: Was in Venedig wirklich geschah - eine Rekonstruktion.
- Nochmal die FAZ, aber von einer Gastkommentatorin: Die Grünen-Abgeordnete Kerstin Andrae dazu, warum eine Vermögenssteuer nicht hilft, Ungleichheit zu bekämpfen.
- In Bayern wurde eine Klapperschlange mit zwei Köpfen geboren. Ein Omen!
- Und zu guter Letzt das haltlose Gejammer einer Studentin, das ich langsam nicht mehr hören kann: Über den schlimmen, schlimmen Leistungsdruck an deutschen Universitäten. Das passiert, wenn man Papis Erzählungen aus seiner glorreichen Studentenzeit ernst nimmt und denkt, die Pubertät bis in die Zwanziger verlängern zu müssen. Nichts gegen Selbstfindung und Charakterbildung, im Gegenteil, aber dafür ist auch im Bologna-System genug Platz. Den meisten Druck machen sich immer noch Studenten selbst, und ihre Mittelschichtseltern, die Angst vor sozialen Abstiegen haben. Aber diese Paranoia und ihre seltsamen Blüten sind wahrscheinlich mal einen eigenen Eintrag wert.
Samstag, 16. Juli 2016
Hiobsbotschaften - schnell und bequem verfügbar am Frühstückstisch. Wenn ich morgens aufstehe, lese ich Nachrichten, und irgendwie macht das dieses Jahr so gar keinen Spaß. All die Toten, all die politischen Verwirrungen - die ganze Welt scheint 2016 unbedingt die Erde in die Luft jagen zu wollen.
Ich hatte eine nette Woche. Herr F. und ich waren in Merseburg, um uns den berühmten Dom anzusehen. Und eine der ältesten Städte Mitteldeutschlands. Gemütlich war es, und eine Bratwurst auf Kleinstadtmarktplätzen in wackeligen Klappstühlen lässt immer irgendwie Urlaubsfeeling aufkommen.
Und jetzt: Heute ist CSD. Geht raus! Geht feiern! Bringt ein bisschen Farbe in den Trübsinn!
Montag, 4. Juli 2016
Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das jeder studentische Elternteil kennt und fürchtet. Jedes Semester wieder hoffen alle, dass sie diesmal verschont bleiben und der Kelch an ihnen vorbeigeht, aber das Leben ist hart und unerbittlich, und deswegen heißt es auch jetzt: Pünktlich zur Prüfungszeit werden Tagesmütter, Kindergärtnerinnen und/oder die Kinder selbst krank.
In den letzten drei Semestern, und auch dieses, hat es mich erwischt, dass ich plötzlich, statt zu lernen, ein quietschfideles Kleinkind zu bespaßen hatte, während die Tagesmutter irgendeinen fiesen Keim auskurierte. Letztes Jahr fiel die Prüfungswoche ausgerechnet mit dem Ferienbeginn zusammen, an dem sie sich frei nehmen musste, um ihre eigenen Kinder zu betreuen.
Jetzt sitze ich also zu Hause, kann mich schlecht konzentrieren, die Prüfungen rücken näher, die letzten Lehrveranstaltungen verstreichen ungehört, das Kind sortiert seine Kronkorkensammlung und möchte ständig Memory spielen.
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| (HBO) |
Dann habe ich endlich die sechste Staffel Game of Thrones angefangen. Ich bin so ein furchtbar ungeduldiger Mensch. Ironischerweise so ungeduldig, dass ich immer warte, bis eine Staffel vollständig erschienen ist, um nicht nach jeder Folge eine Woche warten zu müssen. Da gefühlt 150% meiner Freunde GoT-Fans sind, waren Spoiler echt schwer zu vermeiden. Aber es hat sich gelohnt - zehn Folgen in nur drei Abenden, und was für Folgen! Was für ein Gemetzel! Großartig. Die Bücher und die Serie sind auf so viele Arten und Weisen bahnbrechend, alles, was jemals wieder im Fantasy-Bereich gemacht wird, muss sich daran messen lassen. Ich bin immer wieder froh, in so einer großartigen Zeit zu leben.
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| Mittagspause! |
Und dann erscheint dieser Post ja auch am 4. Juli. Das ist nicht nur für Amerikaner ein Grund zum Feiern, sondern auch für mich und meine Kollegen - das Kaiserbad wird genau ein Jahr alt. Bei der Eröffnung habe ich auch gearbeitet, bin also quasi seit Stunde 0 dabei und werde es wohl auch hoffentlich noch eine Weile bleiben.
Und jetzt: Prüfungszeit!
Montag, 27. Juni 2016
Heute ist gar nicht Samstag, werden Sie empört ausrufen, heute ist Montag! Und Sie haben Recht, Sie Fuchs, Sie. Und das da ist auch kein Kaffee, sondern Erdbeerlikör!
Die Woche, ach was, die letzten zwei Wochen waren einfach zu schnell vorbei, und zu viel schwirrte mir um den Kopf, worüber ich mir Gedanken machen muss(te). Von meinem eigenen Shit abgesehen hat mich auch das Brexit-Votum nicht ganz kalt gelassen, zumal ich in den letzten Monaten VWL-Schlüsselqualifikationsmodul auch ein paar Zusammenhänge besser verstanden habe und mittlerweile die Wirtschaftsnachrichten lesen kann, ohne jedes zweite Wort nachzuschlagen. Erfolgserlebnisse allerorten!
Der kleine Basilikum hat sich gut gemacht, und auch der Rest des Fensterbrett-Gemüsegartens wächst und gedeiht. Auch wenn sich der Kürbis als Chauvi erweist und ausschließlich männliche Blüten produziert. Aber ich habe ihn auch nicht gekauft, um dann orangene Riesen vor dem Fenster liegen zu haben. Die Tomate dagegen verträgt Standort und Pflege erstaunlich gut und produziert fleißig grüne Knubbels. Wenn die sich als essbar erweisen sollten, erweitere ich das Nutzpflanzenabteil nächstes Jahr noch um eine weitere Tomate und vielleicht auch einen kleinen Paprika. In mir wohnt eben doch ein kleiner Öko. Apropos:
Ich hatte dieses Jahr nicht viel Lust, handzuarbeiten. Diese Woche allerdings hatte ich wieder mehrere Abende, an denen ich nichts Sinnvolles mehr tun oder denken, sondern nur noch meine Ruhe wollte. Dabei habe ich ein bisschen vor mich hin gehäkelt, größtenteils improvisiert, inspiriert von Pinterest. Noch sieht es aus wie etwas, das sich alte Damen auf die Sofalehne legen, aber bald soll es meinen Oberkörper schmücken.
