Donnerstag, 3. März 2016

Sächsische Verhältnisse.

Zur Zeit wird viel geschrieben über Sachsen, vor allem von Leuten, die nicht aus oder in Sachsen sind. Es wird viel analysiert, viel karikiert und pauschalisiert, und meistens drängt sich mir der Eindruck auf, man sei froh, endlich einen Bevölkerungsteil zu haben, an dem man all die rassistischen Entgleisungen, die sich derzeit über Deutschland entladen, festmachen kann, und gleichzeitig alles loswerden, was man "dem Ossi" schon immer mal sagen wollte.

Ja, Sachsen hat ein Rassismusproblem. Es gibt viel, was hier seit Jahren schief läuft, viele Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass sich dieses Problem so festsetzen konnte. Ich bin selbst manchmal erschrocken darüber, wie fest es sitzt, wie eng es mit dem Staat und seinen Institutionen verflochten ist, und wie deutlich es sich bemerkbar macht. Besonders die deutliche Differenzierung bei Demo-Auflagen finde ich im besten Falle bemerkenswert. Rechte Demos, egal wie gewaltbereit in der Vergangenheit, dürfen beinahe ungestört quer durch die Stadt marschieren und Woche für Woche den Ring lahmlegen, während die Gegenproteste unverhältnismäßig durch Auflagen eingeschränkt werden, zum Teil nicht einmal gleichzeitig zur Demo stattfinden dürfen und ohne Konsequenzen für die Täter angegriffen und bedroht werden.

Und dass das keine Zufälle sind, wird in dieser Bundestags-Rede sehr deutlich gesagt:



"Der rechte Mob fühlt sich in Sachsen in Sicherheit - das ist ...
Nein, Clausnitz und Bautzen sind keine Einzelfälle. Das ist sächsische Normalität. Sie ist das Ergebnis von 25 Jahren bewusster CDU-Politik. Das habe ich in meiner Rede in angemessener Deutlichkeit gesagt.
Posted by Michael Leutert on Mittwoch, 24. Februar 2016


Ich liebe meine Heimat, wirklich, ich bin als Sachse normalerweise ziemlich patriotisch. Sachsen hat einzigartige Landschaften, kulturelle Vielfalt, eine reichhaltige und großartige Geschichte, Spitzenplätze auf allen Ebenen der Bildung, und tausend verschiedene regionale Besonderheiten und Traditionen.
Aber jetzt gerade eben schäme ich mich für das Bild, das meine Heimat in den Medien abgibt, und das, bis auf die scheußlichen Versuche des Sächselns, die sich westdeutsche "Komiker" gerade geben, einfach nicht mehr so leicht zu widerlegen und abzutun ist. Na klar, Sachsen ist nicht das einzige Bundesland, in dem es solche Auswüchse gibt.

Aber macht es das wirklich besser?

Samstag, 27. Februar 2016

Samstagskaffee - Woche #9





Wir haben einen neuen Mitbewohner. Er heißt Franz Bomann und ist so leise, dass ich ihn kaum bemerke. Dafür hinterlässt er deutliche Spuren von Sauberkeit und Ordnung in unserer Küche. Übrigens neigen eher Frauen dazu, vermeintlich seelenlosen (Seelenlos? Mein Franz? Wie könnt ihr!) Objekten Namen zu geben - meistens weibliche, noch dazu. Ersteres habe ich erwartet, letzteres überrascht mich. Vielleicht ist das die Sehnsucht einsamer Hausfrauen nach Sex-and-the-City-Freundinnen. Ich persönlich mag es, wenn Männer für mich arbeiten.

Allerdings habe ich auch Hausarbeit nie als etwas spezifisch weibliches gesehen, vor allem, weil bei uns seit frühester Kindheit immer alle Aufgaben geteilt wurden. Dass wir nur Frauen im Haushalt waren, dafür kann ja die Statistik nichts. Ich bin sicher, mein imaginärer Bruder hätte genauso den Staubsauger schwingen müssen wie ich auch schon als Zehnjährige Holz gehackt habe. Und wenn Herr M. und ich uns den Haushalt nicht teilen würden, wäre hier nie etwas sauber.

