Freitag, 17. April 2015

Von einer, die auszog, ...

Jetzt, da ich wieder auf der Suche nach einem Job bin, gibt es zwar keine sittenwidrigen Löhne mehr, aber eine Menge Vorurteile, die einem als Mutter begegnen. Es ist zum Verzweifeln: egal, wie oft ich betone, dass ich durchaus in der Lage bin, Studium und Kind zu vereinbaren, höre ich immer dasselbe: "Wir suchen eigentlich jemanden, der ein bisschen weniger Verpflichtungen / auch am Wochenende bis Mitternacht Zeit / weniger Stress / ... hat."



Diese Woche streiken in Deutschland die Erzieher(innen) für bessere angemessenere Löhne. Es wird ernsthaft diskutiert, ob sie das auch verdienen, wo sie doch "nur" spielen den ganzen Tag (bitch, please.) und nicht "richtig" arbeiten.

Es gibt (wieder einmal) eine Diskussion um "Rabenmütter", nur weil sich Frauen schockierenderweise dazu bekannt haben, mit ihrer Rolle als Mutter nicht vollständig erfüllt und glücklich zu sein.

Eine 65-jährige Frau wird durch die Boulevardlandschaft gepeitscht, weil sie nicht nur schon mehr Kinder hat als andere, sondern mit Vierlingen schwanger ist. Und anstatt sich zu freuen, dass sie in einem Land lebt, das in der Lage ist, ihr die beste medizinische Versorgung zu gewährleisten bei all den Risiken, denen ihr Körper damit ausgesetzt ist, fragen sich alle: Darf die das? Wieso macht sie das?

Ich lese ständig nur von Politikern, die sich wundern, dass die Deutschen keine Kinder mehr bekommen wollen. Von Demographen, die vor der Überalterung warnen. Von Familien, die von Skandinavien schwärmen, das so kinderfreundlich und fortschrittlich sein soll. Von Vätern, die gern mehr Zeit für ihre Kinder hätten. Von Frauen, denen am Beginn einer Karriere gesagt wird, sie sollten sich das mit dem Kinderkriegen gut überlegen.

Und, zum Abschluss dieser pessimistischen Tirade, mein Lieblingsfakt, der mir bei der Recherche ein kurzes Lachen entlockte und den sich jeder gern in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit auf der Zunge zergehen lassen darf:

Es gibt in Deutschland genau EIN Stipendium, das sich explizit an studentische Eltern richtet.

An Doktorandinnen in einem naturwissenschaftlichen Fach.

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