Freitag, 3. September 2010

Michel Schneider - Marilyns letzte Sitzung

Ein echter Schatz, der mir für lächerliche 4€ im Wühltisch einer größeren Buchhandlung begegnete, und der mittlerweile zweite Roman über Marylin Monroe, den ich lese - nach "I killed Norma Jean" von Hanjo Lehmann, das ich vor einigen Jahren im Urlaub aus der Tasche meiner Mutter fischte, und der mich, obwohl die Handung größtenteils fiktiv war, doch schwer begeisterte und mich für diese unglaublich faszinierende Frau einnahm.

Dieses Buch nun befasst sich mit Marilyns Verhältnis zur Psychoanalyse, genauer gesagt zu ihrem letzten Psychoanalytiker Dr Greenson, der in den letzten Jahren ihres Lebens ihr engster Vertrauter war.

Er war es auch, der ihre Leiche entdeckte und die Polizei von ihrem "Suizid" in Kenntnis setzte, von dem er alles andere als überzeugt war.



Worum geht es?

Das Buch beginnt in der Gegenwart, 2006, als fast alle Akteure schon verstorben sind, und baut die Handlung ohne jegliche Chronologie in Rückblicken auf, was doch einiges an Konzentration beim Lesen fordert; außerdem sollte man sich zumindest rudimentär im Hollywood der frühen Sechziger Jahre auskennen - Schriftsteller (Arthur Miller, Truman Capote, F. Scott Fitzgerald etc.), Schauspieler (Clark Gable, James Dean etc.) und andere Persönlichkeiten zuhauf tauchen in der Handlung auf. Soviel zum Grundverständnis.


Was sie hat - diese Präsenz, dieses Leuchten, diese aufblitzende Intelligenz -, könnte auf der Bühne nicht herauskommen. Es ist so zerbrechlich und subtil, dass nur die Kamera es einfangen kann. Es gleicht einem fliegenden Kolibri: Nur eine Kamera kann die Poesie festhalten, die darin liegt.
(S.100)

Worum geht es wirklich?

Was mich bereits beim ersten Buch an Marilyn fasziniert hat, war vermutlich die extreme Diskrepanz zwischen ihrem tatsächlichen Leben und dem Bild, das man sich von ihr bewahrt hat - und dass ihr nicht annähernd gerecht wird. Hinter der schönen, leicht naiven Blondine, der Kinderstimme und ihren legendären "Star-Allüren" steckte eigentlich eine intelligente, schwer labile Frau, die von ihrem Umfeld immer nur instrumentalisiert und missbraucht wurde - und auch heute nur als Pin-up der fünfziger und sechziger Jahre wahrgenommen wird.

Alles in allem: Mein Faible für selbstzerstörerische, drogensüchtige Genies und Stilikonen ist meinem Umfeld hinreichend bekannt, und dieses Buch gibt ihm nur neuen Auftrieb. Äußerst lesenswert für alle, die sich gern mit Menschen hinter ihren Masken beschäftigen.

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