Samstag, 16. Januar 2016
Es gibt Zeiten, in denen ist es besonders schwer, auf dieser Welt zu leben. Es ist schwer, Frau zu sein, es ist schwer, denkender Mensch zu sein. Es ist schwer, nicht in Automatismen zu verfallen, und manchmal hätte ich Lust, mich einfach einer obskuren Sekte anzuschließen, nur um einer höheren Macht pauschal die Schuld geben zu können, und sie nicht in komplexen politischen und soziokulturellen Zusammenhängen zu suchen, die sich nicht lösen lassen.
Die gleiche Ohnmacht, die ich seit Jahren empfinde, wenn wieder einmal ein Raketenhagel einen Waffenstillstand in Israel bricht, wenn wieder ein Versuch scheitert, in den USA schärfere Waffengesetze einzuführen, wenn wieder irgendwo ein gigantischer Missbrauchsskandal aufgedeckt wird, die gleiche Ohnmacht scheint sich im Moment regelrecht festzusetzen und mich zu lähmen. In- und außerhalb meiner Familie scheint seit Jahren eine Hiobsbotschaft die nächste zu jagen, und es gibt Zeiten, da vergisst man die ganzen guten Nachrichten dazwischen.
David Bowie ist gestorben - der einzige Mensch auf der Welt, an dessen Unsterblichkeit ich wirklich und wahrhaftig geglaubt habe. Natürlich finden viele es albern, um Menschen zu trauern, die man nicht persönlich kannte, aber solche Leute wiegen auch Menschenleben gegen Menschenleben auf und sagen höhnisch Sätze wie: "Der Tod eines Menschen ist eine Tragödie, der Tod von Millionen nur eine Statistik." Dieser Satz stammt übrigens von Josef Stalin, und er stimmt. Weil unser Hirn ab einer bestimmten Dimension Tragödien nicht mehr verarbeiten kann und sich damit schützen muss, sie in Statistiken umzuwandeln. nicht umsonst haben wir (ja, wir) jahrelang mehr oder weniger geistesabwesend die ertrunkenen Menschen im Mittelmeer überblättert, aber waren schockiert und fassungslos angesichts der Leiche eines Kleinkindes am Strand.
Und so war es auch sein Tod, der mich diese Woche schockiert hat (und, ein paar Tage später, Alan Rickmans). Die Welt ist ärmer um einen Mann, der Millionen von Leben berührt und besser gemacht hat.
Donnerstag, 31. Dezember 2015
Was soll's, jeder tut es insgeheim: diese kleine Liste abarbeiten, was man dieses Jahr wieder alles nicht geschafft hat. Erlebnisse rekapitulieren. Pläne machen. Verknappen und romantisieren. Here we go.
Donnerstag, 17. Dezember 2015
Vor zwei Jahren schrieb André Herrmann den Weihnachtsmarkt-Artikel mit der schönsten Überschrift, seit es Überschriften gibt: Weihnachtsmarkt in Leipzig: Betrunkene Muttis seit 1458.
Ich habe ein ambivalentes Verhältnis zu Weihnachtsmärkten. Einerseits hoffe ich jedes Jahr wieder, einen Schwung dieses tollen vorweihnachtlichen Duftes nach Waffeln, Glühwein, Weihrauch und gebrannten Mandeln einzuatmen, bunte Lichter und erzgebirgische Volkskunst zu bewundern; andererseits wird man dann eben von betrunkenen Muttis, dem Geruch nach altem Frittierfett und dem überteuerten Dekokitsch aus China wieder in die Realität zurückgeholt.
Aber nun hat man ja eben ein Kind, und das Kind möchte gern stundenlang vor einem bunten, lauten Karussell mit verschiedenen Nutzfahrzeugen stehen und jedes Mal, wenn das Feuerwehrauto mit lärmendem Blaulicht vorbeidreht, laut aufjauchzen. Selbst fahren kommt natürlich nicht in Frage, wird aber mit einem "Morgen fahr ich auch mit dem Feuerwehrauto!" jedes Mal aufs Neue angekündigt.
P.S: Der Leipziger Weihnachtsmarkt ist der sechstschönste in Europa. Und wenn man die Menschenmassen mit all ihren unschönen Nebenwirkungen ausblendet und sich das schön beleuchtete Alte Rathaus, den "mittelalterlichen" Nachmarkt und die fröhlichen Karusselfahrer ansieht, weiß man auch wieder, warum.
Sonntag, 13. Dezember 2015
Ein großer Vorteil am Muttersein ist ja, dass man plötzlich Kindheitserinnerungen und vernachlässigte Traditionen wieder ausgraben kann, ohne sich selbst kindisch zu fühlen. Dieses Wochenende standen Weihnachtsplätzchen auf dem Plan!
Beim Ausstechen und Verzieren war Herr F. mit großem kindlichen Ernst am Werk; nachdem im Adventskalender morgens ein eigenes kleines Ausstechförmchen steckte und die Vorfreude schürte, hatten es ihm vor allem meine DDR-Plasteförmchen angetan, die ich mir vor ein paar Jahren in einem dieser schrecklichen Ost-Kitsch-Läden gekauft habe. Herr Fuchs, Frau Elster und das Sandmännchen waren schon als Kind meine Favoriten in der Keksdose. Da sie leider auch immer die ersten sind, die zerbrechen, waren die Intakten unter meinen Geschwistern hart umkämpft, und irgendwie machte es mich zwanzig Jahre später froh, jetzt immer meine eigenen backen zu können.
Gerade beim Verzieren braucht man aber einiges an Geduld. Das Kind hat keinen Sinn für Symmetrie oder gleichmäßige Verteilung der Zuckerperlen. Stattdessen wurde ein armes einzelnes Sandmännchen mit einem Berg von bunten Streuseln versehen, die natürlich nicht halten wollten. Zwischendurch wurde die Pickup-Feuerwehr (hinten rechts) mit Dekor beladen und fuhr laut brummend Schlangenlinien, um Sterne und Schneeflöckchen zu versorgen. Dass dabei Zuckerguss auf der Tischplatte und allerlei Zucker in den Parkettritzen landete, störte nicht weiter.
Das Sandmännchen ist übrigens unter der süßen Last kollabiert und hat sich den Hals gebrochen - leider die häufigste Todesursache dieser Spezies.
Samstag, 5. Dezember 2015
Die erste Dezemberwoche ist rum! Mein Kaffee wird heute ganz festlich neben meinem Lieblings-Adventskranz serviert. Er ist wagenradgroß, aus Eisen und verströmt eher Industriecharme als Gemütlichkeit, aber ich mag ihn irgendwie. In den letzten Jahren habe ich ihn immer mit Tannengrün und Stechpalme dekoriert. Dieses Jahr steht er aber im Wohnzimmer und damit in Kinder- und Katzenreichweite.
Außerdem spannend diese Woche
Schönes Wochenende!
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