Samstag, 19. November 2016

Samstagskaffee - Woche #whocares

Dieses Jahr hat mich der Herbst-Blues frontal erwischt. Eigentlich mag ich Herbst, ich mag die trübe Stimmung und die abfallenden Temperaturen, die bunten Blätter und den erdigen Geruch in der Luft. Der Lichtmangel hat mir noch nie etwas ausgemacht, eigentlich mochte ich es bisher auch, nur im Kerzenschein am Esstisch zu sitzen oder nach der Arbeit durch die Dunkelheit nach Hause zu radeln.


(c) getty images via wetter.at


Dieses Jahr aber wurde mit dem Tageslicht auch meine Stimmung düsterer, ich schlafe schlecht, kann mich kaum motivieren, möchte mich am liebsten von Schokolade ernähren und den ganzen Tag auf dem Sofa vergammeln, wo ich dann vor mich hinbrüte und mich ärgere, dass ich so nutzlos und faul bin.

Dazu kommt die Gereiztheit. Ich bin kein besonders emotionaler Mensch und hasse nichts mehr als Leute, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Zur Zeit allerdings fällt mir das deutlich schwerer als sonst, ich könnte bei Kleinigkeiten explodieren und reagiere auf jede noch so winzige Provokation. Unnötig zu erwähnen, dass da ein Dreijähriger mit verbal zelebrierter analer Phase nicht direkt der beste Umgang ist.

Zu saisonalen Depressionen gibt es allerlei Forschung und Meinung, angeblich soll Lichttherapie oder gar Solarium helfen. Mir persönlich würde vermutlich am meisten helfen, wenn ich irgendwann mal wieder gesund wäre, jemand meine Wohnung putzen würde und sich mein Konto auf magische Art und Weise im Plus halten könnte. Und dann könnte 2016 auch aufhören, einfach nur immer beschissener zu werden und einen großen Menschen nach dem anderen zu killen. Ich habe ehrlich Angst um Bob Dylan.




Und die Arbeit? 


Läuft, läuft. Ich habe bald bessere Schichten, mehr Stunden und mehr Geld. Das verdanke ich ironischerweise einer Kollegin, die aufhört, weil sie - man höre und staune - eine Stelle als Historikerin gefunden hat und nicht mehr kellnern muss. Wunder geschehen, people, es ist nicht alles verloren. Jetzt übernehme ich also ihre Muttischicht unter der Woche, und gebe dafür die Bar am Wochenende ab.

Ein bisschen werde ich die Sonntagsfrühstücker vermissen, das ist schon eine sehr eigene Stimmung. Andererseits sollte jeder, der sonntags Punkt zehn frühstücken geht und sich die Nase an Fensterscheiben des Restaurants plattdrückt, während die Angestellten doch nur in Ruhe ihren Kaffee austrinken wollen, bis die doofen Gäste reingelassen werden müssen, einen grausamen Kältetod sterben, aber das ist wohl nur wieder dieser Pessimismus, der mir ständig unterstellt wird. Wenigstens mein Kollege ist traurig, dass er jetzt sonntags nicht mehr meine schlechten Witze hören darf, und sucht nach einem passenden Ersatz, der ihn wegen seiner Herkunft (Baden-Württemberg) diskriminiert.

Und die Uni?


Läuft, läuft. Ich versuche mich in Themen für meine Bachelorarbeit einzulesen, mit dem Erfolg, dass die Fragestellungen immer mehr und immer differenzierter werden, aber gleichzeitig sind alle Ansätze so furchtbar spannend, dass ich mich immer weniger für nur einen entscheiden kann. Es ist nicht immer leicht.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Tagträumer-Trauma

(c) Bespoke Laser


Ich bin ein ewiger Schlendrian. Je älter ich werde, desto besser wird es, ich organisiere mich, ich hefte ab, ich erstelle tausend Reminder und arbeite effektiver und gründlicher und und und... stehe regelmäßig vor einem riesigen Berg an Unerledigtem, bekomme plötzlich einen Schock, weil ich diese eine wichtige Sache vergessen habe, und höre sofort die Stimme meiner Mutter, die mir wieder und wieder predigt, ich solle nicht so viel vergessen. Deadlines, Unterlagen, immer wenn ich denke, ich hätte alles im Griff, kommt etwas, das ich nicht auf dem Schirm hatte und das alles über den Haufen wirft.

Schon als Kind war ich ein Träumer, nie ganz in der Realität, sondern immer ein bisschen neben der Spur. Solange ich zurückdenken kann, war "Ach, die Marianne..." ein gängiger Seufzer in meiner Umgebung und ist es bis heute. Auf Kinderfotos starre ich in die Luft, mit glasigen, aufgerissenen Augen, wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mein Sohn hat exakt den selben Blick, nur sind seine Augen leuchtend blau statt braun.

Ich bin froh, dass ich auf dem Dorf aufwachsen durfte. Überall sonst wäre ich hoffnungslos verloren gewesen, wäre ohne nachzudenken mit jedem Fremden mitgegangen oder hätte einfach vergessen, wo ich bin. Auch heute bleibe ich größtenteils aus Angst in Leipzig, mich anderswo nicht zurechtzufinden, was Quatsch ist, weil ich in allen Städten bisher festgestellt habe, dass ich mich schon nach kurzer Zeit viel besser orientieren konnte als meine jeweiligen Begleiter.

Diese Woche warf ich einen Blick in die Prüfungsordnung und erschrak, weil ich nicht mitbekommen hatte, dass ich längst ein Latinum nachweisen müsste, um die Bachelorarbeit beantragen zu können. In meinem eigenen Plan habe ich es aber frühestens nächstes Semester. So etwas wirft mich immer aus der Bahn, wieso habe ich das auch aufgeschoben, warum habe ich nicht eher nachgelesen, was sage ich nur meinem Betreuer, was meinen Freunden und Familie, und warum warum warum bin ich nur immer so vergesslich.




Das Wichtigste, was ich im Studium bisher gelernt habe, ist: Alles halb so schlimm. In Wirklichkeit sitzen in der Uni keine Paragraphenreiter und Bürokraten, sondern Menschen, mit denen man reden kann. Von anderen Fakultäten habe ich schon anderes gehört, aber Geisteswissenschaftler sind ja immer ein bisschen anders. Vielleicht sind unter ihnen genug Trödler und Träumer, oder vielleicht wissen sie, dass es Wichtigeres gibt als Konformität, oder vielleicht haben sie einfach nur kein Interesse daran, jungen Menschen die Zukunft zu verbauen. In jedem Fall hören sie sich das Problem an, winken ab und sagen "Das passt schon."

Und auch wenn  ich jedes einzelne Semester ankomme, kam bisher noch keiner auf die Idee zu sagen: "Ach, Frau Ziegenbalg... seien Sie doch nicht immer so vergesslich!"
Freitag, 21. Oktober 2016

Welcome, WS 16/17

Es ist geschafft, das fünfte Semester - mit nur drei Wochen Verspätung (*hust*) habe ich heute die letzte Hausarbeit abgegeben.

Ja, schon wieder Verspätung.

Ja, Studieren mit Kind kann einem ganz schön die Planung zerhauen.

Nein, ich bin wie immer nicht zufrieden. Aber wenn jetzt jemand kommt und fragt, wie eigentlich die sächsischen Staatsfinanzen unter Friedrich dem Weisen aussahen, kann ich zumindest eine halbstündige Antwort geben. Und nebenbei meine etwas weirde Begeisterung für Verwaltungsgeschichte kundtun.

Außerdem bin ich immer noch nirgends eingeschrieben, unter anderem deswegen:



Aber das macht nichts, denn eigentlich habe ich fast alle Credits zusammen, und die Bachelorarbeit rückt tatsächlich langsam in greifbare Nähe. Mein Wunschbetreuer ist (fast) überzeugt, ein Thema zumindest grob umrissen, und wenn ich es jetzt noch schaffe, mein Latinum zu bestehen, darf ich mich in gerademal zehn Monaten Bachelor of Arts schimpfen und muss nie wieder meiner Mutter die Frage beantworten, ob das mit dem Studium denn jetzt auch wirklich nicht zu schwer für mich ist.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Semesteranfang

Plagwitz halt.

Es ist, wie es immer ist: Mein Leben ist zu schnell, die Tage zu vollgestopft, um abends auch noch zu bloggen, ich bin ruhelos und gehetzt. Heute verirrte ich mich auf den Campus, um in Ruhe meine Hausarbeit weiter zu schreiben, und fand mich plötzlich mitten in der Erstsemester-Einführungswoche, zwischen pickeligen Großkotzen und Mädchen mit Zahnspangen, alles war voller Geschnatter und Gekicher und "Meeegaaa!"-Rufen und prallen Primark-Tüten, und ich fragte mich nicht nur, wann ich eigentlich so furchtbar alt geworden bin, sondern auch, seit wann Studienanfänger so dumm sein dürfen.

Alle Gespräche, die ich hören musste, kamen mir so schrecklich oberflächlich vor, über den coolen Ruf Leipzigs und süße Schuhe und noch süßere Dozenten, über die Tücken des ersten eigenständigen Wäschewaschens und was man später mal werden will.

Irgendwann gelang es mir, das Hintergrundgeräusch balzender BWL-Anfänger auszublenden und tatsächlich fünf Seiten zu schreiben, drei Seiten ohne Deckblatt und Inhaltsverzeichnis, und verzog mich nach ein paar Stunden deprimiert in die Mensa.

Nebenbei schrieb die Fakultät mir, dass ich das Modul, das ich eigentlich belegen wollte, nicht belegen dürfe, sodass ich ohne Plan und ohne für eine einzige Prüfungsleistung angemeldet zu sein in mein 6. Fachsemester starte. Da die dazugehörige Vorlesung allerdings von dem Professor gehalten wird, bei dem ich auch gerne meine BA schreiben will, werde ich trotzdem hingehen.

