Mittwoch, 13. Juli 2016

Unterwegs: Merseburg

Die letzte Prüfung liegt hinter mir, und in den Augen der Leute, die gern über "faule Studenten" reden, habe ich jetzt Semesterferien. Natürlich sind Ferien keine Ferien, sondern Zeit, eine schöne lange Hausarbeit zu schreiben, Zeit, mehr zu arbeiten, weil man das Geld so dringend braucht, und vor allem Zeit mit einem Dreijährigen, dessen Tagesmutter zwei Wochen in Italien am Strand liegt. Gut, dass so ein Dreijähriger auch mit Geschichte und Kultur zufrieden ist, und wenn Mitteldeutschland etwas hat, dann doch Geschichte und Kultur! Die Mission lautet: So weit das Semesterticket trägt. Es ist erschreckend, dass ich acht Jahre in Leipzig wohne und vom Umland quasi nichts kenne. Da schämt man sich ein bisschen, wenn man Vorlesungen in der Sächsischen Landesgeschichte belegt.



Wir waren also in Merseburg. Von Leipzig aus ist die Anreise auch im üblichen Sommerchaos der LVB (Kommt der SEV? Kommt er nicht? Was ist ein SEV?!) relativ unproblematisch mit der Linie 131 (Jaaaa, die, die zu Ikea fährt) vom Hauptbahnhof möglich und dauert leider eine ganze Stunde, obwohl die Stadt wirklich nicht weit weg ist. Besichtigt wurden natürlich Dom und Schloss (im Bild) samt Kulturhistorischem Museum.

Herr F. hatte leider ein bisschen Angst vor Totenschädeln, und ich muss zugeben, als einzige Besucher in einem beengten Kellergewölbe stehen, mit dramatisch ausgeleuchteten menschlichen Gebeinen um sich, das ist schon speziell. Ich hätte mir die Schädel und das Grab trotzdem gerne näher angesehen, wurde aber mit einem panischen "Weiter, weiter! Nicht gucken!!!" aus der Frühen Siedlungsgeschichte gerissen.

Außer Dom, Schloss und diversen Überresten der Stadtmauer gibt es in Merseburg allerdings nicht so wahnsinnig viel zu sehen. Das Übel, das die meisten Städte mit weit zurückreichender Geschichte verfolgt, ist, dass sie meistens recht wenig mehr als das zu bieten haben. Die relativ leeren Straßen zwischen all den schönen, sanierten Fassaden erinnerten mich stark an Görlitz: Man geht gern durch und guckt und staunt und das Historikerherz lacht, aber wohnen kann man dort nicht.

Die nächsten Ziele, die wir uns vorgenommen haben, sind unter anderem Querfurt, Altenburg, natürlich Halle und dann auch wieder heimatlichere Gefilde, die Sächsische Schweiz.

Mittwoch, 6. Juli 2016

Hörspiele für (Klein)kinder

Ich bin ein schrecklich schlechter Vorleser. Nach drei Sätzen fange ich an zu gähnen, ich habe keine Lust, Stimmen zu imitieren, die meisten Kinderbücher sind schlecht geschrieben und für meinen Geschmack zu "dumbed down". Herr F. dagegen ist leidenschaftlicher Bücherfreund und Zuhörer, und man muss zu jeder Tages- und Nachtzeit damit rechnen, dass einem plötzlich mit treuem Blick eines von tausend Pixi-Büchern in die Hand gedrückt wird: "Kannst du mir das bitte vorlesen?"

via wandtattoos.hoferfotos.at

Umso schöner, dass Spotify eine ganze Stange Kinderhörspiele auf Lager hat, die auch für einen Dreijährigen schon geeignet sind. Nach dem dritten oder vierten Buch kommt also meistens die Frage "Soll ich dir nicht lieber ein Lied anmachen?"


  • Bibi Blocksberg. Ein Klassiker der Kinderhörspiele, zeitlos witzig und ein unerschöpflicher Quell an Insiderwitzen meiner Schwestern. Joachim! Bibi und Tina mag ich auch sehr, Benjamin Blümchen dagegen gar nicht. Hexen okay, aber ein sprechender Elefant!?
     
  • Wickie. Seit sein Opa ihm eine Wickie-Spielesammlung geschenkt hat, ist das Kind großer Wikingerfan. Sowohl die (alte) Zeichentrickserie als auch Bücher haben es ihm angetan. Hörspiele gibt es auch, eine alte und eine neue Version.
     