Samstag, 11. Juni 2016
Basilikum, Basiliki, Basiliko - es sprießt auf der Fensterbank. Basilikum ist ja bekanntermaßen eine kleine Mimose, also halten sich die Erwartungen in Grenzen. Aber schauen wir mal, wie's weitergeht. Die Tomate daneben blüht auch schon. Wie aufregend.
Wenn dieser Text erscheint, bin ich gerade in Berlin und schaue mir Dinosaurierskelette an. Nach meinem unsanft von Magen-Darm-Kram beendeten Ostern ist das mein zweiter sowas-wie-Urlaub dieses Jahr. Der dritte und letzte kommt im August, wenn ich meiner Schwester in Hamburg beistehe. Mein dritter Hamburgbesuch, und diesmal sehe ich vielleicht sogar mal was von der Stadt. Die letzten Male bin ich betrunken U-Bahn gefahren. Auch schön.
In Berlin war ich erst einmal, und die Stadt ist mir nicht besonders sympathisch, aber auch Schwiegerväter wollen mal besucht werden, und der kleine Herr F. freut sich wahnsinnig auf das einzig vollständig erhaltene T-Rex-Skelett Europas, das dort gerade im Museum steht. Und gerade an Museen hat die Stadt ja einiges zu bieten, sodass ich mich gar nicht weiter mit den Berlinern abgeben muss. Auch wenn in meiner letzten Hausarbeit wenig schmeichelhafte Dinge über die Deutschen und ihre neurotische Sehnsucht nach Zentralismus zitiert wurden, aus der nach Theorie des Autors die Museumsinsel hervorgegangen ist. Manchmal merke ich mir gar, was ich lese, normalerweise, um es irgendwann an völlig unpassenden Stellen einzuflechten. Apropos Hausarbeit: Auch dieses Semester muss ich wieder eine schrieben, diesmal geht es um das Marktprivileg in Leipzig. Ich finde ja, Regionalgeschichte wird unterschätzt. Manchmal muss man es eben auch anfassen können.
Und dann habe ich wieder einmal meinen Kleiderschrank aussortiert, diesmal noch rigoroser. Ich hatte mir vor ein paar Wochen eine Kleiderstange gekauft, auf der demnächst alle meine Kleider und Blusen hängen dürfen, denn eigentlich bin ich ein großer Fan von offenen Kleiderschränken. Der jetzige ist auch offen, hat aber nur eine kleine Stange, sodass die Kleider immer knittern. Stattdessen wird dort jetzt mehr Bettwäsche und Decken gelagert. Wieder ein winziges Stückchen Ordnung mehr - es sind die kleinen Dinge im Alltag, die mich beglücken.
Wie zum Beispiel dieses Kleid. Ignorieren Sie den Giraffenhals. Keine Ahnung, was da passiert ist. Das Kleid ist toll, habe ich festgestellt.
Samstag, 4. Juni 2016
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| Selfie #1 |
Diese Woche war... durchwachsen. So unnötig anstrengend. Und Pickel hat'se auch. Meh.
Am Dienstag habe ich versehentlich meinen Kollegen mit einer unschönen Geste bedacht. Er hatte mich auf der Straße gesehen, und gehupt, um zu fragen, ob er mich mitnehmen soll. Das war einer dieser Tage, die es manchmal im Sommer gibt, einer dieser Tage, bei denen ich das Gefühl habe, alle (Männer) um mich herum sind verrückt geworden, haben jegliche Selbstachtung und Menschlichkeit verloren, einer von diesen Tagen, an denen ich abends vor dem Spiegel stehe und überlege, ob ich da nicht einfach nur ein bisschen zu empfindlich bin.
Kurzum: Er war der fünfte oder sechste, der an diesem speziellen Nachmittag, und das nur auf dem Weg zur Tagesmutter, beschlossen hatte, mir hinterher zu hupen, und ich hatte mittlerweile so die Nase voll, dass ich einfach nur den Finger hob und weiterging. Die meiste Zeit kann ich Blicke, Pfiffe, Kommentare ausblenden, aber manchmal bricht das alles so über mich herein, dass ich eigentlich um mich schlagen und nach Hause gehen möchte. Dann möchte ich keine "Komplimente" mehr aus vorbeifahrenden Autos zugebrüllt oder im Bus ins Ohr geflüstert bekommen, keine blöden Anmachen von Typen, die sich neben mich setzen, wenn ich mit meinem Sohn ein Eis esse. Ist das zuviel verlangt?
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| Selfie #2 |
Dafür geht es jetzt erst mal schön weiter. Nach dem Wochenende, das ich mit Bier, Sophisterei und, ach ja, Arbeit verbringe, ist die nächste Woche ganz der Uni gewidmet. Es gibt viel zu tun, zu lernen, zu arbeiten. Das macht mir tatsächlich viel Spaß, mindestens so viel wie ein Nachmittag mit Kind, manchmal mehr. So ein Nachmittag ohne Kind hat auch was für sich. Ab und zu.
Samstag, 28. Mai 2016
Und wieder fängt der Sommer an, und ich versuche mich als Gärtnerin. Vielleicht ist ja dieses Jahr mein Glücksjahr - bis jetzt zumindest sehen Tomate und Kürbis noch ganz lebendig aus. In den letzten Jahren war es damit relativ schnell vorbei. Dieses Jahr werde ich die Tomaten nicht auf dem Balkon aussetzen, sondern auf dem etwas sonnigeren Fensterbrett. Vielleicht hilft das ja. Und ansonsten hab ich immer noch meine Erdbeeren, die zuverlässig wie jedes Jahr ihre drei Früchte tragen...