Mittwoch, 7. September 2016

Einschub

Eine bittere Erkenntnis brachte die Woche: Man kann in Menschen nicht hineinsehen.
Man kann ihnen nicht ansehen, anmerken oder vorausahnen, wozu sie fähig sind. Und manchmal ist es nur Zufall, ob man es jemals herausfindet.
Donnerstag, 25. August 2016

Unterwegs: Hamburg Ahoj!

Ich hatte Urlaub, oder sowas in der Art: Während Mann und Kind zu Hause blieben, bin ich zu meiner Schwester nach Hamburg gefahren, um ihr ein bisschen bei der Kinderbetreuung zu helfen. Nebenbei habe ich mir die Stadt angesehen, das kam bei den letzten Besuchen vor unendlich vielen Jahren (oder zwei Kindern, wie man in meiner Familie rechnet) einfach zu kurz.




Und so war ich eine ganze verregnete Woche lang auf St. Pauli. Vom Balkon aus konnte man die Reeperbahn sehen, was zugegebenermaßen unter der Woche bei Regen nicht weiter spannend ist, auf dem Weg zum Kindergarten kam ich an drei Sex-Kinos vorbei, was für mich etwas gewöhnungsbedürftig war, und dazwischen gab es vegane Eisläden, Hipster im Nadelstreifen und obdachlose Kapitäne, was dann auch schon wieder ein bisschen an Plaguewitz erinnerte.

Mit dem Meer verbindet mich so einiges, nicht nur die Kindheitserinnerungen an Nord- und Ostseeurlaube. Der Urlaub in Stralsund mit meinem Mann und unserem (ungeborenen) Kind war der schönste, den ich je hatte, und jedesmal, wenn ich in einer Stadt am Meer bin, überraschen mich wieder die freundlichen Menschen überall. Dazu kommt die Luft: Meine im Sommer dauerverschnupfte Nase verträgt eine steife salzige Seebrise deutlich besser als die Leipziger Lindenalleen.

Das einzige neben meiner generellen Liebe zu Leipzig, das mich effektiv davon abhält, ans Meer zu ziehen, ist meine panische Angst vor dem Ertrinken. Offene Gewässer sind einfach nichts für mich, und näher als zwei Meter kann ich ans Hafenbecken nicht herantreten, ohne Schweißausbrüche zu bekommen.

Die Woche war trotzdem schön und trotz zweier sehr sehr lebhafter Kinder erstaunlich erholsam.
Samstag, 23. Juli 2016

Samstagskaffee - Woche #28




Auch diese Woche mache ich einen Bogen um all die furchtbaren Nachrichten in der Welt - wenn diese Würstchen eines bereits genug haben, dann doch Aufmerksamkeit. Davon abgesehen hasse ich Spekulationen. Und Idioten sowieso.





Diese Woche waren Herr F. und ich am Cospudener See. Die letzte Woche Urlaub der Tagesmutter neigt sich dem Ende zu. Darauf folgt die letzte Woche mit der Tagesmutter überhaupt, bevor es heißt: Kindergarten Ahoi! Wer weiß, was uns da erwartet. Ich hoffe auf Sauberwerden und Abschied vom Schnuller.

Schnell verlinkt

Donnerstag, 21. Juli 2016

Unterwegs: Ein Tag am See



Herr F. und ich waren am Cospudener See. Er ist nicht der Schönste im Leipziger "Neuseenland", aber der erreichbarste von unserem Haus aus - mit Bus und Straßenbahn ist man in gerade mal 20 Minuten am Strand.

Früher bin ich oft mit dem Fahrrad durch die Seenlandschaft gefahren, durch Wald und Wiese, vorbei an riesigen Industriedenkmälern, an weidenden Auerochsen, an den Apelsteinen. Dann habe ich mich abseits des Trubels ans Ufer gesetzt, in die Böschung, wo es keinen Sand, aber Badestege und Ruhe gibt. Heute sitze ich am Sandstrand in der Sonne und baue Matschburgen, wische Tränchen und Schlammspritzer aus Kinderaugen, krame ständig Sonnencreme, Apfelstückchen, Wasser, Sandförmchen, Feuchttücher aus der Tasche, esse Eis- und Pommesreste auf, verscheuche Fliegen und versuche einem zappeligen Kleinkind zu erklären, warum er mittags wenigstens eine halbe Stunde unter dem schattigen Sonnenschirm sitzen soll und warum Mamas Augen ständig zufallen.




Nett war es trotzdem, und fühlte sich sogar ein klein wenig wie Erholung an. Nur ein Cocktail mit viel Eis und Schirmchen hat gefehlt.

Samstag, 16. Juli 2016

Samstagskaffee - Woche #27



Hiobsbotschaften - schnell und bequem verfügbar am Frühstückstisch. Wenn ich morgens aufstehe, lese ich Nachrichten, und irgendwie macht das dieses Jahr so gar keinen Spaß. All die Toten, all die politischen Verwirrungen - die ganze Welt scheint 2016 unbedingt die Erde in die Luft jagen zu wollen.



Ich hatte eine nette Woche. Herr F. und ich waren in Merseburg, um uns den berühmten Dom anzusehen. Und eine der ältesten Städte Mitteldeutschlands. Gemütlich war es, und eine Bratwurst auf Kleinstadtmarktplätzen in wackeligen Klappstühlen lässt immer irgendwie Urlaubsfeeling aufkommen.

Und jetzt: Heute ist CSD. Geht raus! Geht feiern! Bringt ein bisschen Farbe in den Trübsinn!
Mittwoch, 13. Juli 2016

Unterwegs: Merseburg

Die letzte Prüfung liegt hinter mir, und in den Augen der Leute, die gern über "faule Studenten" reden, habe ich jetzt Semesterferien. Natürlich sind Ferien keine Ferien, sondern Zeit, eine schöne lange Hausarbeit zu schreiben, Zeit, mehr zu arbeiten, weil man das Geld so dringend braucht, und vor allem Zeit mit einem Dreijährigen, dessen Tagesmutter zwei Wochen in Italien am Strand liegt. Gut, dass so ein Dreijähriger auch mit Geschichte und Kultur zufrieden ist, und wenn Mitteldeutschland etwas hat, dann doch Geschichte und Kultur! Die Mission lautet: So weit das Semesterticket trägt. Es ist erschreckend, dass ich acht Jahre in Leipzig wohne und vom Umland quasi nichts kenne. Da schämt man sich ein bisschen, wenn man Vorlesungen in der Sächsischen Landesgeschichte belegt.



Wir waren also in Merseburg. Von Leipzig aus ist die Anreise auch im üblichen Sommerchaos der LVB (Kommt der SEV? Kommt er nicht? Was ist ein SEV?!) relativ unproblematisch mit der Linie 131 (Jaaaa, die, die zu Ikea fährt) vom Hauptbahnhof möglich und dauert leider eine ganze Stunde, obwohl die Stadt wirklich nicht weit weg ist. Besichtigt wurden natürlich Dom und Schloss (im Bild) samt Kulturhistorischem Museum.

Herr F. hatte leider ein bisschen Angst vor Totenschädeln, und ich muss zugeben, als einzige Besucher in einem beengten Kellergewölbe stehen, mit dramatisch ausgeleuchteten menschlichen Gebeinen um sich, das ist schon speziell. Ich hätte mir die Schädel und das Grab trotzdem gerne näher angesehen, wurde aber mit einem panischen "Weiter, weiter! Nicht gucken!!!" aus der Frühen Siedlungsgeschichte gerissen.

Außer Dom, Schloss und diversen Überresten der Stadtmauer gibt es in Merseburg allerdings nicht so wahnsinnig viel zu sehen. Das Übel, das die meisten Städte mit weit zurückreichender Geschichte verfolgt, ist, dass sie meistens recht wenig mehr als das zu bieten haben. Die relativ leeren Straßen zwischen all den schönen, sanierten Fassaden erinnerten mich stark an Görlitz: Man geht gern durch und guckt und staunt und das Historikerherz lacht, aber wohnen kann man dort nicht.

Die nächsten Ziele, die wir uns vorgenommen haben, sind unter anderem Querfurt, Altenburg, natürlich Halle und dann auch wieder heimatlichere Gefilde, die Sächsische Schweiz.

Mittwoch, 6. Juli 2016

Hörspiele für (Klein)kinder

Ich bin ein schrecklich schlechter Vorleser. Nach drei Sätzen fange ich an zu gähnen, ich habe keine Lust, Stimmen zu imitieren, die meisten Kinderbücher sind schlecht geschrieben und für meinen Geschmack zu "dumbed down". Herr F. dagegen ist leidenschaftlicher Bücherfreund und Zuhörer, und man muss zu jeder Tages- und Nachtzeit damit rechnen, dass einem plötzlich mit treuem Blick eines von tausend Pixi-Büchern in die Hand gedrückt wird: "Kannst du mir das bitte vorlesen?"

via wandtattoos.hoferfotos.at

Umso schöner, dass Spotify eine ganze Stange Kinderhörspiele auf Lager hat, die auch für einen Dreijährigen schon geeignet sind. Nach dem dritten oder vierten Buch kommt also meistens die Frage "Soll ich dir nicht lieber ein Lied anmachen?"


  • Bibi Blocksberg. Ein Klassiker der Kinderhörspiele, zeitlos witzig und ein unerschöpflicher Quell an Insiderwitzen meiner Schwestern. Joachim! Bibi und Tina mag ich auch sehr, Benjamin Blümchen dagegen gar nicht. Hexen okay, aber ein sprechender Elefant!?
     
  • Wickie. Seit sein Opa ihm eine Wickie-Spielesammlung geschenkt hat, ist das Kind großer Wikingerfan. Sowohl die (alte) Zeichentrickserie als auch Bücher haben es ihm angetan. Hörspiele gibt es auch, eine alte und eine neue Version.
     
