Samstag, 16. Januar 2016

Samstagskaffee - Woche #3


via musicfeeds.com.au


Es gibt Zeiten, in denen ist es besonders schwer, auf dieser Welt zu leben. Es ist schwer, Frau zu sein, es ist schwer, denkender Mensch zu sein. Es ist schwer, nicht in Automatismen zu verfallen, und manchmal hätte ich Lust, mich einfach einer obskuren Sekte anzuschließen, nur um einer höheren Macht pauschal die Schuld geben zu können, und sie nicht in komplexen politischen und soziokulturellen Zusammenhängen zu suchen, die sich nicht lösen lassen.

Die gleiche Ohnmacht, die ich seit Jahren empfinde, wenn wieder einmal ein Raketenhagel einen Waffenstillstand in Israel bricht, wenn wieder ein Versuch scheitert, in den USA schärfere Waffengesetze einzuführen, wenn wieder irgendwo ein gigantischer Missbrauchsskandal aufgedeckt wird, die gleiche Ohnmacht scheint sich im Moment regelrecht festzusetzen und mich zu lähmen. In- und außerhalb meiner Familie scheint seit Jahren eine Hiobsbotschaft die nächste zu jagen, und es gibt Zeiten, da vergisst man die ganzen guten Nachrichten dazwischen.

David Bowie ist gestorben - der einzige Mensch auf der Welt, an dessen Unsterblichkeit ich wirklich und wahrhaftig geglaubt habe. Natürlich finden viele es albern, um Menschen zu trauern, die man nicht persönlich kannte, aber solche Leute wiegen auch Menschenleben gegen Menschenleben auf und sagen höhnisch Sätze wie: "Der Tod eines Menschen ist eine Tragödie, der Tod von Millionen nur eine Statistik." Dieser Satz stammt übrigens von Josef Stalin, und er stimmt. Weil unser Hirn ab einer bestimmten Dimension Tragödien nicht mehr verarbeiten kann und sich damit schützen muss, sie in Statistiken umzuwandeln. nicht umsonst haben wir (ja, wir) jahrelang mehr oder weniger geistesabwesend die ertrunkenen Menschen im Mittelmeer überblättert, aber waren schockiert und fassungslos angesichts der Leiche eines Kleinkindes am Strand.

Und so war es auch sein Tod, der mich diese Woche schockiert hat (und, ein paar Tage später, Alan Rickmans). Die Welt ist ärmer um einen Mann, der Millionen von Leben berührt und besser gemacht hat.

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