Dann habe ich das erste Mal im Leben meinen Schlüssel vergessen. Ehrlich, ich habe schon alles vergessen und verloren, was es zu vergessen und verlieren gibt, aber niemals niemals meinen Schlüssel. Dummerweise an dem Tag, an dem Herr M. früher auf Arbeit musste, also musste ich eine Odyssee quer durch Leipzig absolvieren und aus lauter Frust und Zeitnot Currywurst mit Pommes zum Mittag essen. Es war schrecklich.
So sieht das aus, wenn ich einen "freien" Tag habe - ich bringe meinen Shit in Ordnung, lerne ein bisschen, esse nebenbei, trinke viel zu viel Kaffee und im Hintergrund läuft (hier unsichtbar) der Fernseher als Geräuschkulisse. Gut, dass mein Kind das nicht weiß.
Sonntag, 22. Mai 2016
Endlich mal eine gute Woche, fast schon entspannt, mit guten Nachrichten und innerer Ausgeglichenheit. Dafür kommt der Samstagskaffee viel zu spät. Aber davon werd ich mir jetzt nicht die Laune verderben lassen.
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| Voll badass. Das Foto, das wir unserem Sohn später zeigen, um zu beweisen, dass wir auch mal cool waren. Damals. |
Wie ich schon mehrmals sagte, sind Historiker nicht die, die mit vollen Stundenplänen und Arbeitspensum glänzen. Und so gönnen sie sich, neben dem späten Semesterbeginn und Seminaren, in denen locker diskutiert und mittendrin Kaffee ausgeschenkt wird, auch eine einwöchige Pfingstpause.
Das ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht man nur, wenn man mittendrin sitzt: Um entspannt zu diskutieren, braucht man Wissen und ein stabiles Faktengerüst, man muss mitdenken und den Faden behalten, Fachbegriffe und Namen kennen, und, ganz wichtig, immer wissen, wer gerade Kaiser, König, Kurfürst ist. Das Pensum ist nur auf dem Papier klein, praktisch verbringt man noch einmal doppelt so viel Zeit damit, zu lesen, und zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Latein. Wahlbereichsstudenten, die nicht aus der Geschichte kommen, sagen hinterher ganz atemlos, sie hätten irgendwann gar nichts mehr verstanden, und ob es nicht ein Buch gibt, wo alles Wichtige drinsteht.
Und so ist auch die Pfingstpause throretisch Lektürepause, in der der fleißige Historiker Zeit hat, all die Zusatzlektüre, die er am Anfang des Semesters empfohlen bekam, pro Modul so zehn bis zwanzig Bücher, in der Albertina durchzuackern. Keine Angst, macht keiner. Und wenn, dann schauen wir uns das Inhaltsverzeichnis an und trinken zur Belohnung ein Bier im Park.
Die Tabletten, die man meinen Füßen verschrieben hat, wirken, zumindest gehen die Schmerzen zurück, und anders als die Packungsbeilage verspricht, merke ich keine Nebenwirkungen, obwohl ich mich schon auf Halluzinationen und Adrenalinschübe gefreut ("gelegentlich") und ein bisschen Angst vor Ausschlag und Nesselsucht ("häufig") und Magenschmerzen mit blutigem Durchfall ("sehr häufig") hatte. Krasses Zeug, das. Aber vielleicht kommt das noch - und ich bin plötzlich nicht mehr Freundin und Mutter, sondern Manuel Neuer.
Dann ein Glücksmoment: Meine Hausarbeit, die mich Anfang des Jahres auf Trab gehalten und an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil plötzlich alles schief ging, die These sich als falsch und stundenlange Archivarbeit als umsonst entpuppte - diese Hausarbeit wurde mit meiner ersten glatten 1,0 bewertet. Kann man ein bisschen stolz sein. Finde ich.
Und damit das (professionelle) Glück nicht abreißt, habe ich meinen 5-Jahresplan überarbeitet. Ich mag Pläne. Pläne sind super. Meine Planerei sorgt dafür, dass ich weiß, wer und wo ich bin, dass mein Kind regelmäßig isst und ich halbwegs vorankomme im Studium. Ich glaube, das Chaos, das mein Leben früher war, kann sich niemand vorstellen. Der 5-Jahresplan jedenfalls läuft schon seit meinem 25. Geburtstag. Niemand außer mir wird ihn jemals zu Gesicht bekommen. Aber er funktioniert. Ich habe mir einfach für jedes Jahr ein Ziel gesteckt, zwei Zwischenziele festgelegt, die ich im Blick behalten kann, und kann jetzt die Frage "Wo sehe ich mich in fünf Jahren?" relativ genau beantworten. Nämlich auf der Party zu meinem 30. Geburtstag. Wer mir diesen Post 2020 ausgedruckt auf den Tisch knallt und dazu "Rosebud" murmelt, ist automatisch eingeladen, muss aber Salzstangen mitbringen. Und ein Pony.
Samstag, 7. Mai 2016
Diese Woche ging so richtig schön scheiße los. Das schöne Wetter, bei Gastronomen gemeinhin voller Freude (Chef) oder Schrecken (alle, die arbeiten) "Freisitzwetter" genannt, lockte die Menschen genau dahin: Auf den Freisitz, diese Ur-Leipziger Einrichtung, um die blassen Sonnenbrillengesichter in die Wärme zu halten und dabei Soja-Latte Macchiato mit Zimtaroma zu trinken. Nicht, dass ich ihnen das nicht gönne. Für meine Kollegen und mich hieß das aber, ein ganzes Wochenende im Dauerlauf zu verbringen.
Dabei haben, nach sechsundzwanzig Jahren einer innigen Hassliebe, meine Füße den Dienst quittiert. In den letzten Wochen hatte ich schon manchmal Probleme beim Laufen, das aber auf die neuen Turnschuhe geschoben, denn in den meisten anderen, auch den berüchtigten zwölf-Zentimeter-Glitzer-Highheels, konnte ich normal gehen. Das war am Sonntag vorbei - von einer Sekunde zur nächsten hatte ich höllische Schmerzen in beiden Fersen, jeder Schritt war, um es mit Hans Christian Andersen zu sagen, als ob ich "auf spitzige Nadeln und scharfe Messer träte". Da ich niemanden im Stich lassen wollte, habe ich so gut es ging weitergearbeitet, und mein Kollege hat sein Bestes getan, mich zu entlasten.
