Montag, 28. Februar 2011

Philip Roth - Der Menschliche Makel

Einer der bekanntesten Vertreter amerikanischer Gegenwartsliteratur, wenn nicht der bekannteste überhaupt, und ich hatte noch nie irgendetwas von ihm gelesen - das geht ja nicht.


Der Gedanke kam mir spontan, als ich mich wieder einmal in der Leipziger Stadtbibliothek herumtrieb, wo der Herr ein eigenes Regal einnimmt (was in sofern viel heißt, dass es eine Interims-Bibliothek mit begrenztem Platz ist). Um diese Lücke zu schließen, wollte ich eigentlich mit den Hexen von Eastwick" anfangen, da ich den Film kenne, aber entschied mich dan doch für den "Menschlichen Makel".



An sich eine gute Entscheidung, denn das Buch erzählt auf doch sehr spannende Weise eine fast schon abstruse Geschichte: Ein schwarzer junger Mann gibt sich dank seiner hellen Hautfarbe erfolgreich als Weißer aus, als er der Navy beitritt, und erhält diese Lüge auch später aufrecht - bis zu seinem Tod, um genau zu sein. Bis zu seinem Tod als weißer, jüdischer College-Professor und Familienvater.

Der Anlass, aus dem der Leser (und nur dieser) von dieser Lüge überhaupt erfährt, ist jedoch ein anderer. Durch eine unglückliche Formulierung wird der Professor versehentlich des Rassismus' verdächtigt, und da er unter seinen Kollegen wenig Freunde hat, wird daraus eine regelrechte Hetzjagd, bis er sich verbittert vom College zurückzieht.

Die eigentliche Handlung, unterbrochen von vielen Rückblicken und Einschüben mit Gedanken der Nebencharaktere, wird von seinem Nachbarn Nathan Zuckerman erzählt, dem am Ende auch als einzigem klar wird, dass der Professor und seine junge Geliebte nicht bei einem Autounfall gestorben sind, sondern vom Ehemann ebenjener ermordet wurden.

Das Faszinierende an Roths Schreibweise ist, dass jeder einzelne Charakter des Buches nicht der ist, der er nach außen scheint - nachvollziehbar, den wer ist das schon - und jeder für sich ein mehr oder weniger schweres Schicksal mit sich herumträgt, das an sich bereits für einen Roman reichen würde. Alles in allem sind sie nur eine Ansammlung trauriger Gestalten, deren Leben so unglücklich aufeinander prallen, dass sie alle dadurch aus der Bahn geworfen werden.

P.S.: Für die Lesefaulen reicht auch der Film. Denn gerade zum Ende hin wird das Buch doch etwas langatmig.

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