Freitag, 23. Oktober 2015
 |
| Arbeitende Mütter: Wenn sie gebraucht werden.... |
Noch ne Muddi schrieb einen Artikel über die "Teilzeitfalle" - die Mär von der Vereinbarkeit von Kind und Beruf ("Karriere" findet sie an dieser Stelle, wie ich, übertrieben). So sehr ich verstehen kann, was sie schreibt, und so sehr mich die Statistiken ärgern, die Deutschland seine peinliche Rolle als Schlusslicht in Sachen Vereinbarkeit bescheinigen, so sehr denke ich auch jedes Mal: Es ist halt nicht immer schlau, sich erst ein Nest zu bauen und dann kontrolliert und abgezählt seine Eier reinzulegen.
Klar, es wird einem nicht leicht gemacht, jung Kinder zu kriegen. Klar, ich würde gerne öfter auf Party gehen oder mal ausschlafen oder mein Studium durchziehen und mir meinen Traumberuf suchen. Und klar, die älteren Mütter, die mit ihren stylischen Kinderwägen ohne kaputtes Hinterrad und ihren Kindern in Klamotten, die nicht tausend mal aufgetragen sind, auf dem Spielplatz neben mir sitzen, die beneide ich auch ein bisschen. Andererseits unterhalten sie sich über ihre Kinder, als seien sie ein wichtiges Projekt, das man auf jeden Fall richtig angehen muss, und nicht einfach nur, naja, Kinder, und wenn sie über die Arbeit reden, dann darüber, wie schwer es ihnen gemacht wird als Mutter.
Dieses seltsame Warten-auf-den-richtigen-Moment, das den Frauen hierzulande seit 25 Jahren eingebläut wird und dafür sorgt, dass die durchschnittliche Erstgebärende mittlerweile
über 30 ist, sorgt eben auch dafür, dass man sich diese Pause, die jedes Kind einfordert und die hier schwerer fällt als irgendwo sonst auf der Welt (außer Japan), immer weniger leisten kann. Das ist natürlich schrecklich und ungerecht und gemein, und man sollte etwas dagegen tun, aber darauf warten, dass die Umstände sich meinem Leben anpassen, ist nicht immer die aussichtsreichste Methode.
Ich habe das Gefühl, meine Altersgenossen stellen komplett überzogene Ansprüche an ihr Leben. Ich bin immer dafür, nach Höherem zu streben und für seine Ziele zu kämpfen, aber angesichts beispielsweise unserer Scheidungsrate ist es einfach unrealistisch, auf eine harmonische Kleinfamilie mit dem perfekten Mann, den perfekten Kindern und dem perfekten Labrador zu hoffen, wenn man unterwegs so viel mehr Spaß haben könnte. So what, wenn der Mann nicht perfekt ist, die Kinder viel mehr Arbeit machen als geplant und der Hund nicht hört?
Hoffnungen auf gerade Lebenslinien, die in allen Bereichen stetig nach oben gehen, können nur enttäuscht werden. Wenn ich immer von dem Gedanken gehetzt bin, mir eine Karriere und ein sicheres Leben aufzubauen, damit dann endlich alles gut wird, werde ich vermutlich später feststellen, dass vor allem erst einmal alles anstrengend und kompliziert wird. Egal wie lange ich es herausschiebe, Kinder halten sich nicht an Pläne. Sie haben ihre eigenen.
Das hört sich alles so an wie eine ihr-seid-selbst-schuld-Tirade über Leute, die später Kinder kriegen als ich. Das wollte ich natürlich nicht sagen. Es ist ein Unding, dass Arbeitswelt und Gesellschaft in Deutschland auf kinderlose Singles mit 50-Stunden-Arbeitswoche aufgebaut sind und Familien (und erst recht Alleinerziehende) in wirklich jedweder Hinsicht benachteiligt werden. Solange sich das nicht ändert, wird sich auch an der fortschreitenden Vergreisung dieses Landes nichts ändern.
Alles, was ich sagen wollte, war: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Hört auf, uns Angst zu machen vor einer unsicheren Zukunft, und unterstützt uns lieber dabei, die Gegenwart zu meistern. Denn:
"It's not children that slow mothers down".
Samstag, 17. Oktober 2015
Die Arabisten stehen gerne früh auf. Nicht nur finden die Veranstaltungen allesamt am Morgen oder Vormittag statt, sondern das Semester beginnt auch bereits, wenn die Historiker, traditionell eher energiesparend veranlagt, noch friedlich schlafen. Also war meine Woche vor allem mit Arabisch-Wiederholungen und dem Einstieg in die neuen Lektionen gefüllt. Dabei hatte ich ein paar Erinnerungslücken zu füllen, aber nicht so viele wie gedacht. Wenn's erstmal läuft, läuft's.
 |
| Immer dabei: Der Kater mit Bart. |
Dieses Semester haben über 200 junge Menschen angefangen, in Leipzig Arabistik zu studieren. Das ist, schätze ich, ein neue Rekord, und spiegelt ganz gut das derzeitige Interesse und auch den Bedarf an Vermittlungsinstanzen zwischen "uns" und arabischsprechenden Menschen. Als ich damals anfing, waren wir etwa 30, und auch da hieß es schon, so viele gab es noch nie. Erfahrungsgemäß gibt etwa ein Drittel bis die Hälfte auf. Die Dozenten kämpfen gerade damit, diese Massen zu bändigen, denn wir sind hier immer noch in Sachsen und Hochschulen brauchen kein zusätzliches Personal oder gar Geld, erst recht nicht an der Uni Leipzig, die sich, anders als die sogenannte Exzellenz-TU Dresden,
gerne mal unbeliebt macht.
Ansonsten hat mich diese Woche ein längst fälliger
Abgesang auf Hypezig erheitert. An dieser Stelle erwähne ich gerne, dass ich schon in Leipzig war, bevor es cool wurde, in Leipzig zu sein. Und ich bleibe hier, nachdem es uncool wird, in Leipzig zu sein. Wenn ich denn einen dieser Jobs finde, von denen es laut Artikel hier keine gibt.