  • Käpt'n Sharky. Mit den Wikingern kommen auch die Piraten in Mode, so ist das. Käpt'n Sharky finde ich eigentlich ganz niedlich, die Geschichten sind unterhaltsam und nicht nervtötend kreischig.
  • Der Traumzauberbaum. Noch so ein Klassiker - zu meiner Zeit noch auf Schallplatten, bei meinen Großeltern. Wenn die Seite zu Ende war, musste man in die Küche schleichen und Oma bitten, die Platte zu drehen. Vorher wurde immer der Staub mit einer speziellen Bürste abgewischt. Herr F. bevorzugt leider die neueren Traumzauberbäume mit Traumläusen und Hochzeitspferden, die mich furchtbar nerven.
     
  • Mimmelitt, das Stadtkaninchen. Auch von Reinhard Lakomy, von 1984. Die Handling ist ein wenig dürftig, aber die Lieder sind kindgerecht und witzig.
     
  • Feuerwehrmann Sam. Welches Kind möchte nicht Feuerwehrmann werden? Wir laufen jeden Morgen einen kleinen Umweg, um die Feuerwache zu passieren und zu sehen, ob ein Löschwagen draußen steht. Feuerwehrmann Sam ist darauf ausgerichtet, Kindern den richtigen Umgang mit Gefahrensituationen beizubringen, ohne zuuuu belehrend zu sein. Die Erwachsenen sind alle Trottel, was mich meistens ein bisschen nervt, aber eigentlich macht es auch Spaß, über sie zu lachen.
     
  • Tabaluga. Das habe ich als Kind stundenlang gehört, und ich kann bis heute die Alben auswendig. Alle Alben. Auch die, die lange nach meiner Kindheit erschienen sind. Ähem. Es ist jedenfalls eine sehr schöne Geschichte. Für Kinder.
     


Ebenfalls sehr putzig finde ich Ritter Rost, der Herrn F. aber "zu laut" war. Der ist wohl eher für ältere Kinder geeignet.

Montag, 4. Juli 2016

Samstagskaffee - Woche #26

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das jeder studentische Elternteil kennt und fürchtet. Jedes Semester wieder hoffen alle, dass sie diesmal verschont bleiben und der Kelch an ihnen vorbeigeht, aber das Leben ist hart und unerbittlich, und deswegen heißt es auch jetzt: Pünktlich zur Prüfungszeit werden Tagesmütter, Kindergärtnerinnen und/oder die Kinder selbst krank.

In den letzten drei Semestern, und auch dieses, hat es mich erwischt, dass ich plötzlich, statt zu lernen, ein quietschfideles Kleinkind zu bespaßen hatte, während die Tagesmutter irgendeinen fiesen Keim auskurierte. Letztes Jahr fiel die Prüfungswoche ausgerechnet mit dem Ferienbeginn zusammen, an dem sie sich frei nehmen musste, um ihre eigenen Kinder zu betreuen.

Jetzt sitze ich also zu Hause, kann mich schlecht konzentrieren, die Prüfungen rücken näher, die letzten Lehrveranstaltungen verstreichen ungehört, das Kind sortiert seine Kronkorkensammlung und möchte ständig Memory spielen.


(HBO)


Dann habe ich endlich die sechste Staffel Game of Thrones angefangen. Ich bin so ein furchtbar ungeduldiger Mensch. Ironischerweise so ungeduldig, dass ich immer warte, bis eine Staffel vollständig erschienen ist, um nicht nach jeder Folge eine Woche warten zu müssen. Da gefühlt 150% meiner Freunde GoT-Fans sind, waren Spoiler echt schwer zu vermeiden. Aber es hat sich gelohnt - zehn Folgen in nur drei Abenden, und was für Folgen! Was für ein Gemetzel! Großartig. Die Bücher und die Serie sind auf so viele Arten und Weisen bahnbrechend, alles, was jemals wieder im Fantasy-Bereich gemacht wird, muss sich daran messen lassen. Ich bin immer wieder froh, in so einer großartigen Zeit zu leben.


Mittagspause!


Und dann erscheint dieser Post ja auch am 4. Juli. Das ist nicht nur für Amerikaner ein Grund zum Feiern, sondern auch für mich und meine Kollegen - das Kaiserbad wird genau ein Jahr alt. Bei der Eröffnung habe ich auch gearbeitet, bin also quasi seit Stunde 0 dabei und werde es wohl auch hoffentlich noch eine Weile bleiben.

Und jetzt: Prüfungszeit!

Montag, 27. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #25



Heute ist gar nicht Samstag, werden Sie empört ausrufen, heute ist Montag! Und Sie haben Recht, Sie Fuchs, Sie. Und das da ist auch kein Kaffee, sondern Erdbeerlikör!

Die Woche, ach was, die letzten zwei Wochen waren einfach zu schnell vorbei, und zu viel schwirrte mir um den Kopf, worüber ich mir Gedanken machen muss(te). Von meinem eigenen Shit abgesehen hat mich auch das Brexit-Votum nicht ganz kalt gelassen, zumal ich in den letzten Monaten VWL-Schlüsselqualifikationsmodul auch ein paar Zusammenhänge besser verstanden habe und mittlerweile die Wirtschaftsnachrichten lesen kann, ohne jedes zweite Wort nachzuschlagen. Erfolgserlebnisse allerorten!



Der kleine Basilikum hat sich gut gemacht, und auch der Rest des Fensterbrett-Gemüsegartens wächst und gedeiht. Auch wenn sich der Kürbis als Chauvi erweist und ausschließlich männliche Blüten produziert. Aber ich habe ihn auch nicht gekauft, um dann orangene Riesen vor dem Fenster liegen zu haben. Die Tomate dagegen verträgt Standort und Pflege erstaunlich gut und produziert fleißig grüne Knubbels. Wenn die sich als essbar erweisen sollten, erweitere ich das Nutzpflanzenabteil nächstes Jahr noch um eine weitere Tomate und vielleicht auch einen kleinen Paprika. In mir wohnt eben doch ein kleiner Öko. Apropos:



Ich hatte dieses Jahr nicht viel Lust, handzuarbeiten. Diese Woche allerdings hatte ich wieder mehrere Abende, an denen ich nichts Sinnvolles mehr tun oder denken, sondern nur noch meine Ruhe wollte. Dabei habe ich ein bisschen vor mich hin gehäkelt, größtenteils improvisiert, inspiriert von Pinterest. Noch sieht es aus wie etwas, das sich alte Damen auf die Sofalehne legen, aber bald soll es meinen Oberkörper schmücken.




Samstag, 11. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #23




Basilikum, Basiliki, Basiliko - es sprießt auf der Fensterbank. Basilikum ist ja bekanntermaßen eine kleine Mimose, also halten sich die Erwartungen in Grenzen. Aber schauen wir mal, wie's weitergeht. Die Tomate daneben blüht auch schon. Wie aufregend.

Wenn dieser Text erscheint, bin ich gerade in Berlin und schaue mir Dinosaurierskelette an. Nach meinem unsanft von Magen-Darm-Kram beendeten Ostern ist das mein zweiter sowas-wie-Urlaub dieses Jahr. Der dritte und letzte kommt im August, wenn ich meiner Schwester in Hamburg beistehe. Mein dritter Hamburgbesuch, und diesmal sehe ich vielleicht sogar mal was von der Stadt. Die letzten Male bin ich betrunken U-Bahn gefahren. Auch schön.

In Berlin war ich erst einmal, und die Stadt ist mir nicht besonders sympathisch, aber auch Schwiegerväter wollen mal besucht werden, und der kleine Herr F. freut sich wahnsinnig auf das einzig vollständig erhaltene T-Rex-Skelett Europas, das dort gerade im Museum steht. Und gerade an Museen hat die Stadt ja einiges zu bieten, sodass ich mich gar nicht weiter mit den Berlinern abgeben muss. Auch wenn in meiner letzten Hausarbeit wenig schmeichelhafte Dinge über die Deutschen und ihre neurotische Sehnsucht nach Zentralismus zitiert wurden, aus der nach Theorie des Autors die Museumsinsel hervorgegangen ist. Manchmal merke ich mir gar, was ich lese, normalerweise, um es irgendwann an völlig unpassenden Stellen einzuflechten. Apropos Hausarbeit: Auch dieses Semester muss ich wieder eine schrieben, diesmal geht es um das Marktprivileg in Leipzig. Ich finde ja, Regionalgeschichte wird unterschätzt. Manchmal muss man es eben auch anfassen können.




Und dann habe ich wieder einmal meinen Kleiderschrank aussortiert, diesmal noch rigoroser. Ich hatte mir vor ein paar Wochen eine Kleiderstange gekauft, auf der demnächst alle meine Kleider und Blusen hängen dürfen, denn eigentlich bin ich ein großer Fan von offenen Kleiderschränken. Der jetzige ist auch offen, hat aber nur eine kleine Stange, sodass die Kleider immer knittern. Stattdessen wird dort jetzt mehr Bettwäsche und Decken gelagert. Wieder ein winziges Stückchen Ordnung mehr - es sind die kleinen Dinge im Alltag, die mich beglücken.

Wie zum Beispiel dieses Kleid. Ignorieren Sie den Giraffenhals. Keine Ahnung, was da passiert ist. Das Kleid ist toll, habe ich festgestellt.

Samstag, 4. Juni 2016

Samstagskaffee - Woche #22

Selfie #1

Diese Woche war... durchwachsen. So unnötig anstrengend. Und Pickel hat'se auch. Meh.

Am Dienstag habe ich versehentlich meinen Kollegen mit einer unschönen Geste bedacht. Er hatte mich auf der Straße gesehen, und gehupt, um zu fragen, ob er mich mitnehmen soll. Das war einer dieser Tage, die es manchmal im Sommer gibt, einer dieser Tage, bei denen ich das Gefühl habe, alle (Männer) um mich herum sind verrückt geworden, haben jegliche Selbstachtung und Menschlichkeit verloren, einer von diesen Tagen, an denen ich abends vor dem Spiegel stehe und überlege, ob ich da nicht einfach nur ein bisschen zu empfindlich bin.