Nunja, seitdem kann ich nicht mehr laufen, und tue es trotzdem, weil das Kind ja trotzdem zur Tagesmutter und zurück nach Hause muss, ich ja trotzdem Seminare habe und und und. Jeder, der mir rät, ich solle "mal die Füße hochlegen", darf gerne all das übernehmen, oder für immer schweigen.
Ansonsten habe ich sehr auf das Wochenende hingefiebert - der Samstag, an dem dieser Text erscheint, war eigentlich für einen Kurztrip zu Verwandten geplant, der aber kurzfristig abgesagt wurde, und wird damit der erste freie Samstag, den wir dieses Jahr zur Verfügung haben. Das erste freie (verlängerte!) Wochenende! Erst wollten wir stattdessen irgendetwas anderes unternehmen - Tagesausflug, Ikeabesuch, endlich mal das Kinderzimmer einräumen, mein vage angekündigtes Bauprojekt starten, irgendetwas Spannendes. Aber eigentlich möchte ich einfach nur drei Tage lang mit Kühlakkus am Knöchel auf dem Balkon sitzen, Cider trinken und den Bienchen und Blümchen und meinem Kind auf dem Dreirad zusehen.
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Samstag, 30. April 2016
Oben sieht man es schon ein bisschen: Es ist mal wieder Blogbastelzeit. Der Kaffeefleck auf dem ansonsten eher cleanen Header passt irgendwie sehr gut zu meinem Alltag gerade.
Apropos Kaffee: Ich finde einfach keine gute Kaffeesorte. Der letzte, den ich gekauft habe, war ein Totalreinfall, er war bitter, säuerlich und auch mit Milch verdünnt einfach nicht zu genießen. Mein Mann brachte mir dann eine Probe aus einer lokalen Leipziger Rösterei mit, der aber irgendwie einen Nachgeschmack von Spülmittel hatte. Also, ich möchte die kleinen tollen Röstereien hier (zum Beispiel die in meinem Viertel, die morgens immer so großartig riecht) ja unterstützen und bin immer dafür, lokal zu kaufen, und natürlich sind mir die ganzen Standards zu Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit und so weiter wichtig, ABER was nützt mir das, wenn der (logischerweise recht teure) Kaffee nicht schmeckt? Im Moment koste ich also bei allen Freunden, bei denen ich zu Besuch bin, ihren Kaffee.
Zeitmaschine
Ich wollte mein Schlafzimmer aufräumen. Und wie das so ist, wenn man aufräumt - nach nicht einmal zehn Minuten durchaus motivierten Regalanstarrens fiel mir meine Bildermappe aus der Grundschule in die Hände:
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Schuleingang
Im Hintergrund der einzig stabile Teil unseres Hauses.
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2. Klasse, hier in der Bildmitte.
Mit im Bild mein Schwarm, mit dem ich nie auch nur ein einziges Wort gewechselt habe.
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Dann war meine Mutter da. Meine Mutter! Ich habe also Stunden in Putzen und Aufräumen investiert, auch wenn das Resultat wahrscheinlich nur mir auffiel. Es war trotzdem ein okayer Abend, und Söhnchen freute sich, ihr alle seine Automarken vorführen zu dürfen.
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- Nach der sehr guten Legida-Reihe wagt sich die flohbu.de jetzt nach Dresden: #DD2504 - der Verweis auf Klemperers LTI kann hier nur noch mal nachdrücklichst wiederholt werden
- Den Donnerstagsdiskurs der Uni im Live-Tweet kann man hier nachlesen - inkklusive des Rauscherschen Opfergehabes (fiel eigentlich das Wort "Lügenpresse" oder konnte er es drinbehalten?)
- Wie ist das denn nun mit dem neuen Sexualstrafrecht? Schön zerpflückt und erklärt von Nicole bei kleinerdrei
- Damit es nicht ganz so deprimierend ist: Heldenstadt hat die neuesten Leipzig-Blogs aufgelistet.
Wohin am Wochenende?
Heute ist Georg-Schwarz-Straßenfest! Geht vor die Tür, es soll schönes Wetter werden.
Sonntag, 17. April 2016
Der Samstagskaffee kommt heute verspätet, und ganz ohne Kaffee. Dafür gibt es Halsschmerzen und schlappe Knochen. Die letzten Tage waren wohl ein bisschen viel für mich, und anders als sonst, wenn ich kränkel, mach ich eine Pause und versuche nicht, irgendwie durchzukommen.
Also, schnöde Welt, ich lümmel mich heute auf das Sofa, lese Kinderbücher vor und schlürfe Tee und erledige wahrscheinlich am Ende trotzdem wieder Wäsche und Haushalt.
Samstag, 9. April 2016
Ich weiß, das sage ich jede Woche, aber: Was für eine Woche!
Die Uni fing gleich an meinem Geburtstag an, nebenbei habe ich versucht, diese vermaledeite Hausarbeit fertigzubekommen, und wurde dabei von meinem kotzenden Kleinkind sabotiert. Ich habe glaub ich schon mal angemerkt, was für eine Freude es ist, mitten in der Nacht von einem Schwall Erbrochenem geweckt zu werden. Das Ganze aller zwei Stunden eine ganze Nacht lang macht noch tausendmal mehr Spaß. Morgens saß ich dann wieder in der Vorlesung, die Gott sei Dank spannend genug war, mich wach und bei der Stange zu halten. Der Dozent hat einen großartigen Humor und sehr viel Begeisterung für sein Fach, und das ist rar. Die VWLer schaffen es also doch, mich zu überraschen.
Ich habe ja schon mal geschrieben, dass Sommersemester immer spannender, planbarer und angenehmer sind als Wintersemester. Das setzt sich gerade fort, ich bin mit all meinen Kursen vollauf zufrieden und überall zuversichtlich. Auch das Einschreiben in die Bergbaugeschichte hat mittlerweile funktioniert, nachdem die beiden Verantwortlichen abwechselnd im Urlaub und krank waren und wochenlang von mir genervt wurden. Läuft!
Der Kindermagen hat sich mittlerweile wieder beruhigt - wir sind uns noch uneinig, ob nun ein Keim oder einfach nur die strenge Diät aus Gewürzgurken und Salami mit Senf, die er zur Zeit pflegt, Schuld tragen. Wahrscheinlich eine ungesunde Kombination.
