Dienstag, 18. August 2015

Mama, der hat keine Beine!

Das ist wohl der Schrecken aller Eltern: Begegnungen mit behinderten Menschen.
Beim Lesen des Artikels habe ich bemerkt, dass ich die meisten Tipps, die gegeben werden und die Herr Krauthausen auch auf seiner eigenen Seite ausführlicher schreibt, schon versucht habe, zu befolgen. Trotzdem ist es mir unangenehm, wenn mein Sohn, der einen Rollstuhl eher als großes Bobbycar begreift und mit der Begeisterung sichtet, die er sonst nur Feuerwehrautos widmet, auf jemanden zeigt und juchzt:

Mama, keine Beine! KEINE BEINE!


Wie wahrscheinlich alle Zweijährigen ist er sehr wissbegierig und einfach für neue Informationen zu begeistern. So kennt er etwa fast alle Automarken, die in Leipzig unterwegs sind, auswendig, zum Teil mit konkreten Modellen ("Mama, Audi R8!"), das Alphabet, die Zahlen 1 bis 12 sowie die 42 (Warum?), und eben auch Piktogramme auf Verkehrs- oder Toilettenschildern.

Das mit dem Rollstuhl lief also theoretisch ganz einfach, Menschen, die nicht (gut) laufen können, fahren Rollstuhl, so ist das. Ja, Kind, du kannst super laufen, Mama auch, aber manche Menschen eben nicht. Zufriedenes Kindernicken, erledigt.

Praktisch aber gibt es ja verschiedene Rollstuhlfahrer, und die müssen im kindlichen Beobachtungswahn kommentiert werden. Manche sehen eben "komisch" aus, manche stehen plötzlich auf (Mindblow!), und manche haben keine Beine. Warum, kann ich ihm nicht erklären, und ich fühle mich entsprechend unwohl, wenn er mich laut danach fragt. Egal, wie sehr ich mich bemühe, das hier fällt mir am schwersten:

Ich glaube, irgendwann sollte man eine Behinderung begreifen wie eine Haarfarbe und nicht wie etwas Exotisches, Ansteckendes, Krankes.
(Raul Krauthausen)

Anders als eine besonders auffallende Haarfarbe legt man sich ja einen Rollstuhl nicht zu, um gesehen zu werden. Ich denke einfach immer automatisch, es muss dem Menschen doch unangenehm sein, wenn er einfach so kommentiert wird, und sei es nur in der verwunderten Piepsstimme eines Kleinkindes.

Ich weiß nicht, ob das jetzt einfach nur meine Komplexe, und manchmal unterdrückte Neugierde, sind.

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