Samstag, 7. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #19

Diese Woche ging so richtig schön scheiße los. Das schöne Wetter, bei Gastronomen gemeinhin voller Freude (Chef) oder Schrecken (alle, die arbeiten) "Freisitzwetter" genannt, lockte die Menschen genau dahin: Auf den Freisitz, diese Ur-Leipziger Einrichtung, um die blassen Sonnenbrillengesichter in die Wärme zu halten und dabei Soja-Latte Macchiato mit Zimtaroma zu trinken. Nicht, dass ich ihnen das nicht gönne. Für meine Kollegen und mich hieß das aber, ein ganzes Wochenende im Dauerlauf zu verbringen.

Dabei haben, nach sechsundzwanzig Jahren einer innigen Hassliebe, meine Füße den Dienst quittiert. In den letzten Wochen hatte ich schon manchmal Probleme beim Laufen, das aber auf die neuen Turnschuhe geschoben, denn in den meisten anderen, auch den berüchtigten zwölf-Zentimeter-Glitzer-Highheels, konnte ich normal gehen. Das war am Sonntag vorbei - von einer Sekunde zur nächsten hatte ich höllische Schmerzen in beiden Fersen, jeder Schritt war, um es mit Hans Christian Andersen zu sagen, als ob ich "auf spitzige Nadeln und scharfe Messer träte". Da ich niemanden im Stich lassen wollte, habe ich so gut es ging weitergearbeitet, und mein Kollege hat sein Bestes getan, mich zu entlasten.

Nunja, seitdem kann ich nicht mehr laufen, und tue es trotzdem, weil das Kind ja trotzdem zur Tagesmutter und zurück nach Hause muss, ich ja trotzdem Seminare habe und und und. Jeder, der mir rät, ich solle "mal die Füße hochlegen", darf gerne all das übernehmen, oder für immer schweigen.

Ansonsten habe ich sehr auf das Wochenende hingefiebert - der Samstag, an dem dieser Text erscheint, war eigentlich für einen Kurztrip zu Verwandten geplant, der aber kurzfristig abgesagt wurde, und wird damit der erste freie Samstag, den wir dieses Jahr zur Verfügung haben. Das erste freie (verlängerte!) Wochenende! Erst wollten wir stattdessen irgendetwas anderes unternehmen - Tagesausflug, Ikeabesuch, endlich mal das Kinderzimmer einräumen, mein vage angekündigtes Bauprojekt starten, irgendetwas Spannendes. Aber eigentlich möchte ich einfach nur drei Tage lang mit Kühlakkus am Knöchel auf dem Balkon sitzen, Cider trinken und den Bienchen und Blümchen und meinem Kind auf dem Dreirad zusehen.




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