Kurzum: Er war der fünfte oder sechste, der an diesem speziellen Nachmittag, und das nur auf dem Weg zur Tagesmutter, beschlossen hatte, mir hinterher zu hupen, und ich hatte mittlerweile so die Nase voll, dass ich einfach nur den Finger hob und weiterging. Die meiste Zeit kann ich Blicke, Pfiffe, Kommentare ausblenden, aber manchmal bricht das alles so über mich herein, dass ich eigentlich um mich schlagen und nach Hause gehen möchte. Dann möchte ich keine "Komplimente" mehr aus vorbeifahrenden Autos zugebrüllt oder im Bus ins Ohr geflüstert bekommen, keine blöden Anmachen von Typen, die sich neben mich setzen, wenn ich mit meinem Sohn ein Eis esse. Ist das zuviel verlangt?


Selfie #2

Dafür geht es jetzt erst mal schön weiter. Nach dem Wochenende, das ich mit Bier, Sophisterei und, ach ja, Arbeit verbringe, ist die nächste Woche ganz der Uni gewidmet. Es gibt viel zu tun, zu lernen, zu arbeiten. Das macht mir tatsächlich viel Spaß, mindestens so viel wie ein Nachmittag mit Kind, manchmal mehr. So ein Nachmittag ohne Kind hat auch was für sich. Ab und zu.

Samstag, 28. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #21

Und wieder fängt der Sommer an, und ich versuche mich als Gärtnerin. Vielleicht ist ja dieses Jahr mein Glücksjahr - bis jetzt zumindest sehen Tomate und Kürbis noch ganz lebendig aus. In den letzten Jahren war es damit relativ schnell vorbei. Dieses Jahr werde ich die Tomaten nicht auf dem Balkon aussetzen, sondern auf dem etwas sonnigeren Fensterbrett. Vielleicht hilft das ja. Und ansonsten hab ich immer noch meine Erdbeeren, die zuverlässig wie jedes Jahr ihre drei Früchte tragen...

Dann habe ich das erste Mal im Leben meinen Schlüssel vergessen. Ehrlich, ich habe schon alles vergessen und verloren, was es zu vergessen und verlieren gibt, aber niemals niemals meinen Schlüssel. Dummerweise an dem Tag, an dem Herr M. früher auf Arbeit musste, also musste ich eine Odyssee quer durch Leipzig absolvieren und aus lauter Frust und Zeitnot Currywurst mit Pommes zum Mittag essen. Es war schrecklich.





So sieht das aus, wenn ich einen "freien" Tag habe - ich bringe meinen Shit in Ordnung, lerne ein bisschen, esse nebenbei, trinke viel zu viel Kaffee und im Hintergrund läuft (hier unsichtbar) der Fernseher als Geräuschkulisse. Gut, dass mein Kind das nicht weiß.

Sonntag, 22. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #20

Endlich mal eine gute Woche, fast schon entspannt, mit guten Nachrichten und innerer Ausgeglichenheit. Dafür kommt der Samstagskaffee viel zu spät. Aber davon werd ich mir jetzt nicht die Laune verderben lassen.


Voll badass. Das Foto, das wir unserem Sohn später zeigen, um zu beweisen, dass wir auch mal cool waren. Damals.

Wie ich schon mehrmals sagte, sind Historiker nicht die, die mit vollen Stundenplänen und Arbeitspensum glänzen. Und so gönnen sie sich, neben dem späten Semesterbeginn und Seminaren, in denen locker diskutiert und mittendrin Kaffee ausgeschenkt wird, auch eine einwöchige Pfingstpause.

Das ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sieht man nur, wenn man mittendrin sitzt: Um entspannt zu diskutieren, braucht man Wissen und ein stabiles Faktengerüst, man muss mitdenken und den Faden behalten, Fachbegriffe und Namen kennen, und, ganz wichtig, immer wissen, wer gerade Kaiser, König, Kurfürst ist. Das Pensum ist nur auf dem Papier klein, praktisch verbringt man noch einmal doppelt so viel Zeit damit, zu lesen, und zwar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Latein. Wahlbereichsstudenten, die nicht aus der Geschichte kommen, sagen hinterher ganz atemlos, sie hätten irgendwann gar nichts mehr verstanden, und ob es nicht ein Buch gibt, wo alles Wichtige drinsteht.

Und so ist auch die Pfingstpause throretisch Lektürepause, in der der fleißige Historiker Zeit hat, all die Zusatzlektüre, die er am Anfang des Semesters empfohlen bekam, pro Modul so zehn bis zwanzig Bücher, in der Albertina durchzuackern. Keine Angst, macht keiner. Und wenn, dann schauen wir uns das Inhaltsverzeichnis an und trinken zur Belohnung ein Bier im Park.

Die Tabletten, die man meinen Füßen verschrieben hat, wirken, zumindest gehen die Schmerzen zurück, und anders als die Packungsbeilage verspricht, merke ich keine Nebenwirkungen, obwohl ich mich schon auf Halluzinationen und Adrenalinschübe gefreut ("gelegentlich") und ein bisschen Angst vor Ausschlag und Nesselsucht ("häufig") und Magenschmerzen mit blutigem Durchfall ("sehr häufig") hatte. Krasses Zeug, das. Aber vielleicht kommt das noch - und ich bin plötzlich nicht mehr Freundin und Mutter, sondern Manuel Neuer.

Dann ein Glücksmoment: Meine Hausarbeit, die mich Anfang des Jahres auf Trab gehalten und an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, weil plötzlich alles schief ging, die These sich als falsch und stundenlange Archivarbeit als umsonst entpuppte - diese Hausarbeit wurde mit meiner ersten glatten 1,0 bewertet. Kann man ein bisschen stolz sein. Finde ich.

Und damit das (professionelle) Glück nicht abreißt, habe ich meinen 5-Jahresplan überarbeitet. Ich mag Pläne. Pläne sind super. Meine Planerei sorgt dafür, dass ich weiß, wer und wo ich bin, dass mein Kind regelmäßig isst und ich halbwegs vorankomme im Studium. Ich glaube, das Chaos, das mein Leben früher war, kann sich niemand vorstellen. Der 5-Jahresplan jedenfalls läuft schon seit meinem 25. Geburtstag. Niemand außer mir wird ihn jemals zu Gesicht bekommen. Aber er funktioniert. Ich habe mir einfach für jedes Jahr ein Ziel gesteckt, zwei Zwischenziele festgelegt, die ich im Blick behalten kann, und kann jetzt die Frage "Wo sehe ich mich in fünf Jahren?" relativ genau beantworten. Nämlich auf der Party zu meinem 30. Geburtstag. Wer mir diesen Post 2020 ausgedruckt auf den Tisch knallt und dazu "Rosebud" murmelt, ist automatisch eingeladen, muss aber Salzstangen mitbringen. Und ein Pony.

Dienstag, 17. Mai 2016

Gut zu Fuß!



Oder eben auch nicht. Meinen Füßen, diesen Plagen, die mir und anderen Frauen meiner Familie damals mithilfe von Rattenblut und nackten Tänzen in Vollmondnächten von einer alten buckligen Frau mit Hakennase und Vollbart angehext wurden, damit wir nicht zuuuu schön würden (ähem ähem), geht es gar nicht gut. Sie wurden diese Woche nicht nur von zwei Vierjährigen als "voll hässlich und schief" bezeichnet (Nie wieder barfuß im Sandkasten!), sondern auch wegen meiner Laufschwierigkeiten der letzten Monate zum Arzt geschleppt, der sie mit entsetztem Blick und auch ein bisschen Anerkennung ("Solche Füße, in so jungen Jahren!") zum Chirurgen schickte, wo man ihnen demnächst noch mehr Aufmerksamkeit schenken und sie hoffentlich erfolgreich behandeln wird.

Was mir im Moment die meisten Sorgen macht, ist, dass ich so nicht arbeiten kann und sich das diesen Monat ziemlich deutlich aufs Konto auswirken wird. Sehr unschön.
Samstag, 7. Mai 2016

Samstagskaffee - Woche #19

Diese Woche ging so richtig schön scheiße los. Das schöne Wetter, bei Gastronomen gemeinhin voller Freude (Chef) oder Schrecken (alle, die arbeiten) "Freisitzwetter" genannt, lockte die Menschen genau dahin: Auf den Freisitz, diese Ur-Leipziger Einrichtung, um die blassen Sonnenbrillengesichter in die Wärme zu halten und dabei Soja-Latte Macchiato mit Zimtaroma zu trinken. Nicht, dass ich ihnen das nicht gönne. Für meine Kollegen und mich hieß das aber, ein ganzes Wochenende im Dauerlauf zu verbringen.

Dabei haben, nach sechsundzwanzig Jahren einer innigen Hassliebe, meine Füße den Dienst quittiert. In den letzten Wochen hatte ich schon manchmal Probleme beim Laufen, das aber auf die neuen Turnschuhe geschoben, denn in den meisten anderen, auch den berüchtigten zwölf-Zentimeter-Glitzer-Highheels, konnte ich normal gehen. Das war am Sonntag vorbei - von einer Sekunde zur nächsten hatte ich höllische Schmerzen in beiden Fersen, jeder Schritt war, um es mit Hans Christian Andersen zu sagen, als ob ich "auf spitzige Nadeln und scharfe Messer träte". Da ich niemanden im Stich lassen wollte, habe ich so gut es ging weitergearbeitet, und mein Kollege hat sein Bestes getan, mich zu entlasten.

Nunja, seitdem kann ich nicht mehr laufen, und tue es trotzdem, weil das Kind ja trotzdem zur Tagesmutter und zurück nach Hause muss, ich ja trotzdem Seminare habe und und und. Jeder, der mir rät, ich solle "mal die Füße hochlegen", darf gerne all das übernehmen, oder für immer schweigen.

Ansonsten habe ich sehr auf das Wochenende hingefiebert - der Samstag, an dem dieser Text erscheint, war eigentlich für einen Kurztrip zu Verwandten geplant, der aber kurzfristig abgesagt wurde, und wird damit der erste freie Samstag, den wir dieses Jahr zur Verfügung haben. Das erste freie (verlängerte!) Wochenende! Erst wollten wir stattdessen irgendetwas anderes unternehmen - Tagesausflug, Ikeabesuch, endlich mal das Kinderzimmer einräumen, mein vage angekündigtes Bauprojekt starten, irgendetwas Spannendes. Aber eigentlich möchte ich einfach nur drei Tage lang mit Kühlakkus am Knöchel auf dem Balkon sitzen, Cider trinken und den Bienchen und Blümchen und meinem Kind auf dem Dreirad zusehen.