Muddikram


Ansonsten habe ich mich die Woche mit dem Jugendamt herumgeärgert und festgestellt, dass all meine Probleme, die ich seit vier (!) Monaten mit der Suche nach einem Kindergartenplatz habe, nicht hätten sein müssen, wenn mir gleich einer gesagt hätte, dass diese allein an einem Fehler am Internetportal liegen und nicht an mir. Das wäre super gewesen, und es hätte mir Sätze erspart wie "Wir haben schon 300 Anmeldungen für dieses und nächstes Jahr, aber wenn Sie wollen, setze ich Sie auf die Warteliste." Nunja. Wir sind einem Platz um einige Millimeter näher gekommen und stehen auf einigen langen Listen, von denen eine sich hoffentlich bis Juni etwas bewegt.

Kriegt Kinder, haben sie gesagt. Demografischer Wandel, haben sie gesagt, wir brauchen Kinder.

Unikram


Und dann: Das Vorlesungsverzeichnis des Historischen Seminars. Wenn sie was können, diese Historiker, dann ist es rechtzeitige Semesterplanung. Niemand bringt sein VVZ so schnell heraus, und ich war schwer begeistert beim Durchlesen. Der Historiker hält gerne Winterschlaf, weswegen die Sommersemester um glatte 150% spannender sind als die Wintersemester. Außerdem sind wir ja auch Geisteswissenschaftler, und pünktlich zum Jahresende laufen die Zeitverträge ab, also lässt sich ein Wintersemester schlechter planen. Aber der Sommer! Herrscherinnen und Fürstinnen im Hochmittelalter! Römer in Südwestdeutschland! Kodikologie und Editionswissenschaft! Bergbaugeschichte in Sachsen! Ich weiß gar nicht, was ich zuerst studieren soll. Es ist alles so spannend. Wahrscheinlich bleibe ich beim Bergbau - meine heimliche Leidenschaft neben Wirtschafts- und Handelsgeschichte. Ich glaube, ich bin manchmal ein bisschen seltsam.


Lesenswertes


  • "Letzte Station Bilanzbuchhalter" von Frau Fadenvogel. Ich mag ihre Art, zu schreiben, und ihren Humor, und dass sie ohne Hysterie und Aufregung ihr Ding macht. Das gibt ein bisschen Mut, wenn ich mal wieder überlege, wozu ich mir den ganzen Stress eigentlich noch gebe.
  • "Neue Musik aus Leipzig" gibt es regelmäßig bei der Heldenstadt. Diese Woche ausnahmsweise auch mal mit welcher, die mir gefällt.
  • Nhi von narcoticarts, die man ab und zu auch live sehen kann, hat sich ebenfalls Gedanken über die Woche gemacht, und schreibt unter anderem über sächsische Nazis und unfaire Prozesse für Missbrauchsopfer. Achja, und Nudelsalat.
  • Der Strand-Knigge für junge Damen von 1967. Enjoy.

Wie immer, wenn dieser Artikel erscheint, bin ich bereits fleißig bei der Arbeit. Das Wetter wird langsam hübscher, der Weg zur Arbeit macht Spaß und tut gut, die meisten Gäste sind zufrieden und gut gelaunt, und die Kollegen ein eingespieltes Team. Trotz Stress trägt also die Arbeit gerade maßgeblich zu meiner entspannten Gesamtsituation bei.

Ich mag den Frühling.


Mittwoch, 24. Februar 2016

Ode an Franz.

Franz ist der neue Mann an meiner Seite. Franz ist neu eingezogen, wir kennen uns noch nicht so gut. Trotzdem hat er sich ohne Zicken und Meckern gleich an die Arbeit gemacht.