What else is new?
Die Innenstadt ist im Wandel, was mir diese Woche besonders auffiel. Sowohl der 1-Euro-Laden auf der Hainstraße als auch eines der MäcGeize waren plötzlich weg, weswegen ich über 3€ für einen 160-Blatt-Block bei Galeria bezahlen musste und immer noch empört bin. Dafür hat jetzt auch Leipzig eine fucking Primark-Filiale, die zum Eröffnungstag nicht so überrannt wurde wie gehofft und bisher anderswo immer eingetreten, dafür aber gleich von Protesten begrüßt wurde. Läuft auch hier. Manchmal mag ich Leipzig.
Wer immer noch nicht weiß, warum Primark definitiv nicht unterstützenswert ist, dem sei
dieser kurze Film ans Herz gelegt. Auch wenn es Stimmen gibt, die es verlogen nennen, Primark zu brandmarken und dann bei H&M zu kaufen - das ist in meinen Augen ein Unterschied. Bei H&M erkenne zumindest ich in meiner Gutherzigkeit immer den Versuch, sich Stückchen für Stückchen zu bessern, sich millimeterweise einer faireren Marke zu nähern. Bei Primark fehlt mir das komplett, und da ich Wegwerfmentalität noch nie leiden konnte, ist mir auch das egal-ob-es-nur-eine-Wäsche-hält-war-ja-billig zuwider. Meine H&M-Shirts sind zum Teil fünf Jahre alt und halten immer noch wöchentlichem Gebrauch stand, und der Preis von 6,99€ für ein Shirt aus Bio-Baumwolle kann ja nun wirklich nicht zu hoch sein. In Sachen fairer Produktion hat natürlich jede Kette Nachholbedarf, immer, und das ist einer der Gründe, warum ich mittlerweile kaum noch shoppen gehe. Aber dazu vielleicht ein andermal.
Samstag, 2. April 2016
Andere bringen von Kurztrips nach Görlitz Kippen mit, oder Bunzlauer Keramik, oder zumindest Touristenfotos vom Flüsterbogen und dem Schuhladen, in dem Kate Winslet damals Schuhe kaufte.
Ich bringe Magen-Darm. Auch schön.
Ansonsten war es sehr nett, meine Schwestern und Familie zu sehen, auch wenn sechs Kinder zwischen 1 und 11 Jahren sehr anstrengend sein können, vor allem wenn eines davon (m)ein kleiner Traumtänzer ist, der sich von jedem Blümchen am Wegesrand ablenken lässt, der Rest eher Draufgänger, die vorausstürmen und die Älteste still und leise vor sich hin pubertiert, ohne so recht zu wissen, wohin mit sich. Dazwischen wurde gelästert, verhört, getrunken und gewettet.
Was mir wie jedes Mal auch diesmal wieder auffiel, war, dass Görlitz quasi außerhalb jeder gewohnten Zivilisation liegt. Einen Tag hat man nur polnisches Netz, einen Tag gar keines, und stolpert man zufällig über einen W-Lan-Hotspot, kramen alle panisch ihre Handys heraus, um wenigstens die neuesten Nachrichten zu laden. Oh Gott, ein W-Lan, schnell, bevor es davongaloppiert! Falls es jemandem ähnlich gehen sollte: Am Dicken Turm gibt es dreißig Minuten am Tag für umsonst, und während wir Erwachsenen (haha. Dass ich das mal sagen würde.) auf den Bänken in der Sonne saßen und uns Fetzen von Neuigkeiten zuriefen, die Pubertantin WhatsApp-Nachrichten von ihrem Freund las und der junggebliebene Familienvater Geocaches jagen ging, begutachtete mein Söhnchen die Blumenrabatten und alle anderen Kinder turnten im Brunnen herum. Sonntagsidylle pur.
Der Montag brachte, wie gesagt, Magen-Darm, Schweißausbrüche, Krämpfe und andere Unschönheiten, auf die ich hier nicht weiter eingehen will. Zuerst waren die Gin&Tonics (Plural.) des Vorabends hauptverdächtig, aber es hat der Reihe nach noch andere Verwandte erwischt, bis der WhatsApp-Gruppenchat voll war mit Tipps von Tabletten bis Wärmekissen und Sätzen wie "Ich hab seit gestern nicht mehr gekotzt!" plus stolzes Emoji.
Zum Schluss
Samstag, 26. März 2016
Was für eine Woche, die hinter mir liegt!
Ich bin quasi im Zickzack durch die Stadt gehetzt, habe mich zwischen Arbeit, Bibliothek, Stadtarchiv und natürlich Kind zerteilt, nebenbei mit dem Einschreibe-Tool gehadert, das wie immer nicht tut, was es soll. Im Studienverlauf fehlt mir nicht mehr viel im Hauptfach, eigentlich nur das Mittelalter. Leider kann ich mich gerade dort noch nicht einschreiben, wegen Verwicklungen von vor drei Jahren, die jetzt hier zu weit gingen. Aber ich hab es ja schon mehrmals erwähnt - für Historiker gehen die Uhren etwas anders. Was ist schon eine Woche, wenn man normalerweise in ganz anderen Epochen denkt?
Das sorgt manchmal auch für schizophrene Anflüge. Beim Zeitunglesen im Archiv vergaß ich kurz, dass ich mich im Jahr 1889 befand, und stutzte über die Schlagzeile "Neunter Frauenmord in Whitechapel". Schon wieder? Ach, Moment. Es ist wirklich schwer, sich auf den wissenschaftlichen Tunnelblick zu besinnen und nicht zum Beispiel den neuesten Klatsch und Tratsch aus Europas Herrscherhäusern zu verfolgen.
Vom Unikram (Hausarbeit erwähne ich schon gar nicht mehr) abgesehen, war meine Woche aber äußerst produktiv. Ich habe mich wieder frisch für eine Idee begeistert, die mir seit über einem Jahr im Kopf herumspukt, und stecke jetzt mitten in den Planungen. Zuviel soll hier nicht verraten werden, nur: Ich werde demnächst unter Beweis stellen müssen, ob ich meine guten Noten in Werken wirklich verdient habe. Und dann so:
Ich habe sogar Listen (Yaaay), Konstruktionspläne (yaay) und Skizzen (Woohoo) angelegt, Flächen berechnet, Baumaterialien verglichen, Lieferanten herausgesucht und und und.