Lesenswert

Samstag, 30. April 2016

Samstagskaffee - Woche #18

Oben sieht man es schon ein bisschen: Es ist mal wieder Blogbastelzeit. Der Kaffeefleck auf dem ansonsten eher cleanen Header passt irgendwie sehr gut zu meinem Alltag gerade.

Apropos Kaffee: Ich finde einfach keine gute Kaffeesorte. Der letzte, den ich gekauft habe, war ein Totalreinfall, er war bitter, säuerlich und auch mit Milch verdünnt einfach nicht zu genießen. Mein Mann brachte mir dann eine Probe aus einer lokalen Leipziger Rösterei mit, der aber irgendwie einen Nachgeschmack von Spülmittel hatte. Also, ich möchte die kleinen tollen Röstereien hier (zum Beispiel die in meinem Viertel, die morgens immer so großartig riecht) ja unterstützen und bin immer dafür, lokal zu kaufen, und natürlich sind mir die ganzen Standards zu Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit und so weiter wichtig, ABER was nützt mir das, wenn der (logischerweise recht teure) Kaffee nicht schmeckt? Im Moment koste ich also bei allen Freunden, bei denen ich zu Besuch bin, ihren Kaffee.

Zeitmaschine


Ich wollte mein Schlafzimmer aufräumen. Und wie das so ist, wenn man aufräumt - nach nicht einmal zehn Minuten durchaus motivierten Regalanstarrens fiel mir meine Bildermappe aus der Grundschule in die Hände:


Schuleingang
Im Hintergrund der einzig stabile Teil unseres Hauses.
2. Klasse, hier in der Bildmitte.
Mit im Bild mein Schwarm, mit dem ich nie auch nur ein einziges Wort gewechselt habe.


Dann war meine Mutter da. Meine Mutter! Ich habe also Stunden in Putzen und Aufräumen investiert, auch wenn das Resultat wahrscheinlich nur mir auffiel. Es war trotzdem ein okayer Abend, und Söhnchen freute sich, ihr alle seine Automarken vorführen zu dürfen.

Lesenswert


  • Nach der sehr guten Legida-Reihe wagt sich die flohbu.de jetzt nach Dresden: #DD2504 - der Verweis auf Klemperers LTI kann hier nur noch mal nachdrücklichst wiederholt werden
  • Den Donnerstagsdiskurs der Uni im Live-Tweet kann man hier nachlesen - inkklusive des Rauscherschen Opfergehabes (fiel eigentlich das Wort "Lügenpresse" oder konnte er es drinbehalten?)
  • Wie ist das denn nun mit dem neuen Sexualstrafrecht? Schön zerpflückt und erklärt von Nicole bei kleinerdrei
  • Damit es nicht ganz so deprimierend ist: Heldenstadt hat die neuesten Leipzig-Blogs aufgelistet.

Wohin am Wochenende?


Heute ist Georg-Schwarz-Straßenfest! Geht vor die Tür, es soll schönes Wetter werden.
Montag, 25. April 2016

Monday you can fall apart

Schon wieder kein Samstagskaffee. Die Zeit, die Zeit. Meine Tage im Moment sind achtzehn Stunden lang, davon etwa eine Stunde für mich. Demnächst wird es wieder besser. Manchmal läuft es eben einfach nicht so.

Meine Mutter machte mich letztes Jahr wütend, als sie sagte, sie habe den Eindruck, mir werde das alles zu viel. Ich solle mir überlegen, ob ich das wirklich schaffe, so mit dem Studium. Wäre ich ein impulsiver Mensch, hätte ich sie angeschrien. So habe ich irgendetwas Leises gemurmelt, dass ich das schon schaffe, und mich später im schwesterlichen WhatsApp-Chat beschwert. Manchmal bin ich eben doch nicht so stark.

Das Wochenende war das anstrengendste, das ich in den letzten Monaten auf Arbeit erlebt habe. Gott sei Dank sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team und haben es geschafft, die Nerven zu bewahren, uns gegenseitig aufzumuntern und am Ende doch irgendwann mal Feierabend zu machen. Manchmal läuft es dann eben doch.

Das Leben mit einem Dreijährigen hat seine Tücken, man sollte es kaum glauben. Zur Zeit sind zwei Drittel seiner Äußerungen Fragen. Das kann einen wahnsinnig machen. Der Rest sind unfreiwillig komische Sätze, die sofort wieder aufheitern. Tragisch wird es, wenn etwas nicht exakt so läuft, wie er sich das vorgestellt hat. Wenn man ihm ein Taschentuch reicht, statt des gelben "Tränchentuchs". Wenn man die Banane kleinschneidet, obwohl er nicht darum gebeten hat. Wenn man zum Staubsaugen den Bauklotzturm verrückt hat. Dann folgt regelmäßig ein empörtes "Aber das hab ich doch verkündet!" und Unverständnis, wenn die Eltern lachen.

Das Auslachen rächt sich in wenig schmeichelhaften Vergleichen. Neulich sah er ein Bild von Vlad dem Pfähler, und rief begeistert: "Der sieht aus wie die Mama!"

Übrigens:


Dienstag, 19. April 2016

Überflussgesellschaft

Ich habe einen schönen, schwierigen Artikel gelesen. Schön deswegen, weil er mir aus der Seele spricht, weil ich genau diese Situationen kenne, weil ich über solche Dinge viel nachdenke. Schwierig deswegen, weil ich in diesem Artikel eine andere Rolle einnehmen würde, weil das Thema mich, oft genug unangenehm, berührt und dazu geeignet ist, Menschen aneinander geraten zu lassen. Und es fällt mir sehr schwer, darüber zu schreiben, weil ich eben dieses Aneinandergeraten überhaupt nicht will.

Es geht um Überfluss. Ums Schenken. Um den Wert der Dinge.

Als ich klein war, war die Sache klar: Geschenke gibt es zum Geburtstag und zu Weihnachten, vielleicht noch Schokolade zu Ostern. Kleine Geschenke gibt es von den Eltern, große von den Großeltern. Darauf konnte man sich verlassen, darauf konnte man sich freuen. Viele Kinder bekamen mehr als ich, manche weniger, so war das eben, und von Oma und Opa wünscht man sich die teuren Sachen, so ist das noch heute bei mir.

Bei meinem Kind ist das ein bisschen anders. Mein Sohn hat nicht nur ein Paar Großeltern, sondern drei, dazu die Urgroßeltern, und drei Tanten, und seine Eltern haben Freunde. Und er hat uns, die wir beide auch Mangel kennen und natürlich wollen, dass ihm nichts fehlt. Gleichzeitig soll er den Wert von Dingen erkennen, Sachen zu schätzen wissen und lernen, dass manche Dinge einfach höhere Ziele sind als andere, dass Geschenke nicht auf Bäumen wachsen und ein Wunsch nicht immer sofort erfüllt werden kann. Er weiß nicht, was Geld ist, außer, dass wir es manchmal haben und manchmal nicht, ohne zu verstehen warum.

Sonntag, 17. April 2016

Samstagskaffee - Woche #16

Der Samstagskaffee kommt heute verspätet, und ganz ohne Kaffee. Dafür gibt es Halsschmerzen und schlappe Knochen. Die letzten Tage waren wohl ein bisschen viel für mich, und anders als sonst, wenn ich kränkel, mach ich eine Pause und versuche nicht, irgendwie durchzukommen.




Also, schnöde Welt, ich lümmel mich heute auf das Sofa, lese Kinderbücher vor und schlürfe Tee und erledige wahrscheinlich am Ende trotzdem wieder Wäsche und Haushalt.
Samstag, 9. April 2016

Samstagskaffee - Woche #15

Ich weiß, das sage ich jede Woche, aber: Was für eine Woche!

Die Uni fing gleich an meinem Geburtstag an, nebenbei habe ich versucht, diese vermaledeite Hausarbeit fertigzubekommen, und wurde dabei von meinem kotzenden Kleinkind sabotiert. Ich habe glaub ich schon mal angemerkt, was für eine Freude es ist, mitten in der Nacht von einem Schwall Erbrochenem geweckt zu werden. Das Ganze aller zwei Stunden eine ganze Nacht lang macht noch tausendmal mehr Spaß. Morgens saß ich dann wieder in der Vorlesung, die Gott sei Dank spannend genug war, mich wach und bei der Stange zu halten. Der Dozent hat einen großartigen Humor und sehr viel Begeisterung für sein Fach, und das ist rar. Die VWLer schaffen es also doch, mich zu überraschen.

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass Sommersemester immer spannender, planbarer und angenehmer sind als Wintersemester. Das setzt sich gerade fort, ich bin mit all meinen Kursen vollauf zufrieden und überall zuversichtlich. Auch das Einschreiben in die Bergbaugeschichte hat mittlerweile funktioniert, nachdem die beiden Verantwortlichen abwechselnd im Urlaub und krank waren und wochenlang von mir genervt wurden. Läuft!

Der Kindermagen hat sich mittlerweile wieder beruhigt - wir sind uns noch uneinig, ob nun ein Keim oder einfach nur die strenge Diät aus Gewürzgurken und Salami mit Senf, die er zur Zeit pflegt, Schuld tragen. Wahrscheinlich eine ungesunde Kombination.

What else is new?


Die Innenstadt ist im Wandel, was mir diese Woche besonders auffiel. Sowohl der 1-Euro-Laden auf der Hainstraße als auch eines der MäcGeize waren plötzlich weg, weswegen ich über 3€ für einen 160-Blatt-Block bei Galeria bezahlen musste und immer noch empört bin. Dafür hat jetzt auch Leipzig eine fucking Primark-Filiale, die zum Eröffnungstag nicht so überrannt wurde wie gehofft und bisher anderswo immer eingetreten, dafür aber gleich von Protesten begrüßt wurde. Läuft auch hier. Manchmal mag ich Leipzig.