  • Käpt'n Sharky. Mit den Wikingern kommen auch die Piraten in Mode, so ist das. Käpt'n Sharky finde ich eigentlich ganz niedlich, die Geschichten sind unterhaltsam und nicht nervtötend kreischig.
  • Der Traumzauberbaum. Noch so ein Klassiker - zu meiner Zeit noch auf Schallplatten, bei meinen Großeltern. Wenn die Seite zu Ende war, musste man in die Küche schleichen und Oma bitten, die Platte zu drehen. Vorher wurde immer der Staub mit einer speziellen Bürste abgewischt. Herr F. bevorzugt leider die neueren Traumzauberbäume mit Traumläusen und Hochzeitspferden, die mich furchtbar nerven.
     
  • Mimmelitt, das Stadtkaninchen. Auch von Reinhard Lakomy, von 1984. Die Handling ist ein wenig dürftig, aber die Lieder sind kindgerecht und witzig.
     
  • Feuerwehrmann Sam. Welches Kind möchte nicht Feuerwehrmann werden? Wir laufen jeden Morgen einen kleinen Umweg, um die Feuerwache zu passieren und zu sehen, ob ein Löschwagen draußen steht. Feuerwehrmann Sam ist darauf ausgerichtet, Kindern den richtigen Umgang mit Gefahrensituationen beizubringen, ohne zuuuu belehrend zu sein. Die Erwachsenen sind alle Trottel, was mich meistens ein bisschen nervt, aber eigentlich macht es auch Spaß, über sie zu lachen.
     
  • Tabaluga. Das habe ich als Kind stundenlang gehört, und ich kann bis heute die Alben auswendig. Alle Alben. Auch die, die lange nach meiner Kindheit erschienen sind. Ähem. Es ist jedenfalls eine sehr schöne Geschichte. Für Kinder.
     


Ebenfalls sehr putzig finde ich Ritter Rost, der Herrn F. aber "zu laut" war. Der ist wohl eher für ältere Kinder geeignet.

Montag, 4. Juli 2016

Samstagskaffee - Woche #26

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das jeder studentische Elternteil kennt und fürchtet. Jedes Semester wieder hoffen alle, dass sie diesmal verschont bleiben und der Kelch an ihnen vorbeigeht, aber das Leben ist hart und unerbittlich, und deswegen heißt es auch jetzt: Pünktlich zur Prüfungszeit werden Tagesmütter, Kindergärtnerinnen und/oder die Kinder selbst krank.

In den letzten drei Semestern, und auch dieses, hat es mich erwischt, dass ich plötzlich, statt zu lernen, ein quietschfideles Kleinkind zu bespaßen hatte, während die Tagesmutter irgendeinen fiesen Keim auskurierte. Letztes Jahr fiel die Prüfungswoche ausgerechnet mit dem Ferienbeginn zusammen, an dem sie sich frei nehmen musste, um ihre eigenen Kinder zu betreuen.

Jetzt sitze ich also zu Hause, kann mich schlecht konzentrieren, die Prüfungen rücken näher, die letzten Lehrveranstaltungen verstreichen ungehört, das Kind sortiert seine Kronkorkensammlung und möchte ständig Memory spielen.


(HBO)


Dann habe ich endlich die sechste Staffel Game of Thrones angefangen. Ich bin so ein furchtbar ungeduldiger Mensch. Ironischerweise so ungeduldig, dass ich immer warte, bis eine Staffel vollständig erschienen ist, um nicht nach jeder Folge eine Woche warten zu müssen. Da gefühlt 150% meiner Freunde GoT-Fans sind, waren Spoiler echt schwer zu vermeiden. Aber es hat sich gelohnt - zehn Folgen in nur drei Abenden, und was für Folgen! Was für ein Gemetzel! Großartig. Die Bücher und die Serie sind auf so viele Arten und Weisen bahnbrechend, alles, was jemals wieder im Fantasy-Bereich gemacht wird, muss sich daran messen lassen. Ich bin immer wieder froh, in so einer großartigen Zeit zu leben.


Mittagspause!


Und dann erscheint dieser Post ja auch am 4. Juli. Das ist nicht nur für Amerikaner ein Grund zum Feiern, sondern auch für mich und meine Kollegen - das Kaiserbad wird genau ein Jahr alt. Bei der Eröffnung habe ich auch gearbeitet, bin also quasi seit Stunde 0 dabei und werde es wohl auch hoffentlich noch eine Weile bleiben.

Und jetzt: Prüfungszeit!

Montag, 27. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #25



Heute ist gar nicht Samstag, werden Sie empört ausrufen, heute ist Montag! Und Sie haben Recht, Sie Fuchs, Sie. Und das da ist auch kein Kaffee, sondern Erdbeerlikör!