Samstag, 19. März 2016
Wir waren im Kindergarten!
Zusammen mit anderen Eltern. Eine sehr skurrile Situation - alle wissen, dass es nur diesen einen Platz gibt, und alle wollen ihn. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, man müsse jetzt beweisen, wie sehr man ihn verdient hat, muss ein bisschen engagierter als die anderen sein, ein bisschen bedürftiger. Natürlich entscheiden am Ende Prioritäten und festgelegte Kriterien, nicht die Sympathie, aber das Gefühl bleibt.
Den größten Teil der Woche habe ich in Bibliotheken und Archiven verbracht, mich geärgert und prokrastiniert, Fliegen an der Wand angestarrt und Stichpunkte in den Computer gehämmert. Wie immer wird der richtige Workflow erst auf den letzten Metern einsetzen, bis jetzt wälzt sich die Hausarbeit wie ein zäher Klumpen vorwärts. Die relevante Literatur ist über Zweigstellen in ganz Leipzig verstreut, und sich durch "digitalisierte", also eigentlich nur abfotografierte Medien zu wühlen, ohne einfach Strg+F drücken zu können, kostet Zeit, Zeit, Zeit und Nerven. Kaffeetrinken darf man auch nicht. Meh.
Tweetiebird
Dafür habe ich einen Twitter-Account eingerichtet. Irgendwie habe ich Twitter nie so richtig verstanden, aber wenn man sich ein paar Stunden damit befasst. Und immerhin hatte ich nach zwei Stunden den ersten Follower, helau. Lustigerweise wollte ich nur einem Leipziger Blog über Bier folgen, und stellte dann fest, dass es sich um einen Bekannten meines Mannes handelt. Leipzig ist eben, das stell ich immer wieder fest, ein Dorf. Genauso habe ich über Twitter festgestellt, dass meine Arbeitskollegin Louise eine Leipziger Bloggerin und Slammerin ist. Zum weiteren Stalken von nahen und entfernten Bekannten bin ich nicht gekommen, und viel hab ich auch noch nicht getwittert, für meine nach drei Tagen schon drei Follower.
Und hier ist er, der erste Tweet:
Leselust
Es ist Buchmesse. Früher mochte ich die Buchmesse. Heute mag ich nur noch die vielen Veranstaltungen drumherum, in der Stadt, in Clubs, in Cafés, alles dreht sich ums Lesen, und das ist toll. Lokale Autoren, Verlage, Künstler, intelligente und schöne Menschen treffen sich und teilen ihre Freude am Lesen. Die Messe selbst ist mir zu teuer, zu voll, zu Manga.
Um tatsächlich zu Veranstaltungen zu gehen, so gern ich das auch tun würde, bin ich meistens zu beschäftigt. Am Wochenende arbeite ich, dann hab ich ja auch noch mit Uni (Hausarbeit!) und Kind zu tun, es will einfach nicht klappen, dass ich mal einen Abend frei habe. Vielleicht nehme ich trotzdem ein paar Lesungen mit, und wenn, dann definitiv eine von denen:
- Julius Fischer, der einzige ernstzunehmende Promi im MDR, liest in der Zentralbücherei für Blinde (19. März, 16:00). Das erste mal von Julius Fischer gehört habe ich noch in meiner Schulzeit, als ich die Schul-Lesebühne mitorganisiert habe. Mein absoluter Lieblingswitz, den ich bis heute des öfteren zitiere, stammt von ihm: "Ich male ein Bild aus Kot und Kaffeesatz und nenne es: Der Morgen in mir.".
Poesie.
- Sputnik LitPop im Neuen Rathaus, u.a. mit einer meiner Lieblings-YouTuberinnen und vielen anderen interessanten Schreiberlingen. 19. März, 18:00.
- Nacht der Lesebühnen im UT Connewitz, 20. März, 20:00. Präsentiert von LiveLyrix mit den üblichen Verdächtigen, deswegen ein schöner Abschluss, wenn man es sonst nirgends hinschafft.
Samstag, 12. März 2016
Das bisschen Hausarbeit schreibt sich von allein...
Dann war ich im Stadtarchiv. Das erste Mal in meinem Studium, was skandalös ist, denn es gibt so viel zu sehen und für Studenten, die eine entsprechende Bescheinigung vorlegen können, ist die Benutzung umsonst. Für meine Hausarbeit habe ich mir Lokalzeitungen aus den 1890er Jahren vorgenommen, und wenn der Zeitdruck nicht gewesen wäre, hätte ich stundenlang lesen können. Für's Thema war es mäßig ergiebig, aber ausreichend, hoffentlich.
Ostergruss
Herr F. hat sich anstecken lassen von meinem Frühlingswahnsinn. Er freut sich auf Ostern fast noch mehr als auf seinen Geburtstag, und erzählt mir oft, was er seiner Lieblingscousine alles erzählen will (meistens geht es um Autos), was er dem kleinsten Cousin alles mitbringen möchte (zum Beispiel sein Lieblingsshirt, das nicht mehr passt), und lässt sich von mir Osterbräuche erklären. Dabei verzettel ich mich meistens in religiösen Grundsatzdiskussionen, wie neulich, als er mich nach dem Kopftuch einer Frau in der Bahn fragte, aber irgendwie schaffen wir es meistens zu einem Schlusspunkt, der für ihn Sinn macht. Anders lief es mit dem Frauentag, an dem er sehr enttäuscht war, als doch keine Frauen zu Besuch kamen.
Das mit der Auferstehung habe ich ebenfalls angerissen, aber dann vermischte sich das irgendwie mit seiner Grundangst - dass irgendwann die Dinosaurier wiederkommen und alles auffressen - und ich musste doch zugeben, dass der Tod relativ endgültig ist, was ihn beruhigte, aber verwirrte, und dann habe ich doch alles auf den Osterhasen abgewälzt. Gut, dass wir den Platz im christlichen Kindergarten nun doch nicht bekommen haben, das hätte einige unangenehme Elterngespräche gegeben.
