Donnerstag, 19. November 2015

Blog-Nostalgie

Es ist still hier geworden, und das hat einen Grund. Mehr als einen, aber dazu später. Fadenvogel hat gefragt, wie das Bloggen angefangen hat bei "uns", wann und wie und warum wir angefangen habe.

Ich habe mit 15 angefangen zu bloggen. Wer rechnen kann, weiß, dass das exakt zehn Jahre her ist. Damals hatte ich einfach viel im Kopf, das raus musste, und wenig, was ich sagen konnte. An meinem ersten Schultag in einer neuen Schule fragte mich eine Mitschülerin, ob ich nicht gerne rede, und als ich den Kopf schüttelte, scherzte sie "Du schreibst wohl lieber?". Ganz genau.

Zuerst baute ich eine Homepage, dann noch eine, dann noch eine. Ich habe mich intensiv mit html befasst und es ging mir mehr um Form als Inhalt, denn, let's face it, fünfzehnjährige Mädchen sind wenig interessant. Was genau ich dort kundtat, kann ich gar nicht mehr sagen, nur dass es schrecklich bunt war. Das galt auch für den Blog, der als nächstes kam. In ihm ging es um Belanglosigkeiten aus meinem Alltag, (einigermaßen) unterhaltsam formulierten Klatsch und Lästereien über Lehrer.

Der Blog schlief ein, als ich anfing, zusammenhängende Texte zu schreiben, mich an der schuleigenen Lesebühne zu engagieren und ja, man sah mich auch auf einem oder zwei Poetry Slams. An dieser Stelle eine kurze Pause für ein peinliches Video, das ich bisher verheimlicht habe:





Ja, so sah ich aus. Ja, ich zittere vor Aufregung.

Als ich nach Leipzig zog, war es seltsamerweise damit vorbei. Meine kreative Ader versickerte fast vollkommen, zu viel Neues stürmte jeden Tag auf mich ein, und es gab so viel bessere Beschäftigungen, als im stillen Kämmerlein vor sich hin zu tippen. Ähnlich geht es mir im Moment wieder.



Ich weiß nicht mehr, wann ich wieder angefangen habe, hier zu schreiben. Meine einzigen regulären Leser waren mit mir verwandt, der Rest stolperte wohl eher zufällig über dieses Chaos. Der Großteil der Texte ist gelöscht, denn ich bin eigentlich nie zufrieden. Genauso wie ich mir im echten Leben oft wünsche, einfach zurückspulen zu können, wenn ich etwas gesagt habe, finde ich auch beinahe alles, was ich schreibe, doof, sobald es "da draußen" ist. Aufgeräumt wird hier öfter. Der letzte Großputz kam letztes Jahr, und seitdem geht es vornehmlich ums Stricken. Die Leserschaft ist nur noch teilweise mit mir verwandt, teilweise befreundet, und teilweise komplett fremd. Viele wohnen in Russland (ich weiß nicht warum), viele kommen über social networks oder Linkpartys her, und sehr wenige hinterlassen Kommentare.

Dafür bekomme ich viele Mails und Kontaktformular-Nachrichten. Sie waren bisher ausschließlich nett und freundlich, und ein oder zweimal bot man mir sogar an, gesponserte Artikel zu schreiben. Dafür hielt ich mich allerdings für zu unwichtig.

Im Moment fehlen mir Zeit und Energie zum Schreiben. Wenn ich es versuche, kommen wirre Nichtgedanken und Belanglosigkeiten heraus, der Stil leidet unter Migräne und Humor ging auch schon mal lustiger. Über Babykram möchte ich nicht so viel schreiben, auch wenn er 80% meiner Kapazitäten ausfüllt. Ich will keine schreibende Muddi sein. Ich würde gern mehr über Leipzig schreiben, aber ich will auch keine schreibende Hypezigerin sein. Was mich in letzter Zeit stark beschäftigt, sind Nachhaltigkeit und die lebhafte Mentalität des Teilens, die ich hier oft erlebe, egal ob es um Essen, Kleidung, Möbel oder Zeit geht. Vielleicht vertiefe ich mich darin noch mehr.

Auch mit meinem Studium hadere ich gerade, schon wieder. Während mir mein Hauptfach immer noch viel Spaß macht, hat mich für die arabische Sprache komplett die Lust verlassen, ich quäle mich durch Grammatik-Tabellen und Verbstämme und verbringe insgesamt so viel Zeit damit, dass es eigentlich längst nicht mehr als Nebenfach durchgeht. Andererseits kann ich mich mit Scheitern schlecht abfinden und mag es nicht, Dinge nur anzufangen und dann nicht zu beenden.

Vielleicht ist es der Herbst, der mich gerade trübsinnig, müde und lustlos macht, und ich bin sicher, lieber Blog, es liegt an mir und nicht an dir, dass es gerade nicht so läuft. Ich brauche wahrscheinlich nur mal eine kleine Pause.

Bis bald!

1 Kommentar:

  1. Selbstdarstellung und seine negativen Beigeschmäcker...kenn ich gut. Schreibe ich über alles, dann bleibt ja nichts mehr von mir selbst übrig. Schreibe ich über Teile, dann denken vielleicht andere Leute, dass wär alles. Die Hochs und Tiefs dabei scheinen sich ja schon eine Zeit lang zu begleiten. Danke für diesen Einblick.

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