Sonntag, 22. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #20

Endlich mal eine gute Woche, fast schon entspannt, mit guten Nachrichten und innerer Ausgeglichenheit. Dafür kommt der Samstagskaffee viel zu spät. Aber davon werd ich mir jetzt nicht die Laune verderben lassen.


Voll badass. Das Foto, das wir unserem Sohn später zeigen, um zu beweisen, dass wir auch mal cool waren. Damals.

Wie ich schon mehrmals sagte, sind Historiker nicht die, die mit vollen Stundenplänen und Arbeitspensum glänzen. Und so gönnen sie sich, neben dem späten Semesterbeginn und Seminaren, in denen locker diskutiert und mittendrin Kaffee ausgeschenkt wird, auch eine einwöchige Pfingstpause.

Das ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht man nur, wenn man mittendrin sitzt: Um entspannt zu diskutieren, braucht man Wissen und ein stabiles Faktengerüst, man muss mitdenken und den Faden behalten, Fachbegriffe und Namen kennen, und, ganz wichtig, immer wissen, wer gerade Kaiser, König, Kurfürst ist. Das Pensum ist nur auf dem Papier klein, praktisch verbringt man noch einmal doppelt so viel Zeit damit, zu lesen, und zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Latein. Wahlbereichsstudenten, die nicht aus der Geschichte kommen, sagen hinterher ganz atemlos, sie hätten irgendwann gar nichts mehr verstanden, und ob es nicht ein Buch gibt, wo alles Wichtige drinsteht.

Und so ist auch die Pfingstpause throretisch Lektürepause, in der der fleißige Historiker Zeit hat, all die Zusatzlektüre, die er am Anfang des Semesters empfohlen bekam, pro Modul so zehn bis zwanzig Bücher, in der Albertina durchzuackern. Keine Angst, macht keiner. Und wenn, dann schauen wir uns das Inhaltsverzeichnis an und trinken zur Belohnung ein Bier im Park.

Die Tabletten, die man meinen Füßen verschrieben hat, wirken, zumindest gehen die Schmerzen zurück, und anders als die Packungsbeilage verspricht, merke ich keine Nebenwirkungen, obwohl ich mich schon auf Halluzinationen und Adrenalinschübe gefreut ("gelegentlich") und ein bisschen Angst vor Ausschlag und Nesselsucht ("häufig") und Magenschmerzen mit blutigem Durchfall ("sehr häufig") hatte. Krasses Zeug, das. Aber vielleicht kommt das noch - und ich bin plötzlich nicht mehr Freundin und Mutter, sondern Manuel Neuer.

Dann ein Glücksmoment: Meine Hausarbeit, die mich Anfang des Jahres auf Trab gehalten und an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil plötzlich alles schief ging, die These sich als falsch und stundenlange Archivarbeit als umsonst entpuppte - diese Hausarbeit wurde mit meiner ersten glatten 1,0 bewertet. Kann man ein bisschen stolz sein. Finde ich.

Und damit das (professionelle) Glück nicht abreißt, habe ich meinen 5-Jahresplan überarbeitet. Ich mag Pläne. Pläne sind super. Meine Planerei sorgt dafür, dass ich weiß, wer und wo ich bin, dass mein Kind regelmäßig isst und ich halbwegs vorankomme im Studium. Ich glaube, das Chaos, das mein Leben früher war, kann sich niemand vorstellen. Der 5-Jahresplan jedenfalls läuft schon seit meinem 25. Geburtstag. Niemand außer mir wird ihn jemals zu Gesicht bekommen. Aber er funktioniert. Ich habe mir einfach für jedes Jahr ein Ziel gesteckt, zwei Zwischenziele festgelegt, die ich im Blick behalten kann, und kann jetzt die Frage "Wo sehe ich mich in fünf Jahren?" relativ genau beantworten. Nämlich auf der Party zu meinem 30. Geburtstag. Wer mir diesen Post 2020 ausgedruckt auf den Tisch knallt und dazu "Rosebud" murmelt, ist automatisch eingeladen, muss aber Salzstangen mitbringen. Und ein Pony.

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