Jedenfalls haben wir dann beschlossen, für die Tagesmutter einen kleinen Ostergruß zu basteln. Dafür durfte er Moos sammeln - wenn Dreijährige etwas können, ist es, Naturmaterialien in allen Variationen zu sammeln - und dann zusammen mit einer Narzissenzwiebel in ein Töpfchen drücken. Damit die Zwiebel keimt, habe ich sie noch mal aufs kalte Fensterbrett gestellt, und am Montag zieht sie dann zu den kleinen Käfern um.
Leseecke Leipzig
Es ist noch nicht Buchmesse, aber gibt auch jetzt schon viel zu lesen in Leipzig:
Zum Frauentag:
Samstag, 5. März 2016
Kennen Sie das, unter der Dusche zu stehen, vollkommen in Gedanken, denn es ist ja früh am Morgen, man überlegt schon mal, was man anzieht und ob man sich vielleicht auch irgendwann mal wieder die Beine rasiert, und plötzlich fällt ebenjene Dusche mit einem lauten Krachen in sich zusammen? Wahrscheinlich nicht. Ich wünsche es auch niemandem.
Genau das passierte mir am Montag, was sehr schlechtes Timing war, denn ich war a) verkatert, b) hatte sich der Heizungsmann für halb 8 angesagt und ich musste folglich schon um 7 duschen und c) war ich furchtbar verkatert.
Apropos Kater:
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| Ziggy Stardust, die Katze mit Bart. |
Verkatert war ich deswegen, weil ich auf "ein" Feierabendbier mit meinen Kollegen zusammensaß. Und weil es so nett war und ich den ganzen Sonntag noch nicht dazu gekommen war, mich mal kurz hinzusetzen (ich mag Pausen eigentlich nicht), saß ich da so und das Glas füllte sich auf magische Weise wieder auf. Den Abend davor hatte ich bereits mit einer Freundin bei "einem" Wodka Lemon verbracht, um ihren neuen Job zu feiern, und kurz gesagt war der Montagmorgen nicht mein bester Freund. Dann kam das mit der Dusche, und da hatte ich schon keine Lust mehr auf die Woche. Außerdem war es der 29. Februar - ein Tag, der gar nicht existieren dürfte. Zu Recht, sag ich.
Shopping
Ein Gutes hatte das Erlebnis: Ich musste in den Baumarkt. Ich liebe Baumärkte. Als ich das erste Mal im Baumarkt war, um Schrauben zu kaufen, kam ich mit Balkonblumen, Bilderrahmen und einem Kerzenständer zurück. Mein Kind besitzt eine Kuscheldecke mit Autos, die wir im Baumarkt gekauft haben. Warum hat mir nie jemand gesagt, wie toll Baumärkte sind? Es macht fast so viel Spaß wie bei Ikea, nur dass mich bei Ikea immer der Neid auf anderer Leute Wohnung packt, während ich im Baumarkt einfach Lust habe, ganz viel an meiner Wohnung zu verbessern, und überlege, ob ich ein Schleifgerät kaufe und meinen Küchenschrank neu streiche.
Herr F. mag Baumärkte auch. Bei unserem letzten Besuch haben wir ihm eine große Schraube und drei unterschiedliche Muttern (Sechskant-, Hut- und Flügelmutter) gekauft, und er ist sehr sehr glücklich damit. Zufriedenes Kind für knapp 50 Cent.
Überhaupt war mein Kind äußerst liebenswert diese Woche. Ich habe ihm beigebracht, wie man Fenster putzt, und jetzt bettelt er schon, wann er das das nächste Mal darf und was er als nächstes putzen kann. Wahrscheinlich habe ich doch auch ein paar Sachen richtig gemacht mit ihm. Auch freut er sich wahnsinnig auf seinen Geburtstag und bereitet mit mir zusammen seinen Umzug ins Kinderzimmer vor. Er hat auch eingesehen, dass man mit drei ein großer Junge ist und ins Töpfchen pullern muss - oder an Bäume, was seine liebste Beschäftigung im Sommer ist.
Altersgebrechen
Außerdem: Nachdem mir mein Gatte, der gelernter Optiker und seit vierzig Jahren Maulwurf ist, geraten hat, meine in letzter Zeit etwas unscharf gewordenen Augen mal ärztlich untersuchen zu lassen, verbrachte ich einen ganzen Vormittag damit, mich von diversen Sprechstundenhilfen abwimmeln und vollnölen zu lassen, und ging dann einfach zu dem freundlichen Optiker um die Ecke, der im Winter recht oft Besuch von uns bekommen hatte, weil er eine Eisenbahn in seinem Schaufenster fahren ließ. So ködert man Eltern.
Ergebnis: Ich werde alt. Was mir die grauen Haare, die ich seit fünf Jahren immer wieder auszupfe, und die falschen Zähne bisher nur zugeflüstert haben, gab es jetzt schwarz auf weiß. Nach der 25 geht es bergab, sagte meine Biologielehrerin einst. Ach, ach.
Lesenswert
- John Oliver, einer meiner liebsten Late-Night-Erklärbären, über Donald Trump. Noch sehenswerter, beschämender und für mich gerade in Hinblick auf die extreme Divergenz zwischen Stimmung in der Bevölkerung und staatliche Machtausübung überraschender ist übrigens seine Folge über Abortion Laws.
- Wer mal wissen möchte, womit ich mich gerade für meine Hausarbeit beschäftige - oder einfach mal was über Leipzigs koloniale Vergangenheit wissen wollte.
- Und damit es nicht ganz so deprimierend endet: Leipzigs letzter Schneemann.
Samstag, 27. Februar 2016
Wir haben einen neuen Mitbewohner. Er heißt Franz Bomann und ist so leise, dass ich ihn kaum bemerke. Dafür hinterlässt er deutliche Spuren von Sauberkeit und Ordnung in unserer Küche. Übrigens neigen eher Frauen dazu, vermeintlich seelenlosen (Seelenlos? Mein Franz? Wie könnt ihr!) Objekten Namen zu geben - meistens weibliche, noch dazu. Ersteres habe ich erwartet, letzteres überrascht mich. Vielleicht ist das die Sehnsucht einsamer Hausfrauen nach Sex-and-the-City-Freundinnen. Ich persönlich mag es, wenn Männer für mich arbeiten.
