Sonntag, 24. Januar 2016

Samstagskaffee - Woche #4


Weichzeichner is a girl's best friend.


Kindergartensuche - ein Graus. Besonders, wenn das Kind ein Frühlingskind ist. Denn Kindergartenplätze werden erst im Herbst frei, wenn die ABC-Kinder in die Schule aufrücken und mein Kind entweder ein halbes Jahr zu jung oder bereits ein halbes Jahr "zu alt" ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe meine Tagesmutter. Unter all den unmotivierten, un(aus)gebildeten, unfreundlichen Tagesmüttern, die ich bei der Suche nach ihr kennengelernt habe, stach sie hervor wie ein Licht am Ende eines sehr deprimierenden Tunnels. Sie ist das perfekte Gegenstück zu mir selbst: Immer freundlich, gut gelaunt und engagiert, wird vom Vorlesen nicht müde und hat immer neue Ideen, wie man Kleinkinder bei Laune hält. Während ich ihm Dinge beibringe wie wer der Mann auf der Urkrostitzer-Flasche ist oder wie ein Verbrennungsmotor funktioniert (Danke, Google), lernt er von ihr lebenspraktische Dinge - sich durchsetzen gegen andere Kinder und viele viele Reime und Lieder.

Kurz: Ich liebe meine Tagesmutter. Aber einen pädagogischen Spagat zwischen einem acht Monate alten Baby und einem Dreijährigen, der sich gerade Lesen beibringt, kann man als einzelne Person nicht schaffen. Und in letzter Zeit macht sich das bemerkbar. Dazu wird sie demnächst Babypause einlegen.

Kindergartensuche bedeutet vor allem hartnäckig sein. Anderen auf den Keks gehen. Das kann ich nicht besonders gut. Wenn jemand schreibt "Wir bitten Sie, von weiteren Anfragen abzusehen", gehe ich davon aus, dass er das so meint, und nicht, dass er einen nach zwei Wochen wieder vergessen hat und erinnert werden möchte. Und dann dieses Anbiedern. Da gibt es Kindergärten, die auf ihren Homepages Bewertungen von betreuten Kindern abdrucken. Ich wette, die haben die Erzieher selbst geschrieben. Bestimmt Fabian, der kommt am besten weg.

Vielleicht gründet sich meine Abneigung gegen Kindergärten auf meine eigenen schlechten Erfahrungen. Noch Jahre nach der Wende wurden hier in Sachsen die gleichen Erzieherinnen mit den gleichen, teils fragwürdigen Methoden in Kindergärten eingesetzt. Alle Menschen meines oder eines älteren Jahrganges, mit denen ich zu tun habe, können Horrorgeschichten über ihre Erzieherinnen erzählen, von einfacher Fahrlässigkeit bis zu psychischer und physischer Gewalt. Ich kenne wenige, die gern und liebevoll an diese Zeit zurückdenken. Vor allem Kinder, die ein bisschen aus der Reihe tanzten, wurden von der spätsozialistischen Gleichmacherei getroffen. Das sollte ja mittlerweile anders sein.

Nunja, ich suche weiter.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Neuerer Post Älterer Post
Design und Inhalt © Morjanne | 2015