Wer immer noch nicht weiß, warum Primark definitiv nicht unterstützenswert ist, dem sei dieser kurze Film ans Herz gelegt. Auch wenn es Stimmen gibt, die es verlogen nennen, Primark zu brandmarken und dann bei H&M zu kaufen - das ist in meinen Augen ein Unterschied. Bei H&M erkenne zumindest ich in meiner Gutherzigkeit immer den Versuch, sich Stückchen für Stückchen zu bessern, sich millimeterweise einer faireren Marke zu nähern. Bei Primark fehlt mir das komplett, und da ich Wegwerfmentalität noch nie leiden konnte, ist mir auch das egal-ob-es-nur-eine-Wäsche-hält-war-ja-billig zuwider. Meine H&M-Shirts sind zum Teil fünf Jahre alt und halten immer noch wöchentlichem Gebrauch stand, und der Preis von 6,99€ für ein Shirt aus Bio-Baumwolle kann ja nun wirklich nicht zu hoch sein. In Sachen fairer Produktion hat natürlich jede Kette Nachholbedarf, immer, und das ist einer der Gründe, warum ich mittlerweile kaum noch shoppen gehe. Aber dazu vielleicht ein andermal.

Montag, 4. April 2016

Neuntausendvierhundert-achtundneunzig

Ich hatte also schon wieder Geburtstag. Seit die 20 überwunden ist, habe ich das Gefühl, die werden häufiger. Nun lebe ich 9498 von meinen angestrebten 26664 Tagen* auf dieser Erde.

Zur Feier des Tages durfte ich um sieben aufstehen und um neun in der Uni sitzen, um Latein zu lernen. Nach diesem äußerst feierlichen Einstieg hatte ich meine erste Veranstaltung im Schlüsselqualifikationsmodul (tolles Wort, oder? Ach, Bologna.) "Einführung in die Finanzmärkte". Ich muss dummerweise so ein SQ-Modul besuchen, und wenn schon, dann wenigstens eins, das schlau klingt. Außerdem ist Klugscheißerei mein einziger Lebenszweck, deswegen studiere ich schließlich auch Geschichte, und da passt das doch wunderbar.

Damit war ich auch nicht die Einzige, wir coolen Kinder haben tatsächlich eine ganze Sitzreihe mit Historikern voll bekommen (ganz hinten, versteht sich). Ich bin übrigens sehr stolz, dass ich trotz ausgeprägtem Desinteresse meinen Kommilitonen gegenüber mittlerweile den ein oder anderen aus verschiedenen Veranstaltungen wiedererkenne. Ich kann mir zwar keine Namen merken, aber "der den ich in Fantasy-Filmen als Zwerg casten würde" und "der der im Kolonialismus-Seminar immer Solitär gespielt hat" tut es doch eigentlich auch. Noch schöner ist natürlich, dass sie mich im Gegenzug auch erkennen. Und dass wir alle uns einig sind, dass es unverantwortlich von den anderen Instituten ist, gleich zu Semesterbeginn das Semester zu beginnen, wo wir doch alle noch damit beschäftigt sind, die Hausarbeiten vom letzten Semester fertig zu schreiben und mit mehr oder weniger guten Ausreden später abzugeben, und die Semesterbeginn-Grillpartys sind doch auch noch nicht gelaufen.

Jedenfalls hatte ich Geburtstag und kurz überlegt, mir statt meines Kaffees einen Piccolo zu gönnen, aber Sekt macht immer so albern. Das geht nur auf Arbeit.
An sich war es ein ganz normaler Montag, nur mit tausend Facebook-Benachrichtigungen ("Mensch den du seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hast hat an deine Pinnwand gepostet"), ehrlich gemeinten Glückwünschen, Geschenkpäckchen und einem Kernfamiliären Abendessen beim Mexikaner. Manchmal fühle ich mich noch Schleußig-er als sonst.





PS: #le0404 passiert, jetzt gerade. Aber nicht hier.
PPS: *An diesem Tag feiere ich selbstverständlich wie jeder Mensch von Welt den ersten erfolgreichen Test des Warp-Antriebs und die Kontaktaufnahme mit den Vulkaniern.
Samstag, 2. April 2016

Samstagskaffee - Woche #14

Andere bringen von Kurztrips nach Görlitz Kippen mit, oder Bunzlauer Keramik, oder zumindest Touristenfotos vom Flüsterbogen und dem Schuhladen, in dem Kate Winslet damals Schuhe kaufte.

Ich bringe Magen-Darm. Auch schön.




Ansonsten war es sehr nett, meine Schwestern und Familie zu sehen, auch wenn sechs Kinder zwischen 1 und 11 Jahren sehr anstrengend sein können, vor allem wenn eines davon (m)ein kleiner Traumtänzer ist, der sich von jedem Blümchen am Wegesrand ablenken lässt, der Rest eher Draufgänger, die vorausstürmen und die Älteste still und leise vor sich hin pubertiert, ohne so recht zu wissen, wohin mit sich. Dazwischen wurde gelästert, verhört, getrunken und gewettet.

Was mir wie jedes Mal auch diesmal wieder auffiel, war, dass Görlitz quasi außerhalb jeder gewohnten Zivilisation liegt. Einen Tag hat man nur polnisches Netz, einen Tag gar keines, und stolpert man zufällig über einen W-Lan-Hotspot, kramen alle panisch ihre Handys heraus, um wenigstens die neuesten Nachrichten zu laden. Oh Gott, ein W-Lan, schnell, bevor es davongaloppiert! Falls es jemandem ähnlich gehen sollte: Am Dicken Turm gibt es dreißig Minuten am Tag für umsonst, und während wir Erwachsenen (haha. Dass ich das mal sagen würde.) auf den Bänken in der Sonne saßen und uns Fetzen von Neuigkeiten zuriefen, die Pubertantin WhatsApp-Nachrichten von ihrem Freund las und der junggebliebene Familienvater Geocaches jagen ging, begutachtete mein Söhnchen die Blumenrabatten und alle anderen Kinder turnten im Brunnen herum. Sonntagsidylle pur.

Der Montag brachte, wie gesagt, Magen-Darm, Schweißausbrüche, Krämpfe und andere Unschönheiten, auf die ich hier nicht weiter eingehen will. Zuerst waren die Gin&Tonics (Plural.) des Vorabends hauptverdächtig, aber es hat der Reihe nach noch andere Verwandte erwischt, bis der WhatsApp-Gruppenchat voll war mit Tipps von Tabletten bis Wärmekissen und Sätzen wie "Ich hab seit gestern nicht mehr gekotzt!" plus stolzes Emoji.

Zum Schluss




Samstag, 26. März 2016

Samstagskaffee - Woche #13

Was für eine Woche, die hinter mir liegt!

Ich bin quasi im Zickzack durch die Stadt gehetzt, habe mich zwischen Arbeit, Bibliothek, Stadtarchiv und natürlich Kind zerteilt, nebenbei mit dem Einschreibe-Tool gehadert, das wie immer nicht tut, was es soll. Im Studienverlauf fehlt mir nicht mehr viel im Hauptfach, eigentlich nur das Mittelalter. Leider kann ich mich gerade dort noch nicht einschreiben, wegen Verwicklungen von vor drei Jahren, die jetzt hier zu weit gingen. Aber ich hab es ja schon mehrmals erwähnt - für Historiker gehen die Uhren etwas anders. Was ist schon eine Woche, wenn man normalerweise in ganz anderen Epochen denkt?

Das sorgt manchmal auch für schizophrene Anflüge. Beim Zeitunglesen im Archiv vergaß ich kurz, dass ich mich im Jahr 1889 befand, und stutzte über die Schlagzeile "Neunter Frauenmord in Whitechapel". Schon wieder? Ach, Moment. Es ist wirklich schwer, sich auf den wissenschaftlichen Tunnelblick zu besinnen und nicht zum Beispiel den neuesten Klatsch und Tratsch aus Europas Herrscherhäusern zu verfolgen.

Vom Unikram (Hausarbeit erwähne ich schon gar nicht mehr) abgesehen, war meine Woche aber äußerst produktiv. Ich habe mich wieder frisch für eine Idee begeistert, die mir seit über einem Jahr im Kopf herumspukt, und stecke jetzt mitten in den Planungen. Zuviel soll hier nicht verraten werden, nur: Ich werde demnächst unter Beweis stellen müssen, ob ich meine guten Noten in Werken wirklich verdient habe. Und dann so:




Ich habe sogar Listen (Yaaay), Konstruktionspläne (yaay) und Skizzen (Woohoo) angelegt, Flächen berechnet, Baumaterialien verglichen, Lieferanten herausgesucht und und und.

Donnerstag, 24. März 2016

Ostern in der Oberlausitz

Letztens habe ich erwähnt, dass ich als sächsischer Eingeborener meine Heimat sehr mag, mit all ihrer kulturellen Vielfalt und den Traditionen, die ich mir nicht von rassistischen Mobs und anderen Idioten kaputt machen lassen möchte. Mein Mann, seines Zeichens Preuße und eingefleischter Kulturbanause, musste über diesen Satz sehr lachen und konnte sich nicht vorstellen, was ich mit "kultureller Vielfalt" meine. Nun kann man es ihm nicht ganz verdenken, weil er a) eine topographische Niete ist und bisher nicht wusste, dass zum Beispiel Erzgebirge und Vogtland in Sachsen liegen und b) in Leipzig wohnt, wo es mehr Zugezogene als Sachsen gibt und allgemein viele der Bräuche, die ich aus meiner Kindheit kenne und damit meinte, gar nicht gibt.


via commons.wikimedia.org, CC-BY-SA 2.0


Ich komme aus der Oberlausitz, und zwar mitten aus dem Herzen. Die sächsische Oberlausitz umfasst die Landkreise Bautzen und Görlitz, dann gibt es noch kleinere Teile in Polen und Brandenburg. Hier gab es bis vor hundert Jahren noch Landstriche mit ausschließlich sorbischer Bevölkerung, die oft ausschließlich sorbisch sprach. Die Sorben sind in der sächsischen Verfassung als schützenswerte Minderheit verankert, haben viele Sonderrechte und eine Interessenvertretung, die Domowina. Wer durch die Oberlausitz fährt, dem fallen meist die zweisprachigen Ortsschilder auf, und die deutschen Ortsnamen haben fast alle slawische Ursprünge (Leipzig auch, übrigens). Die Sächsische und besonders die Geschichte der Lausitz sind eng mit den Sorben, mit der böhmischen und schlesischen Geschichte verknüpft.