Die Woche, ach was, die letzten zwei Wochen waren einfach zu schnell vorbei, und zu viel schwirrte mir um den Kopf, worüber ich mir Gedanken machen muss(te). Von meinem eigenen Shit abgesehen hat mich auch das Brexit-Votum nicht ganz kalt gelassen, zumal ich in den letzten Monaten VWL-Schlüsselqualifikationsmodul auch ein paar Zusammenhänge besser verstanden habe und mittlerweile die Wirtschaftsnachrichten lesen kann, ohne jedes zweite Wort nachzuschlagen. Erfolgserlebnisse allerorten!



Der kleine Basilikum hat sich gut gemacht, und auch der Rest des Fensterbrett-Gemüsegartens wächst und gedeiht. Auch wenn sich der Kürbis als Chauvi erweist und ausschließlich männliche Blüten produziert. Aber ich habe ihn auch nicht gekauft, um dann orangene Riesen vor dem Fenster liegen zu haben. Die Tomate dagegen verträgt Standort und Pflege erstaunlich gut und produziert fleißig grüne Knubbels. Wenn die sich als essbar erweisen sollten, erweitere ich das Nutzpflanzenabteil nächstes Jahr noch um eine weitere Tomate und vielleicht auch einen kleinen Paprika. In mir wohnt eben doch ein kleiner Öko. Apropos:



Ich hatte dieses Jahr nicht viel Lust, handzuarbeiten. Diese Woche allerdings hatte ich wieder mehrere Abende, an denen ich nichts Sinnvolles mehr tun oder denken, sondern nur noch meine Ruhe wollte. Dabei habe ich ein bisschen vor mich hin gehäkelt, größtenteils improvisiert, inspiriert von Pinterest. Noch sieht es aus wie etwas, das sich alte Damen auf die Sofalehne legen, aber bald soll es meinen Oberkörper schmücken.




Samstag, 11. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #23




Basilikum, Basiliki, Basiliko - es sprießt auf der Fensterbank. Basilikum ist ja bekanntermaßen eine kleine Mimose, also halten sich die Erwartungen in Grenzen. Aber schauen wir mal, wie's weitergeht. Die Tomate daneben blüht auch schon. Wie aufregend.

Wenn dieser Text erscheint, bin ich gerade in Berlin und schaue mir Dinosaurierskelette an. Nach meinem unsanft von Magen-Darm-Kram beendeten Ostern ist das mein zweiter sowas-wie-Urlaub dieses Jahr. Der dritte und letzte kommt im August, wenn ich meiner Schwester in Hamburg beistehe. Mein dritter Hamburgbesuch, und diesmal sehe ich vielleicht sogar mal was von der Stadt. Die letzten Male bin ich betrunken U-Bahn gefahren. Auch schön.

In Berlin war ich erst einmal, und die Stadt ist mir nicht besonders sympathisch, aber auch Schwiegerväter wollen mal besucht werden, und der kleine Herr F. freut sich wahnsinnig auf das einzig vollständig erhaltene T-Rex-Skelett Europas, das dort gerade im Museum steht. Und gerade an Museen hat die Stadt ja einiges zu bieten, sodass ich mich gar nicht weiter mit den Berlinern abgeben muss. Auch wenn in meiner letzten Hausarbeit wenig schmeichelhafte Dinge über die Deutschen und ihre neurotische Sehnsucht nach Zentralismus zitiert wurden, aus der nach Theorie des Autors die Museumsinsel hervorgegangen ist. Manchmal merke ich mir gar, was ich lese, normalerweise, um es irgendwann an völlig unpassenden Stellen einzuflechten. Apropos Hausarbeit: Auch dieses Semester muss ich wieder eine schrieben, diesmal geht es um das Marktprivileg in Leipzig. Ich finde ja, Regionalgeschichte wird unterschätzt. Manchmal muss man es eben auch anfassen können.




Und dann habe ich wieder einmal meinen Kleiderschrank aussortiert, diesmal noch rigoroser. Ich hatte mir vor ein paar Wochen eine Kleiderstange gekauft, auf der demnächst alle meine Kleider und Blusen hängen dürfen, denn eigentlich bin ich ein großer Fan von offenen Kleiderschränken. Der jetzige ist auch offen, hat aber nur eine kleine Stange, sodass die Kleider immer knittern. Stattdessen wird dort jetzt mehr Bettwäsche und Decken gelagert. Wieder ein winziges Stückchen Ordnung mehr - es sind die kleinen Dinge im Alltag, die mich beglücken.

Wie zum Beispiel dieses Kleid. Ignorieren Sie den Giraffenhals. Keine Ahnung, was da passiert ist. Das Kleid ist toll, habe ich festgestellt.

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