Samstag, 22. August 2015

Samstagskaffee: Das Haus, das Verrückte macht

Bisher konnte ich mich immer davor drücken, in den Hauptstandort der Unibibliothek, die Bibliotheca Albertina, zu müssen, und habe alles, was ich gesucht habe, immer in anderen Zweigbibliotheken gefunden. Da die Historiker aber sich traditionell in der Albertina verstecken (und verstecken ist hier das entscheidende Wort), musste ich für meine Hausarbeit jetzt doch in dieses ehrwürdige, Respekt einflößende Gebäude:


(c) ub.uni-leipzig.de

Drinnen wird man dann von diesem Anblick begrüßt:


(c) Stefan Krämer Lizenz: CC-BY-SA via Wikimedia Commons


Und wer sich dann noch nicht klein, dumm und unwichtig vorkommt, darf gern versuchen, den Freihandbereich Geschichte zu erreichen:

(c) ub.uni-leipzig.de

Der Plan suggeriert, man müsste die Treppe hoch, nach rechts abbiegen, und stünde dann einfach im 1. OG, wo man natürlich direkt in den richtigen Raum stolpert.

In der Realität führt die Treppe verwirrenderweise ins 2. OG, dann betritt man den Hauptlesesaal, wo einen beim Betreten alle anstarren, schleicht an der Wand lang, bis man den Durchgang mit der Aufschrift "Zutritt zum 1. OG Freihandbereich Geschichte, Theologie" gefunden hat. Dann findet man sich plötzlich in einem Treppenhaus wieder, wo man die Wahl hat, hoch ins 3. oder eben nach unten ins 1. OG zu steigen.

An dieser Stelle war ich bereits völlig fertig mit den Nerven, und im 1.OG angekommen, stand ich vor zwei Türen ohne Aufschrift. Hinter beiden versteckt sich, Überraschung!, noch mehr Theologie.

Es gibt keine weiteren Schilder, die einem verraten, wo man hinmuss, und erst beim dritten oder vierten Durchqueren ist mir aufgefallen, dass in der rechten Abteilung noch eine Glastür ist, die nicht wie die anderen Glastüren ins Magazin, sondern, tada, in den Freihandbereich Geschichte führt.

Ich mag Bibliotheken, wirklich, aber nach dieser Odyssee war mir klar, warum Geschichte keine Zulassungsbeschränkung hat: Das Aussieben geschieht knallhart in der Albertina, und wahrscheinlich sind die Treppenhäuser voll mit verlorenen Seelen gescheiterter Geschichtsstudenten, die doch nur eine Hausarbeit schreiben wollten.

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