Obwohl ich also selbst keine Sorbin bin, waren die Sorben eine prägende Kraft in meiner Kindheit. Im Kindergarten haben wir Vogelhochzeit gefeiert, sorbische Hematmuseen besucht und die berühmten Ostereier bestaunt. Als Kind habe ich mich für Sagen und Märchen begeistert, und fast alle Oberlausitzer Sagengestalten sind sorbischen Ursprungs, vom bekanntesten Märchen, Krabat, ganz abgesehen. Sie sind verbunden mit realen Orten, Landschaften, Bergen, und immer, wenn ich von Leipzig aus mit dem Zug nach Osten fahre, freue ich mich, wenn die ersten vertrauten Ansichten auftauchen.


via commons.wikimedia.orgCC-BY-SA 2.0


Und weil ich nunmal ein Frühlingsmensch bin, haben es mir auch die Frühlings- und Osterbräuche am meisten angetan. Ich liebe die kleinen gebackenen Vogelnester, die man im Januar bei allen Bäckern kaufen konnte, die kunstvollen Ostereier, die Reiterprozessionen - und egal wem ich hier davon vorgeschwärmt habe, ob meinem Mann, Freunden oder den armen Bäckern, immer wurde ich nur verständnislos und ein bisschen mitleidig angesehen. Aber genug der Schwärmerei - was macht denn nun Ostern in der Oberlausitz so besonders?

Sonntag, 20. März 2016

Kindergeburtstag

Nun sind es also drei Jahre. Was hat sich getan?





Vor drei Jahren kam ich zu Hause an, mitten im Schneesturm, mit einem schlafenden Baby im Gepäck, und wusste plötzlich nicht mehr, was ich tun soll. Ich war nur drei Tage im Krankenhaus geblieben, schließlich war ich bereits zwei Minuten nach der Geburt wieder aufgestanden, es bestand also kein Grund, mich länger als nötig ins Bett zu verbannen. Wie immer, wenn ich Fremde um mich hatte, kam ich mir fehl am Platz vor, konnte meine Bettnachbarin nicht ausstehen, und ihr besserwisserischer Mann ging mir auf die Nerven. Ich wollte allein sein und mich in Ruhe an das kleine Menschlein gewöhnen. In den ersten Wochen kam auch regelmäßig meine tolle Hebamme vorbei, sodass ich zwar immer noch ratlos und verwirrt, aber wenigstens nicht auf mich allein gestellt war.

Wenn ich mir meinen Sohn heute ansehe, bin ich sehr stolz. Nach der Verzweiflung, der Erschöpfung und der Ratlosigkeit der ersten Monate habe ich heute ein Kind, das selten krank ist, alles isst, wissbegierig und aufmerksam und generell einfach lieb ist. Er macht es mir leichter, alles unter einen Hut zu bringen. Ich merke zwar deutlich, wie viel schwerer das (Studenten-)Leben ist, wenn man Kinder hat. Die Einschränkungen, der Mehraufwand sind da, und jeder Vormittag, den ich mir mal für mich nehmen kann, ist Gold wert.

Aber: Seit ich wieder studiere, bin ich zielstrebiger geworden, konzentrierter und organisierter. Ich plane meine Semester nicht nur in Hinblick auf passende Tagesabläufe ohne fünfstündige Pausen, sondern auch auf den Studienabschluss, den ich wahrscheinlich sogar in der Regelstudienzeit schaffen werde. Das hat auch den Grund, dass ich im Master wieder Bafög-Anspruch habe (Bafög! Wuhu!), aber vor allem damit, dass ich mir Gedanken darüber mache, welches Umfeld ich meinem Sohn bieten möchte. Dass ich ihm auch Vorbild sein will. Vorbildsein: das ist das Erschreckende am Elternwerden, dass man plötzlich aufpassen muss, ein gutes Vorbild zu sein. Ständig zum Nach- und Überdenken gezwungen ist. Das ist unglaublich beängstigend.

Auf ins nächste Jahr!
Samstag, 19. März 2016

Samstagskaffee - Woche #12

Wir waren im Kindergarten!

Zusammen mit anderen Eltern. Eine sehr skurrile Situation - alle wissen, dass es nur diesen einen Platz gibt, und alle wollen ihn. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, man müsse jetzt beweisen, wie sehr man ihn verdient hat, muss ein bisschen engagierter als die anderen sein, ein bisschen bedürftiger. Natürlich entscheiden am Ende Prioritäten und festgelegte Kriterien, nicht die Sympathie, aber das Gefühl bleibt.

Den größten Teil der Woche habe ich in Bibliotheken und Archiven verbracht, mich geärgert und prokrastiniert, Fliegen an der Wand angestarrt und Stichpunkte in den Computer gehämmert. Wie immer wird der richtige Workflow erst auf den letzten Metern einsetzen, bis jetzt wälzt sich die Hausarbeit wie ein zäher Klumpen vorwärts. Die relevante Literatur ist über Zweigstellen in ganz Leipzig verstreut, und sich durch "digitalisierte", also eigentlich nur abfotografierte Medien zu wühlen, ohne einfach Strg+F drücken zu können, kostet Zeit, Zeit, Zeit und Nerven. Kaffeetrinken darf man auch nicht. Meh.

Tweetiebird


Dafür habe ich einen Twitter-Account eingerichtet. Irgendwie habe ich Twitter nie so richtig verstanden, aber wenn man sich ein paar Stunden damit befasst. Und immerhin hatte ich nach zwei Stunden den ersten Follower, helau. Lustigerweise wollte ich nur einem Leipziger Blog über Bier folgen, und stellte dann fest, dass es sich um einen Bekannten meines Mannes handelt. Leipzig ist eben, das stell ich immer wieder fest, ein Dorf. Genauso habe ich über Twitter festgestellt, dass meine Arbeitskollegin Louise eine Leipziger Bloggerin und Slammerin ist. Zum weiteren Stalken von nahen und entfernten Bekannten bin ich nicht gekommen, und viel hab ich auch noch nicht getwittert, für meine nach drei Tagen schon drei Follower.

Und hier ist er, der erste Tweet:




Leselust


Es ist Buchmesse. Früher mochte ich die Buchmesse. Heute mag ich nur noch die vielen Veranstaltungen drumherum, in der Stadt, in Clubs, in Cafés, alles dreht sich ums Lesen, und das ist toll. Lokale Autoren, Verlage, Künstler, intelligente und schöne Menschen treffen sich und teilen ihre Freude am Lesen. Die Messe selbst ist mir zu teuer, zu voll, zu Manga.

Um tatsächlich zu Veranstaltungen zu gehen, so gern ich das auch tun würde, bin ich meistens zu beschäftigt. Am Wochenende arbeite ich, dann hab ich ja auch noch mit Uni (Hausarbeit!) und Kind zu tun, es will einfach nicht klappen, dass ich mal einen Abend frei habe. Vielleicht nehme ich trotzdem ein paar Lesungen mit, und wenn, dann definitiv eine von denen:

  • Julius Fischer, der einzige ernstzunehmende Promi im MDR, liest in der Zentralbücherei für Blinde (19. März, 16:00). Das erste mal von Julius Fischer gehört habe ich noch in meiner Schulzeit, als ich die Schul-Lesebühne mitorganisiert habe. Mein absoluter Lieblingswitz, den ich bis heute des öfteren zitiere, stammt von ihm: "Ich male ein Bild aus Kot und Kaffeesatz und nenne es: Der Morgen in mir.".
    Poesie.
  • Sputnik LitPop im Neuen Rathaus, u.a. mit einer meiner Lieblings-YouTuberinnen und vielen anderen interessanten Schreiberlingen. 19. März, 18:00.
  • Nacht der Lesebühnen im UT Connewitz, 20. März, 20:00. Präsentiert von LiveLyrix mit den üblichen Verdächtigen, deswegen ein schöner Abschluss, wenn man es sonst nirgends hinschafft.
Dienstag, 15. März 2016

#ltwlsa

Sachsen-Anhalt, du Miststück. Nicht, dass ich die große Hysterie, die jetzt zum Teil ausbricht, unterstützen möchte, ich bin mehr der Ansicht, dass eine Partei, die kein einheitliches Profil und schon gar kein einheitliches Programm hat, sich vermutlich in der Bewährungsprobe ziemlich auf die Schnauze legen wird. Mich ärgert vielmehr, dass die "Protestwähler", die jetzt denken, sie hätten es irgendwem "gezeigt", offensichtlich nicht daran gedacht haben, dass eine Landtagswahl mit dem, was sie eigentlich wollen (böse braune Menschen raus) rein gar nichts zu tun hat.

Ich bin ja großer Fan von Landes- und Kommunalpolitik, und denke, beides wird extrem unterschätzt und missachtet. Gerade auf Landesebene fallen so viele Entscheidungen, die direkten unmittelbaren Einfluss auf das Leben der Menschen haben (Bildung, Kultur, Infrastruktur etc.), dass man sie auf gar keinen Fall irgendwelchen Kaspern überlassen sollte, die die nächsten Jahre dafür nutzen werden, für Krawall zu sorgen und Entscheidungen aus einer Laune heraus zu blockieren. Der gesamte Wahlkampf der AfD hatte nichts, wirklich nichts mit Landespolitik zu tun, es wurde den Leuten vermittelt, man könne jetzt und hier über die Zukunft ganz Deutschlands entscheiden, wichtige Fragen, die Sachsen-Anhalt beschäftigen sollten, wurden nicht gestellt und interessieren auch offensichtlich nicht, weder die Wähler noch die Gewählten.