Ungeschminkt und ungekämmt, aber zufrieden.


Nie wieder Abwaschberge! Nie wieder Ekeltöpfe! Hygienisch sauberes Kinderspielzeug! Und das alles, während ich gar nicht zu Hause bin und viel viel wichtigeren Tätigkeiten nachgehe.

Ach, Franz.
Samstag, 20. Februar 2016

Samstagskaffee - Woche #8

Ein freier Vormittag Anfang der Woche gab mir endlich Gelegenheit, alle aufgeschobenen Hausarbeiten zu erledigen. Wenig romantisch, ich weiß. Aber ein sauberes Schlafzimmer - mit frischen Narzissenzwiebeln! - ist ein äußerst befriedigender Anblick. Wenn ich jetzt noch dazu komme, mein altes kaputtes Bücherregal zu ersetzen, bin ich fast zufrieden.


Grüne Mitbewohner: Narzissentöpfchen, Monstera, Efeu


Außerdem musste ich einsehen, dass Weihnachten vorbei ist, und den Weihnachtsbaum abschmücken. Schmerzhaft, aber es sind ja nur noch 9 Monate, bis er wieder steht - und wie schnell 9 Monate rum sein können, weiß ich schließlich ganz genau.

Am Donnerstag habe ich das erste Mal in meinem Leben eine Spülmaschine gekauft - es war furchtbar aufregend. Abwasch ist das Lästigste, was unseren Haushalt gerade befällt - jeden Tag wieder stapeln sich schmutzige Teller in der ohnehin schon mehr als knapp bemessenen Küche, jeden Tag streiten wir uns, wer jetzt wieder abwaschen muss, und nie habe ich genug saubere Töpfe, wenn ich kochen will. Abwasch raubt Zeit, Nerven und Platz, und als ich dann las, dass moderne Spülmaschinen sowieso wassersparender sind, setzte sich dieser Wunsch fest. Da wir eine Gastherme haben, die ewig braucht, um das Wasser zu erwärmen, ist die Ersparnis, wie ich sie ausgerechnet habe, trotz Stromkosten tatsächlich enorm.

Kurzum: Ich habe eine Spülmaschine gekauft. Sie hat fast mein letztes Gehalt verschlungen und muss noch geliefert werden, aber ich bin sehr zufrieden mit mir und freue mich jeden Tag auf DEN Tag, an dem ich das letzte Mal in eine mit Geschirr überfüllte Spüle starren muss. Der Spediteur sagte mir, das sei Montag, und bis dahin werde ich vermutlich alle damit nerven.

Das wird schön.

Dienstag, 16. Februar 2016

Wardrobe Architect #2 - Grundausstattung

Endlich, endlich konnte ich mich mal dazu durchringen, die gute Arbeit des Kleiderschrankorganisierens weiterzuführen.

(c) https://blog.colettehq.com/wardrobe-architect/

Das Ziel eines gut sortierten und ausgemisteten Kleiderschrankes ist die "Grundausstattung", also diese Teile, die man je nach Stimmung und Wetter variieren und kombinieren kann, die, von denen man weiß, dass man sie mehr als einmal trägt, und die entsprechend sorgfältig ausgesucht und von besserer Qualität sein sollten.

In der Wardrobe Architect-Reihe findet man dafür folgende Kriterien:

  • Choose one to six silhouettes for the season.
  • Create a color palette.
  • Break down your silhouettes and colors into a list of pieces.
  • Organize what to make, what to buy, and what you already own.

Naja, wie ich im letzten Post schon festgestellt habe, ist das für mich nicht so schwer. Meine bevorzugten Formen und Farben sind eher limitiert und ändern sich im Laufe der Jahreszeiten nur bedingt (bauchfreie Tops zum Beispiel). Mit meiner Farbpalette bin ich zufrieden und möchte sie eigentlich nicht erweitern:





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