Freitag, 24. Februar 2012

Ein jeder ist seines eigenen Glückes Schmied

Ich habe heute eine seltsame Diskussion geführt. Am Beispiel von Sexualität wurde angeführt, die Leute sträubten sich immer dagegen, dass etwas angeboren statt zum Beispiel sozialisiert sein könnte; ich wiederum konnte das gut verstehen.

Allein die Vorstellung, einer Tatsache "hilflos" gegenüber zu stehen, sie nicht anders erklären zu können als durch "das ist eben so", finde ich grauenvoll. Man ist doch Mensch, ist doch intelligentes Wesen, ist doch Persönlichkeit - wie kann solche Komplexität durch schnöde Biologie erklärbar sein, und wieso sollte man sich ausgerechnet von der Natur aufhalten lassen? Sicher, Gene, Hormone, Nervenkostüm, all das determiniert uns, aber ohne äußere Einflüsse, Sozialleben, Bewusst- und Unbewusstsein, ohne die materielle und immaterielle "Umgebung", in die wir geraten, haben sie doch keinen Nährboden.

An der Stelle wurde ich größtenteils missverstanden, ich könne mich mit biologischen Faktoren nicht abfinden,  weil das bedeutete, ich könne sie nicht ändern, wenn sie mich störten. Das sehe ich allerdings anders. Es ist erstens natürlich nicht immer leicht, mit dem, was man mit auf den Weg bekommt, zufrieden zu sein. Nichtsdestotrotz ist es notwendig - mit sich im Reinen zu sein ist die Grundlage jedes gesunden Bewusstseins, jedes Glücklichseins und Ausgangspunkt aller Gefühle.

Zweitens, und das war mir noch wichtiger, weswegen das Falsch- und Nichtverstandenwerden umso schmerzlicher war, bin ich der Meinung, alles, was tatsächlich angeboren ist (ausgehend, natürlich, von einem halbwegs gesunden Körper, alles andere zu behaupten wäre zynisch), auch ändern oder zumindest nachhaltig beeinflussen zu können: Wenn ich will, kann ich mir die Haare färben, die Knochen brechen lassen, Augen lasern, Brüste vergrößern, Nase liften oder mich auch gleich geschlechtsumwandeln lassen...

Dementsprechend befremdlich finde ich solche Begründungen wie "Das ist eben angeboren." Billige Ausrede - wenn es das wäre, könnte man es sich zurechtbiegen. Alles, was danach kommt, wenn der Körper fertig ist und die Verkorkserei losgeht, ist doch das eigentlich Spannende, das, was uns zu dem macht, was wir tatsächlich sind. Verdreht, verschroben, verkopft.

Alle Verantwortung auf die Natur abzuwälzen, ist mir viel zu einfach. Dann macht auch Selbstmitleid weniger Spaß, wenn man die Schuld nicht wenigstens der Gesellschaft, der Erziehung, der Ernährung, der eigenen Mutter geben kann.

Die kleine Narzisse in mir geht auch weiterhin davon aus: Die Natur gibt uns das Bastelset, angemalt haben wir ganz alleine.

I'll be Peter Pan und you'll just be pretty.
IAMX - The great Shipwreck of Life

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