Allerdings habe ich auch Hausarbeit nie als etwas spezifisch weibliches gesehen, vor allem, weil bei uns seit frühester Kindheit immer alle Aufgaben geteilt wurden. Dass wir nur Frauen im Haushalt waren, dafür kann ja die Statistik nichts. Ich bin sicher, mein imaginärer Bruder hätte genauso den Staubsauger schwingen müssen wie ich auch schon als Zehnjährige Holz gehackt habe. Und wenn Herr M. und ich uns den Haushalt nicht teilen würden, wäre hier nie etwas sauber.
Muddikram
Ansonsten habe ich mich die Woche mit dem Jugendamt herumgeärgert und festgestellt, dass all meine Probleme, die ich seit vier (!) Monaten mit der Suche nach einem Kindergartenplatz habe, nicht hätten sein müssen, wenn mir gleich einer gesagt hätte, dass diese allein an einem Fehler am Internetportal liegen und nicht an mir. Das wäre super gewesen, und es hätte mir Sätze erspart wie "Wir haben schon 300 Anmeldungen für dieses und nächstes Jahr, aber wenn Sie wollen, setze ich Sie auf die Warteliste." Nunja. Wir sind einem Platz um einige Millimeter näher gekommen und stehen auf einigen langen Listen, von denen eine sich hoffentlich bis Juni etwas bewegt.
Kriegt Kinder, haben sie gesagt. Demografischer Wandel, haben sie gesagt, wir brauchen Kinder.
Unikram
Und dann: Das Vorlesungsverzeichnis des Historischen Seminars. Wenn sie was können, diese Historiker, dann ist es rechtzeitige Semesterplanung. Niemand bringt sein VVZ so schnell heraus, und ich war schwer begeistert beim Durchlesen. Der Historiker hält gerne Winterschlaf, weswegen die Sommersemester um glatte 150% spannender sind als die Wintersemester. Außerdem sind wir ja auch Geisteswissenschaftler, und pünktlich zum Jahresende laufen die Zeitverträge ab, also lässt sich ein Wintersemester schlechter planen. Aber der Sommer! Herrscherinnen und Fürstinnen im Hochmittelalter! Römer in Südwestdeutschland! Kodikologie und Editionswissenschaft! Bergbaugeschichte in Sachsen! Ich weiß gar nicht, was ich zuerst studieren soll. Es ist alles so spannend. Wahrscheinlich bleibe ich beim Bergbau - meine heimliche Leidenschaft neben Wirtschafts- und Handelsgeschichte. Ich glaube, ich bin manchmal ein bisschen seltsam.
Lesenswertes
- "Letzte Station Bilanzbuchhalter" von Frau Fadenvogel. Ich mag ihre Art, zu schreiben, und ihren Humor, und dass sie ohne Hysterie und Aufregung ihr Ding macht. Das gibt ein bisschen Mut, wenn ich mal wieder überlege, wozu ich mir den ganzen Stress eigentlich noch gebe.
- "Neue Musik aus Leipzig" gibt es regelmäßig bei der Heldenstadt. Diese Woche ausnahmsweise auch mal mit welcher, die mir gefällt.
- Nhi von narcoticarts, die man ab und zu auch live sehen kann, hat sich ebenfalls Gedanken über die Woche gemacht, und schreibt unter anderem über sächsische Nazis und unfaire Prozesse für Missbrauchsopfer. Achja, und Nudelsalat.
- Der Strand-Knigge für junge Damen von 1967. Enjoy.
Wie immer, wenn dieser Artikel erscheint, bin ich bereits fleißig bei der Arbeit. Das Wetter wird langsam hübscher, der Weg zur Arbeit macht Spaß und tut gut, die meisten Gäste sind zufrieden und gut gelaunt, und die Kollegen ein eingespieltes Team. Trotz Stress trägt also die Arbeit gerade maßgeblich zu meiner entspannten Gesamtsituation bei.
Ich mag den Frühling.
Samstag, 20. Februar 2016
Ein freier Vormittag Anfang der Woche gab mir endlich Gelegenheit, alle aufgeschobenen Hausarbeiten zu erledigen. Wenig romantisch, ich weiß. Aber ein sauberes Schlafzimmer - mit frischen Narzissenzwiebeln! - ist ein äußerst befriedigender Anblick. Wenn ich jetzt noch dazu komme, mein altes kaputtes Bücherregal zu ersetzen, bin ich fast zufrieden.
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| Grüne Mitbewohner: Narzissentöpfchen, Monstera, Efeu |
Außerdem musste ich einsehen, dass Weihnachten vorbei ist, und den Weihnachtsbaum abschmücken. Schmerzhaft, aber es sind ja nur noch 9 Monate, bis er wieder steht - und wie schnell 9 Monate rum sein können, weiß ich schließlich ganz genau.
Am Donnerstag habe ich das erste Mal in meinem Leben eine Spülmaschine gekauft - es war furchtbar aufregend. Abwasch ist das Lästigste, was unseren Haushalt gerade befällt - jeden Tag wieder stapeln sich schmutzige Teller in der ohnehin schon mehr als knapp bemessenen Küche, jeden Tag streiten wir uns, wer jetzt wieder abwaschen muss, und nie habe ich genug saubere Töpfe, wenn ich kochen will. Abwasch raubt Zeit, Nerven und Platz, und als ich dann las, dass moderne Spülmaschinen sowieso wassersparender sind, setzte sich dieser Wunsch fest. Da wir eine Gastherme haben, die ewig braucht, um das Wasser zu erwärmen, ist die Ersparnis, wie ich sie ausgerechnet habe, trotz Stromkosten tatsächlich enorm.
Kurzum: Ich habe eine Spülmaschine gekauft. Sie hat fast mein letztes Gehalt verschlungen und muss noch geliefert werden, aber ich bin sehr zufrieden mit mir und freue mich jeden Tag auf DEN Tag, an dem ich das letzte Mal in eine mit Geschirr überfüllte Spüle starren muss. Der Spediteur sagte mir, das sei Montag, und bis dahin werde ich vermutlich alle damit nerven.
Das wird schön.
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