Diese ganze "Protestwahl"-Aktion ist einfach nur eine sinnlose Demonstration von Dummheit, und so etwas macht mich wahnsinnig. Dummsein und dann noch nicht nachdenken, das ist die schlimmste Kombination, die ich mir vorstellen kann.





Nun, wir werden sehen. Schließlich saß auch die NPD schon in Landtagen, und bis auf lustige Youtube-Videos ist dabei nichts rausgekommen.

Samstag, 12. März 2016

Samstagskaffee - Woche #11

Das bisschen Hausarbeit schreibt sich von allein...

Dann war ich im Stadtarchiv. Das erste Mal in meinem Studium, was skandalös ist, denn es gibt so viel zu sehen und für Studenten, die eine entsprechende Bescheinigung vorlegen können, ist die Benutzung umsonst. Für meine Hausarbeit habe ich mir Lokalzeitungen aus den 1890er Jahren vorgenommen, und wenn der Zeitdruck nicht gewesen wäre, hätte ich stundenlang lesen können. Für's Thema war es mäßig ergiebig, aber ausreichend, hoffentlich.

Ostergruss


Herr F. hat sich anstecken lassen von meinem Frühlingswahnsinn. Er freut sich auf Ostern fast noch mehr als auf seinen Geburtstag, und erzählt mir oft, was er seiner Lieblingscousine alles erzählen will (meistens geht es um Autos), was er dem kleinsten Cousin alles mitbringen möchte (zum Beispiel sein Lieblingsshirt, das nicht mehr passt), und lässt sich von mir Osterbräuche erklären. Dabei verzettel ich mich meistens in religiösen Grundsatzdiskussionen, wie neulich, als er mich nach dem Kopftuch einer Frau in der Bahn fragte, aber irgendwie schaffen wir es meistens zu einem Schlusspunkt, der für ihn Sinn macht. Anders lief es mit dem Frauentag, an dem er sehr enttäuscht war, als doch keine Frauen zu Besuch kamen.

Das mit der Auferstehung habe ich ebenfalls angerissen, aber dann vermischte sich das irgendwie mit seiner Grundangst - dass irgendwann die Dinosaurier wiederkommen und alles auffressen - und ich musste doch zugeben, dass der Tod relativ endgültig ist, was ihn beruhigte, aber verwirrte, und dann habe ich doch alles auf den Osterhasen abgewälzt. Gut, dass wir den Platz im christlichen Kindergarten nun doch nicht bekommen haben, das hätte einige unangenehme Elterngespräche gegeben.

Jedenfalls haben wir dann beschlossen, für die Tagesmutter einen kleinen Ostergruß zu basteln. Dafür durfte er Moos sammeln - wenn Dreijährige etwas können, ist es, Naturmaterialien in allen Variationen zu sammeln - und dann zusammen mit einer Narzissenzwiebel in ein Töpfchen drücken. Damit die Zwiebel keimt, habe ich sie noch mal aufs kalte Fensterbrett gestellt, und am Montag zieht sie dann zu den kleinen Käfern um.

Leseecke Leipzig


Es ist noch nicht Buchmesse, aber gibt auch jetzt schon viel zu lesen in Leipzig:



Zum Frauentag:

Samstag, 5. März 2016

Samstagskaffee - Woche #10

Kennen Sie das, unter der Dusche zu stehen, vollkommen in Gedanken, denn es ist ja früh am Morgen, man überlegt schon mal, was man anzieht und ob man sich vielleicht auch irgendwann mal wieder die Beine rasiert, und plötzlich fällt ebenjene Dusche mit einem lauten Krachen in sich zusammen? Wahrscheinlich nicht. Ich wünsche es auch niemandem.
Genau das passierte mir am Montag, was sehr schlechtes Timing war, denn ich war a) verkatert, b) hatte sich der Heizungsmann für halb 8 angesagt und ich musste folglich schon um 7 duschen und c) war ich furchtbar verkatert.

Apropos Kater:

Ziggy Stardust, die Katze mit Bart.



Verkatert war ich deswegen, weil ich auf "ein" Feierabendbier mit meinen Kollegen zusammensaß. Und weil es so nett war und ich den ganzen Sonntag noch nicht dazu gekommen war, mich mal kurz hinzusetzen (ich mag Pausen eigentlich nicht), saß ich da so und das Glas füllte sich auf magische Weise wieder auf. Den Abend davor hatte ich bereits mit einer Freundin bei "einem" Wodka Lemon verbracht, um ihren neuen Job zu feiern, und kurz gesagt war der Montagmorgen nicht mein bester Freund. Dann kam das mit der Dusche, und da hatte ich schon keine Lust mehr auf die Woche. Außerdem war es der 29. Februar - ein Tag, der gar nicht existieren dürfte. Zu Recht, sag ich.

Shopping


Ein Gutes hatte das Erlebnis: Ich musste in den Baumarkt. Ich liebe Baumärkte. Als ich das erste Mal im Baumarkt war, um Schrauben zu kaufen, kam ich mit Balkonblumen, Bilderrahmen und einem Kerzenständer zurück. Mein Kind besitzt eine Kuscheldecke mit Autos, die wir im Baumarkt gekauft haben. Warum hat mir nie jemand gesagt, wie toll Baumärkte sind? Es macht fast so viel Spaß wie bei Ikea, nur dass mich bei Ikea immer der Neid auf anderer Leute Wohnung packt, während ich im Baumarkt einfach Lust habe, ganz viel an meiner Wohnung zu verbessern, und überlege, ob ich ein Schleifgerät kaufe und meinen Küchenschrank neu streiche.

Herr F. mag Baumärkte auch. Bei unserem letzten Besuch haben wir ihm eine große Schraube und drei unterschiedliche Muttern (Sechskant-, Hut- und Flügelmutter) gekauft, und er ist sehr sehr glücklich damit. Zufriedenes Kind für knapp 50 Cent.

Überhaupt war mein Kind äußerst liebenswert diese Woche. Ich habe ihm beigebracht, wie man Fenster putzt, und jetzt bettelt er schon, wann er das das nächste Mal darf und was er als nächstes putzen kann. Wahrscheinlich habe ich doch auch ein paar Sachen richtig gemacht mit ihm. Auch freut er sich wahnsinnig auf seinen Geburtstag und bereitet mit mir zusammen seinen Umzug ins Kinderzimmer vor. Er hat auch eingesehen, dass man mit drei ein großer Junge ist und ins Töpfchen pullern muss - oder an Bäume, was seine liebste Beschäftigung im Sommer ist.

Altersgebrechen


Außerdem: Nachdem mir mein Gatte, der gelernter Optiker und seit vierzig Jahren Maulwurf ist, geraten hat, meine in letzter Zeit etwas unscharf gewordenen Augen mal ärztlich untersuchen zu lassen, verbrachte ich einen ganzen Vormittag damit, mich von diversen Sprechstundenhilfen abwimmeln und vollnölen zu lassen, und ging dann einfach zu dem freundlichen Optiker um die Ecke, der im Winter recht oft Besuch von uns bekommen hatte, weil er eine Eisenbahn in seinem Schaufenster fahren ließ. So ködert man Eltern.

Ergebnis: Ich werde alt. Was mir die grauen Haare, die ich seit fünf Jahren immer wieder auszupfe, und die falschen Zähne bisher nur zugeflüstert haben, gab es jetzt schwarz auf weiß. Nach der 25 geht es bergab, sagte meine Biologielehrerin einst. Ach, ach.

Lesenswert


  • John Oliver, einer meiner liebsten Late-Night-Erklärbären, über Donald Trump. Noch sehenswerter, beschämender und für mich gerade in Hinblick auf die extreme Divergenz zwischen Stimmung in der Bevölkerung und staatliche Machtausübung überraschender ist übrigens seine Folge über Abortion Laws.
  • Wer mal wissen möchte, womit ich mich gerade für meine Hausarbeit beschäftige - oder einfach mal was über Leipzigs koloniale Vergangenheit wissen wollte.
  • Und damit es nicht ganz so deprimierend endet: Leipzigs letzter Schneemann.

Freitag, 4. März 2016

Sonntagsfrühstückshefezopf

Letztens hatte ich einen Supermutti-Anfall und habe nicht nur zusammen mit Herrn F. die Fenster geputzt (das erste Mal seit vier Jahren. Ähem.), sondern auch zum Frühstück einen frischen, süßen Hefezopf gebacken.





Eigentlich macht das gar nicht so viel Arbeit. Den Teig habe ich abends vorbereitet und morgens vor der Arbeit schnell fertiggebacken - und der Zopf war einfach göttlich. Fluffig, süß, leicht zitronig und auch am nächsten Morgen noch lecker. Er reichte locker für beide Tage, obwohl Herr F. auch zur Vesper noch einmal zwei Scheiben verdrückt hat.


  • 500g Mehl
  • 200ml Milch
  • 80g Butter
  • 1 Würfel Frischhefe
  • 1 Ei
  • 1 Prise Salz
  • 100g Zucker
  • Vanille, Zitronenschale nach Belieben

Milch erwärmen, Butter darin schmelzen. Die trockenen Zutaten mischen, die Hefe dazubröckeln und dann die flüssigen Zutaten dazugeben. Alles so lange es die Arme hergeben durchkneten (oder gleich ein Rührgerät nutzen) und abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Morgen sollte er etwa das doppelte bis dreifache Volumen erreicht haben. Ordentlich durchkneten und zu einem Zopf flechten. Nochmals eine Viertelstunde bei Zimmertemperatur gehen lassen, dann mit Milch bestreichen (eventuell mit Mandeln bestreuen) und ohne Vorheizen (!) in den Ofen schieben. Bei 200° etwa 35 Minuten backen.

Neuere Posts Ältere Posts
Design und Inhalt © Morjanne | 2015